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Meerbusch
Vegard Skirbekk: "Der sogenannte Ruhestand ist eher unnatürlich"

Meerbusch: Vegard Skirbekk: "Der sogenannte Ruhestand ist eher unnatürlich"
Sprachen in Meerbusch über das Leben im Alter: Professor Vegard Skirbekk und Mechthild Schulten, Leiterin des Malteser^- Hospizzentrums in Duisburg. FOTO: mgö
Meerbusch. In der Bethlehemkirche ging es um das Leben in einer stetig älter werdenden Gesellschaft. Nach Meinung der Experten sieht die durchaus positiv aus. Gast des Abends war der norwegische Volkswirt und Sozialwissenschaftler Professor Vegard Skirbekk. Von Monika Götz

Alte Menschen fallen den Angehörigen zu Last, nehmen den Jungen die Arbeitsplätze weg, können nichts Neues mehr lernen - diese und ähnlich lautende Behauptungen könnten die These unterstützten, dass "ein Kampf der Generationen" bevorsteht. Wie aber sieht das ein Wissenschaftsphilosoph, der sich intensiv mit gesellschaftlichen Altersfragen beschäftigt? Diese Frage stellten die in ein Rollenspiel eingebundene Pfarrerin Susanne Pfund-Forst mit Maria von Mandelsloh, Ralph Jörgens (beide "Philosophie in Meerbusch") und Sigrid Müller-Emsters von der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich. "Niemand nimmt den jungen Menschen Arbeitsplätze weg", lautete die Antwort von Professor Vegard Skirbekk. Vor rund 60 Besuchern legte der Volkswirt und Sozialwissenschaftler in der Bethlehemkirche Ergebnisse seiner Forschung dar und stellte klar, dass es mehrere Faktoren zu berücksichtigen gibt: "Unter anderem spielen Fähigkeiten und Ausbildung eine Rolle", sagte Skirbekk.

Der Wissenschaftler betonte den hohen Stellenwert der Bildung: "Auch im Alter braucht sie Updates." Da sich die bildungsrelevanten Voraussetzungen - verglichen mit den 1930/40er und 1990er Jahrgängen - stetig verbessern, prognostizierte der Professor: "Wenn es so weiter geht, sieht die Zukunft gut aus, und alles wird besser." Damit untermauerte der durch wissenschaftliche Schriften bekannte Norweger den Titel des aktuellen "Philosophischen Abends" der Evangelischen Kirchengemeinde, der da lautete: "Über die Vorteile einer älteren Gesellschaft".

Gemeinsam mit "querkopf"-Geschäftsführerin Ulla Bundrock-Muhs meldete sich auch die Jugend zu Wort. Der 17 Jahre alte Schüler Antonius Bodenmüller hilft im Lanker Malteserstift aus und findet: "Dort funktioniert das Zusammenleben von Jung und Alt sehr gut." Grundsätzlich suchten ältere Menschen Wertschätzung und Anerkennung, erklärte Skirrbekk. "Danach wird gestrebt, das ist wichtiger als Geld. Ein positives Image zählt." Zu Letzterem könne eine Ehrenamtsposition verhelfen. "Sie bringt vielfältige Aufgaben mit sich", betonte auch Philologin Mechthild Schulten. Schulten leitet das Malteser-Hospizzentrum St. Raphael in Duisburg und stellte fest, dass die Geschichte der Palliativ- und Hospizarbeit auf der älter werdenden Gesellschaft fußt. Aber solange sich die Senioren fit fühlen, sollten sie auch im Alter "weiter lernen", sagte sie.

Ute Canaris, Kirchencafé-Geschäftsführerin, empfahl ebenfalls: "Die Herausforderung annehmen und neugierig bleiben." Das bekräftigte Vegard Skirbekk mit der Feststellung: "Der sogenannte Ruhestand ist eher unnatürlich." Und auf die von José Navarro - in Meerbusch lebender spanischer Wissenschaftler - gestellte Frage, ob gemeinsame Aktivitäten von Jung und Alt der Schlüssel dazu seien, Vorteile einer älteren Gesellschaft herauszuarbeiten, antwortete er: "Auf jeden Fall ist Zusammenarbeit eine gute Sache."

Zeit, über das Gehörte nachzudenken, gab es bei den von Kantorin Ekaterina Porizko mit anhaltendem Beifall belohnten Klavier-Kompositionen sowie beim Cateringangebot von Olivier Macé aus dem Bistro Haus Meer.

Quelle: RP
 
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