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Meerbusch
Taschengeldbörse: Alles auf Anfang

Meerbusch: Taschengeldbörse: Alles auf Anfang
In anderen Städten wie Hilden oder Hückeswagen funktioniert's bereits: Die Taschengeldbörse bringt Senioren und Jugendliche zusammen. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Meerbusch. Neuss bekommt den Zuschlag für EU-Fördermittel zur Einrichtung der Taschengeldbörse. Auch Meerbusch hatte sich um Gelder aus dem Fördertopf beworben. Die Nachbarstadt überzeugte jedoch mit dem schlüssigeren Konzept Von Susanne Genath und Tim Harpers

Schlechte Nachrichten für Meerbusch: Die Stadt Neuss erhält vom Rhein-Kreis den Zuschlag zur geplanten Taschengeldbörse, auf den sich auch der Meerbuscher Stadtrat berechtigte Hoffnungen gemacht hatte. Neuss hatte beim Kreis ebenfalls ein Konzept vorgelegt. Beide Kommunen konkurrierten deshalb um einen EU-Zuschuss von bis zu 15.000 Euro, mit dessen Hilfe das Projekt realisiert werden sollte.

"Leider durften wir den Betrag nicht halbieren, um beiden Städten eine finanzielle Unterstützung zu gewähren", bedauert Siegfried Henkel, Leiter des Kreis-Sozialamtes. Man habe sich für Neuss entschieden, weil die Quirinusstadt die Koordination der Taschengeldbörse direkt beim Jugendamt ansiedeln will. "In Meerbusch sollte ein Wohlfahrtsverband dazwischengeschaltet werden. Das bedeutet aus unserer Sicht mehr Bürokratie."

Das Prinzip der Taschengeldbörsen ist schnell erklärt: 14- bis 18-Jährige erledigen für Senioren einfache, ungefährliche Arbeiten in Haus und Garten und erhalten dafür ein kleines Entgelt, um ihr Taschengeld aufzubessern. Eine zentrale Stelle - in Neuss das Jugendamt - vermittelt arbeitswillige Jugendliche an ältere Menschen, die einen kleinen Auftrag zu vergeben haben. "Die Idee ist gut", findet Henkel. "Jugendliche lernen, dass man etwas tun muss, um Geld zu bekommen. Und für die Senioren bedeutet es, dass sie eine soziale Anbindung finden. Denn Ziel der Taschengeldbörse ist es, eine generationenübergreifende Kommunikation zu fördern."

Die Entscheidung gegen Meerbusch ist aber keine grundsätzliche Entscheidung gegen das Sozialprojekt in der Stadt. Auch für die Senioren und Jugendlichen zwischen Büderich, Osterath und Lank-Latum soll noch eine Lösung gefunden werden. "Meerbusch will die Taschengeldbörse auch ohne den Zuschuss umsetzen", sagt der Kreis-Sozialamtsleiter. Das Problem: Nach der Absage durch den Rhein-Kreis ist noch nicht klar, wie eine Realisierung zu finanzieren ist. "Wir bedauern die Entscheidung", sagt Heidemarie Niebeloh, Vorsitzende der Meerbuscher SPD, die die Taschengeldbörse im Stadtrat angestoßen hatte.

"Damit ist das Projekt vorerst nicht umsetzbar. Ich verspreche aber, dass wir es nicht aus den Augen verlieren werden. Wir werden in nächster Zeit darüber sprechen, was sich da im kommenden Jahr machen lässt." Denkbar wäre zum Beispiel eine Lösung nach Hildener Vorbild. Dort wird die Börse von Arbeiterwohlfahrt, Seniorenbeirat und Jugendparlament getragen. "Unser Einfluss als Stadtrat ist da aber natürlich begrenzt", meint Niebeloh. "Wir können der Awo nur einen netten Brief schreiben und nachfragen." Renate Kox, Leiterin der Begegnungstätte der Arbeiterwohlfahrt in Büderich und CDU-Ratsfrau, glaubt aber nicht daran, dass die Wohlfahrtsorganisation in der nächsten Zeit bei der Realisierung einer Taschengeldbörse behilflich sein kann. "Wir haben hier leider kein Personal, das noch zusätzliche Aufgaben stemmen könnte", sagt sie. "Außerdem haben wir keine eigenen finanziellen Mittel."

Die Verwaltung erwägt eine Anbindung an das Ehrenamtforum, möglicherweise im Rahmen eines geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses. Für eine dauerhafte Finanzierung könnten möglicherweise anteilig die seit Jahren nicht abgerufenen Projektfördermittel aus der offenen Seniorenarbeit verwendet werden.

Quelle: RP
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