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Meerbusch
Übernachten im Weinfass mit Rheinblick

Meerbusch: Übernachten im Weinfass mit Rheinblick
Genießen ihre Zeit auf dem Campingplatz: Sabine und Christoph Wisser, die das Weinfass gebucht haben, sitzen gerade beim Mittagessen zusammen. Die beiden kommen aus Kiel und sind auf Deutschland-Reise. FOTO: Achim Hüskes
Meerbusch. Urlaubsfeeling beim "Rheincamping Meerbusch": Besucher schätzen die ruhige gepflegte Atmosphäre, den Ausblick auf Kaiserswerth und den nahen Rhein. Der Platz bleibt bis Oktober geöffnet Von Angelika Kirchholtes

Der Reiter bindet lässig sein Pferd am Holzbalken fest und geht festen Schrittes zur Theke, wo er ein Bier ordert. Eine Szene wie aus dem Wilden Westen. Doch sie spielt sich derzeit auch immer wieder am Langst-Kierster Campingplatz, genauer gesagt an der dazu gehörigen Strandbar Tropicana, ab. Dort ist jeder willkommen: Hund, Pferd, Fahrrad, Wohnwagen und Campmobil, dazu natürlich deren Besitzer. Für die Tiere gibt es Wasser, für die Menschen erfrischende Getränke, mit oder ohne Alkohol. Für Urlaubsflair sorgen die Liegestühle, die mitten im Sand zum Relaxen einladen. Dazu der Blick auf den Rhein, die vorbei tuckernden Schiffe und die Kulisse von Kaiserswerth. Was braucht es mehr, um entspannt Urlaub zu machen?

Der Platz in Rheinnähe ist vor allem durch den alten Baumbestand besonders lauschig und bietet Schattenplätze. FOTO: Hüskes, Achim (achu)

"Nichts!" Dieser Ansicht sind alle der angesprochenen Campingfreunde, die auf dem gepflegten Areal ihr Zelt, ihren Campingwagen oder das Wohnmobil aufgeschlagen haben. "Rheincamping Meerbusch" heißt die Anlage, die Rainer Breitbach und Markus Brix seit 2008 auf 950 Metern entlang des Rheins neben dem Fährkopf betreiben, aufgeteilt in Bereiche für Kurzzeitcamper (meist Radfahrer), Gruppen, Wohnwagen und Dauercamper.

Als i-Tüpfelchen gibt es in diesem Jahr sogar ein Weinfass, in dem man nächtigen kann. "Das ist der Mercedes der Fässer", informiert Breitbach. Alles ist genau ausgetüftelt: Betten oben, darunter ein Tisch zum Ausziehen und ein Regal. Allzu groß sollte man aber nicht sein. Sogar eine Heizung ist vorhanden, wenn es mal fröstelt. Diese Gefahr besteht zur Zeit allerdings nicht. Das Leben spielt sich davor ab. Christoph und Sabine Wisser bereiten gerade ihr Mittagessen zu: Tortilla und danach frische Früchte. Sie kommen aus Kiel und wollen Deutschland erkunden. Für vier Tage machen sie in Meerbusch Station und planen mehrere Radtouren in die Umgebung. "Der Anteil der Radfahrer, die die Rheinroute befahren, nimmt immer weiter zu", sagt Breitbach. "Darunter sind Kanadier, Neuseeländer, Israeli, Chinesen und Philippiner." Sie bleiben meist nur eine Nacht und stehen morgens früh auf, damit sie ihre Etappe schaffen.

Der neue Aufenthaltsraum wurde vor allem für die Radfahrer gebaut, die nicht so viel Gepäck dabei haben. Sie können dort auch einen Tresor nutzen. FOTO: Hüskes, Achim (achu)

Familie Rosenbaum aus Duisburg-Baerl will es dagegen ruhig angehen lassen. Statt Urlaub an der Ostsee ("Dort ist es jetzt total überfüllt") sind sie erstmals in Meerbusch und genießen mit einem Buch in der Hand den Schatten unter einem großen Baum. Auch "Mona", die Familienhündin, ist zufrieden. Sie hat sich bereits im Rhein ausgetobt, an der Ausziehleine, versteht sich. "Wir wollen nicht riskieren, dass sie von einem Strudel gepackt oder abgetrieben wird", sagt Elke Rosenbaum. Mehr Aktivität haben sie an diesem Tag nicht geplant. "Der Platz ist echt schön", zeigen sie sich begeistert von Ruhe und friedlicher Atmosphäre. "Da sparen wir uns die lange Anfahrt nach Korsika oder Spanien, wo wir sonst gerne hinfahren," sagt Klaus Rosenbaum lachend.

Dass der Bereich mit der großen Rasenfläche direkt am Rhein so ordentlich aussieht, dafür sorgt eine Gruppe der Dauercamper. "Dieses Areal gehört nicht dem Campingplatz, sondern dem Landschaftsverband", erklärt der Bösinghovener Frank Schliewe, der seit 17 Jahren Dauermieter in erster Reihe ist. "Mit 20 Leuten haben wir uns einen Aufsitzer gekauft und mähen regelmäßig die Wiese." So ist beiden Seiten gedient: Die Camper haben einen schönen Anblick, und der Landschaftsverband ist die Pflege los. Schliewe und seine Frau Ria fühlen sich rundherum wohl. "Wir genießen jeden Abend den fantastischen Blick auf die Lichter von Kaiserswerth, die sich im Rhein spiegeln", sagen sie. Nach Hause gehen sie im Sommer nur, um Post zu holen und kleine Erledigungen zu machen. Kühlschrank, Waschmaschine und Kochplatten stehen im Vorzelt. Allerdings müssen sie alles abbauen und zu einem Bauern schaffen, wenn die Saison im Oktober zu Ende ist, da sich der Campingplatz im Vorflutgelände des Rheins befindet. "Aber schon zu Weihnachten sehnen wir uns zurück und kommen mit einer Thermoskanne Glühwein hierher", sagen sie augen- zwinkernd.

Beim Blick über die Anlage sticht ein Wohnmobil besonders ins Auge: ein riesiger, metallic glänzender Transporter mit Jumbo-Reifen. "Ich nenne das mein Expeditionsmobil", erklärt Harald Wagner. Er hat den 30 Jahre alten österreichischen Truppentransporter gekauft, als dieser ausgemustert wurde, und in monatelanger Arbeit in ein Wohnmobil umgebaut. "Ich teste jetzt die Einrichtung und wenn alles funktioniert, starte ich zu meiner Tour quer durch Europa", verrät der Krefelder.

Quelle: RP
 
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