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Meerbusch
Studie: Wirtschaft im Kreis Neuss boomt

Meerbusch. 500 Unternehmen wurden befragt. Von Frank Kirschstein

Eigentlich gilt die Spezies der Meinungsforscher eher als nüchtern. Emotionale Ausbrüche sind selten - umso erstaunlicher, wenn es ganz anders ist: "Im Rhein-Kreis ist die Welt noch in Ordnung, hier wird Geld verdient, hier brummt es", so fasste Rainer Bovelet, wissenschaftlicher Leiter der Initiative "Konjunkturforschung Regional", gestern das Ergebnis der Studie "Mittelstandsbarometer 2016" zusammen.

500 Unternehmen in den acht Kommunen des Rhein-Kreises wurden befragt. Mit einem aus Sicht der Auftraggeber, Rhein-Kreis, Sparkasse Neuss und Creditreform, herausragenden Ergebnis: Der regionale Geschäftsklima-Index, der Lage und Erwartung unter anderem für Auftragssituation, Umsatz, Gewinn und Personalbestand berücksichtigt, verbessert sich um plus vier auf 132 Punkte - ein Allzeithoch, besser als der Bundesdurchschnitt (127). Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zeigte sich positiv überrascht: "Allen Unkenrufen zum Trotz ist ein befürchteter Konjunktureinbruch durch den ,Brexit' oder andere konjunkturelle Störfaktoren wie krisenbedingte Exportrückgänge oder die finanziellen Belastungen durch die Flüchtlingskrise bislang nicht eingetroffen." Die Interviews für die Studie wurden von Anfang bis Mitte August geführt, selbst der Putschversuch in der Türkei fällt also noch in den Erhebungszeitraum - ohne große Folgen für die Prognosen der Unternehmen: 60 Prozent der Firmen bewerten ihre aktuelle und künftige Auftragslage als sehr gut oder gut. Bovelet rechnet damit, dass das auch so bleibt. Auch die "Investitionslust" legt zu, auch wenn sie letztlich unter Bundesniveau bleibt. 53 Prozent der Unternehmen wollen in den kommenden zwölf Monaten investieren. "Der Mittelstand macht sich fit für die Zukunft", sagt Michael Schmuck, Vorstandschef der Sparkasse Neuss. Geld fließe vor allem in Kapazitätserweiterung, Innovation und Rationalisierung. Ebenfalls positiv: Die Zahlungsmoral hat sich weiter verbessert und die Insolvenzgefährdung nimmt ab. Leicht eingetrübt hat sich allerdings das Investitionsklima und auch die Bewertung zur Kreditvergabepraxis. Letzteres hält der Sparkassenchef zumindest mit Blick aufs eigene Haus für ein "gefühltes Problem": "Wir haben unsere Standards nicht verschärft. Die Zinsen sind niedrig. 80 Prozent der Bilanzsumme kommen aus dem Kreditgeschäft. Kurz: Das Geld ist da." Möglicherweise spielten Bürokratie-Aspekte wie neue Anforderungen der Aufsichtsbehörden an die Dokumentation eine Rolle bei Beurteilung der Kreditvergabe.

Während weiter rund 90 Prozent der Unternehmen den Wirtschaftsstandort Rhein-Kreis weiterempfehlen würden, hat sich die Bekanntheit der Beratungsangebote der Wirtschaftsförderer im Kreis verringert. Der Landrat sieht das allerdings weniger als Versagen, denn als Bestätigung: "Wenn die Wirtschaft brummt, gibt es weniger Grund, bei der Wirtschaftsförderung anzuklopfen."

Quelle: RP
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