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Meerbusch
Verhindern Flugzeuge Windpark?

Meerbusch. Die Bezirksregierung will in Büderich eine Windkraftkonzentrationsfläche schaffen. Die Stadt sieht Gefahr für Flieger. Von Sebastian Peters

Zwischen Büderich und der A 52 soll ein Areal für Windräder reserviert werden. So sieht es die Bezirksregierung im neuen Entwurf des Regionalplans vor. Die Kommunen können Stellung nehmen. Die Stadt Meerbusch hat ihre Hausaufgaben schon gemacht: In einem neuen Schreiben an den Regionalplan fordert der Meerbuscher Technische Dezernent Michael Assenmacher die Bezirksregierung auf, ein neues Gutachten in Auftrag zu geben, das die Auswirkungen des geplanten Windparks auf Natur und Flugzeugverkehr untersucht.

Mit der Ratssitzung gestern Abend steht auch fest, dass er dafür auch das Votum der Politik hat. Die Argumentation ist auf den ersten Blick ein Paradoxon: Meerbusch, das doch eigentlich gegen den Fluglärm ankämpft, bringt auf einmal den Flughafen Düsseldorf als Argument gegen Windkraft ins Spiel.

Die Stadt hat Gründe: In Osterath werden seit Jahren keine Windräder mehr genehmigt. Begründung dort: Die Rotoren können den Radar des Flughafens stören. Im Flächennutzungsplan ist das Gebiet zwar noch als Windkraftzone vorgesehen. Faktisch passiert dort nichts mehr. Nun will die Bezirksregierung ausgerechnet für den Stadtteil Büderich, der minütlich von Flugzeugen überflogen wird, den Bau von Windrädern möglich machen.

Michael Fuhrmann, Sprecher der Deutschen Flugsicherung, teilte auf Anfrage mit, dass Bauwerke wie Windräder in einem 15-Kilometer-Radius um Navigationsanlagen problematisch sein können. Diese Navigationsanlagen senden ähnlich wie ein Leuchtturm Signale aus, die verzerrt werden könnten. Die Errichtung von Anlagen innerhalb dieses Radius bedarf daher immer einer Einzelfallprüfung. Der Standort in Büderich ist nur sieben Kilometer Luftlinie vom Flughafen Düsseldorf entfernt.

Die Stadtverwaltung befindet sich in einer Zwickmühle: Sie will auf mehr auf klimafreundliche Energie wie Windräder setzen. So ist es im Klimaschutzkonzept verabschiedet. Bis auf drei Windräder in Osterath herrscht aber in Meerbusch viel Wind um nichts. Michael Assenmacher: "Wenn in Osterath der Bau von Windrädern wegen der Flugzeuge nicht möglich ist, dann müsste dies in Büderich eigentlich ebenso unmöglich sein. Da fliegen schließlich die Flugzeuge noch viel tiefer."

Die neue Windkraftkonzentrationsfläche befindet sich im Westen von Büderich, südlich der Necklenbroicher Straße, direkt an der Kaarster Stadtgrenze. Im jüngsten Planungsausschuss kam es noch einmal zu einer Debatte. Grünen-Fraktionschef Jürgen Peters regte an, auf die Forderung einer Vorprüfung der Fläche zu verzichten. Mit Mehrheit folgte der Ausschuss allerdings dem Vorschlag der Stadtverwaltung.

Die regt in ihrer Stellungnahme zum Regionalplan wörtlich an: "Ob hier auf Meerbuscher Stadtgebiet ein weiterer Windkraftanlagenstandort geeignet ist, sollte durch eine gutachterliche Nachuntersuchung geprüft werden. Dabei ist zu beachten, dass eine dort aufgestellte Anlage in der Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens stände." Ein erster solcher Protest der Stadt Meerbusch hatte keinen Erfolg. Nun bringt die Stadt ihre Argumente erneut vor. Die Verwaltung argumentiert damit, dass die Bezirksregierung bisher auf ergänzende Angaben verzichtet habe. Auch seien die Stellungnahmen des Flughafens Düsseldorf und der Flugsicherung zu beachten.

Ist jetzt keine Windkraft mehr in Meerbusch möglich? Die Potenzialstudie "Erneuerbare Energien" im Auftrag des Landesamtes für Naturschutz hatte auf Meerbuscher Gebiet Potenzial für Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 24 Megawatt gesehen. Dies wären, abhängig vom Standort, mindestens acht Windräder mit einer Nabenhöhe von 135 Metern. Das ist fast dreimal so hoch wie die Mauritiuskirche, die derzeit das höchste Meerbuscher Bauwerk ist. Die Studie aus dem Jahr 2013 geht davon aus, dass die Windräder in Meerbusch netto bis zu 60 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren könnten. Eine eigene Studie der Stadt kommt aber zu anderen Ergebnissen: Das Meerbuscher Klimaschutzkonzept (2012) geht von einem geringeren Potenzial aus: Selbst wenn es keine Höhenbeschränkungen für die Windräder gäbe und die drei vorhandenen Windräder durch zwei moderne Anlagen ersetzt würden, sieht das Klimaschutzkonzept lediglich ein zusätzliches erschließbares Potenzial von 18,7 Gigawattstunden pro Jahr vor.

Quelle: RP
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