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Meerbusch
Volle Kirche bei Karnevalsmesse

Meerbusch. "Em Namen vom Vatter": Ein neues Gottesdienstformat hat sich in der Mauritiuskirche bewährt. Von Sebastian Peters

Es war ein Experiment - die Büdericher haben es mit großem Zuspruch angenommen. In der Mauritiuskirche Büderich haben Pfarrer Michael Berning und Diakon Friedhelm Messerschmidt gestern eine Karnevalsmesse in Mundart gefeiert und damit den Beweis angetreten, dass Kirche sich modernisieren kann, ohne sich dem Zeitgeist anzubiedern. Vertreter der Büdericher Karnevalsgesellschaften Blau Weiß und Heinzelmännchen kamen in Vereinskluft, mancher Kirchenbesucher war verkleidet. So sah man zwischen den Gottesdienstbesuchern vereinzelt Clowns, Eisbären und eine Tigerin. Zum zweiten Mal wurde die Messe zelebriert.

"In Köln und Düsseldorf werden solche Gottesdienste für die Karnevalsvereine schon lange gefeiert", sagte Pfarrer Michael Berning im Gespräch mit unserer Redaktion. Kurz nach Karneval 2014 habe er bei den Vereinen vorgefühlt und sei auf reges Interesse gestoßen. "Früher gab es hier zum Titularfest der Schützen eine Messe auf Platt mit dem verstorbenen Pfarrer Fischer aus Lörick, und da unser alter Diakon Messerschmidt und einige andere des Börker Platt mächtig sind, fand sich schnell das Vorbereitungsteam." Hans Spennes und Friedhelm Rippers haben die Texte erarbeitet.

Liebevoll vorbereitet war die einstündige Messe, für die mancher Kirchgänger sich umgewöhnen musste. Beim Einzug etwa wurde zu den Orgelklängen geklatscht. "Em Name vom Vatter, sinnem Sohn on dem hellije Jeist", begrüßte dann Michael Berning die Kirchenbesucher. Die antworteten mit "Amen", worauf Berning sagte: "Ose Häer sei möt öch". Berning hatte sich die Passagen zuvor mehrfach laut vorgelesen: "Börker Platt frei zu sprechen ist einfacher als es abzulesen. Das erfordert einige Übung", sagte Berning, der mit der Messe auch auf die Verbindung von Kirche und Karneval, auf den christlichen Ursprung des Festes hinweisen will. Der Humor kam aber nicht zu kurz in diesem besonderen Gottesdienst, dem rund 500 Kirchgänger beiwohnten - die Mauritiuskirche war voll besetzt. Diakon Friedhelm Messerschmidt wusste in seine Mundart-Predigt manchen Schmunzler einzubauen.

Pfarrer Berning betont, dass es ihm und den beiden ausrichtenden Gesellschaften wichtig sei, dass es kein Gottesdienst nur für die Vereine ist, sondern einer für die ganze Gemeinde. Der gestrige Karnevalssonntag sei ein guter Termin, weil der Gottesdienst das Tonnenrennen auf dem benachbarten Dr.-Franz-Schütz-Platz ergänzt, sagte Berning. Viele der Kirchgänger gingen gestern tatsächlich direkt nach der Messe zum Tonnenrennen rüber.

Quelle: RP
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