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Serie: Heimat genießen in Meerbusch
Trudis Eis noch immer nach Original-Rezept

Serie: Heimat genießen in Meerbusch: Trudis Eis noch immer nach Original-Rezept
Vor zehn Jahren eröffnete Karen Raukes in Strümp das Eis-Paradies - mit Original-Trudi-Rezepten.
Meerbusch. In den 60er Jahren wurde es in einem Osterather Fachwerkhaus entwickelt und von dort direkt auf die Hand verkauft. Das "Trudi-Eis" ist eine Meerbuscher Marke und wird nach Original-Rezept immer noch hergestellt.

An lauen Sommertagen war die Schlange an der Kapellenstraße in Osterath vor dem Fachwerkhaus der Familie Stüttgen immer besonders lang. "Die haben alle geduldig gewartet, bis sie dran waren", erinnert sich Gertrud Stüttgen (80). Und mit Geduld war manchmal auch wirklich Geduld gefragt. Denn es konnte schon mal sein, dass der Andrang so groß war, dass die Lieblings-Eissorte von einer Minute auf die andere plötzlich aus war. Gewartet wurde dann trotzdem. Denn "Trudi" - wie Gertrud Stüttgen von allen genannt wurde - legte in solchen Situationen immer sofort mit der eigenen Produktion nach, um ihre Kunden möglichst schnell glücklich zu machen. So wurden Trudi und ihr handgemachtes Eis zu einer erfolgreichen Marke: Alle Kinder im Ort liebten Trudi, es zählte zum festen Ausflugsziel der Stadtranderholung - und auch als Ausflugsziel zog der Osterather Laden, in dem das Eis in bunten Plastikbechern aus Tür und Fenster direkt auf die Hand verkauft wurde, Publikum aus Nah und Fern.

Klaus Raukes, einst selbst Trudi-Kunde, eröffnete vor sechs Jahren "Trudi's Eiscafé" in Büderich. FOTO: Röse

Trudi selbst übernahm das Geschäft von ihren Eltern. "Das war 1978", sagt die Rentnerin. 1960 hatte bereits ihr Vater Michael - damals im Milchgeschäft tätig - die Idee, seine Quelle für eigene Zwecke zu nutzen und daraus ein Geschäft mit dem Eis zu machen. Auf Trudis Vater ist auch das Rezept zurückzuführen, nach dem immer noch unverändert in Strümp und Büderich Eis produziert und verkauft wird.

"Unsere Grundlage bildete dabei immer unser Vanilleeis", erklärt Trudi. "Auf dieser Basis wurden dann alle anderen Sorten hergestellt." Und all das natürlich ohne künstliche Aromastoffe oder Konservierungsstoffe. Zehn Pfennige kostete eine Kugel am Anfang.

Doch wie kam es dazu, dass die Originalrezeptur selbst nach Schließung der Osterather Eisdiele im Jahr 1996 bis heute erhalten werden konnte? Zurückzuführen ist das vor allem auf einen Mann, der als Junge oft selbst bei Trudi in der Schlange stand und sich über jede Kugel dort wie Bolle freute. "Das war schon ein lang gehgter Traum, Trudis Tradition mal fortzusetzen", bekundet Klaus Raukes.

So fügte es sich, dass der Meerbuscher vor zehn Jahren gemeinsam mit seiner Frau Karin seine erste Eisdiele in Strümp eröffnete. Und da ihm das Glück besonders hold war, gab es das Rezept für die eigene Eisproduktion von Trudi gratis dazu. "Wir haben einfach bei der Dame geklingelt, waren zusammen abendessen, und dann war alles klar", erzählt Raukes, der seit 2009 "Trudi's Eiscafé" in Büderich betreibt.

Aber nicht nur ihr Geheimrezept gab die alte Dame damals Preis: So stand sie anfangs selbst an der Eismaschine in der Eisdiele an der Xantener Straße in Strümp, übte mit Karin Raukes stundenlang die Herstellung und stand überhaupt dem Ehepaar mit Rat und Tat zur Seite. "Das Besondere ist neben der frischen Produktion vor allem, dass das Eis weniger Zucker und dafür viele frische Zutaten hat", beschreibt Klaus Raukes das Erfolgsprodukt. Und das schätzen nicht nur die Meerbuscher, sondern auch viele Düsseldorfer und Neusser, die eigens wegen Trudis Eis regelmäßig anreisen. Gestern beispielsweise kehrte Meerbuschs früherer Bürgermeister Dieter Spindler im "Strümper Eis-Paradies" ein, holte sich ein bisschen Stärkung während einer Radtour. "Lecker!"

Das Sortiment hat sich über die Jahre hinweg vergrößert. So stehen etwa am Laacher Weg zusätzlich drei reine Fruchteissorten auf der Karte. "Auch Smartie-Eis, Joghurt und Butterkeks sind beliebte, neuere Sorten", sagt der Eisdielen-Besitzer. In Strümp gibt's sogar "Wiener Mandel".

Und auch wenn der Herbst bald beginnt, ist die Saison noch nicht vorbei. Das legendäre Meerbuscher Eis kann bis Ende Oktober noch frisch gelöffelt und geschleckt werden. Interessant sei dabei, dass sich mit der Kälte auch der Geschmack verändert, berichtet Raukes. "Bei Hitze werden vor allem Früchte und Sorbets gerne gegessen. Im Moment laufen vor allem die schokoladigen Sorten sehr gut."

Der wichtigste Tester ist aber immer noch die Meerbuscher Eislegende selbst: "Ich schaue immer gerne mal in den beiden Eisdielen vorbei und gönne mir eine ordentliche Portion", sagt Gertrud Stüttgen. Und zwar am liebsten Schokolade, Nuss - und manchmal auch Zitrone. Ananda Kordes

Quelle: RP
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