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Wie Geht's, Meerbusch?
Von einem "Top-Standort" und vielen Zweiflern

Meerbusch. Eine Mehrheit für das Interkommunale Gewerbegebiet ist nicht absehbar. Jetzt schlägt die Stunde der guten Argumente: Wo ist der Global Player?

Von unseren Nachbarn, den Niederlanden, kann man vieles lernen - zum Beispiel, wo man Gewerbegebiete richtig ansiedelt. Wenn wir in den Sommerurlaub an die niederländische Küste fahren, dann säumen Industrie und Gewerbe die Autobahn. Das ist als Kulisse zwar wenig einladend, aber infrastrukturell clever. Die Gewerbegebiete liegen in den Niederlanden dort, wo ohnehin schon Lärm ist, wo keine direkte Wohnbebauung liegt. Was also soll falsch daran sein, das geplante Riesen-Gewerbegebiet von Meerbusch und Krefeld dort anzusiedeln, wo es keinen stört? Die A44-Abfahrt Osterath ist ohne Zweifel in Meerbusch die ideale nächste Gewerbefläche. Sie liegt an zwei Autobahnen, in Flughafennähe, mit wenig Wohnbebauung in direkter Nachbarschaft. Von einem "Top-Standort" sprechen die IHK und der Meerbuscher Planungsdezernent Michael Assenmacher. Und dennoch zeigt sich die Meerbuscher Politik skeptisch.

Wer nach Gründen für den Zweifel sucht, der wird im Internet fündig. Wir haben gestern einen kleinen Versuch unternommen und die beiden Worte "Gewerbegebiet" und "Top-Standort" gegoogelt: 69.000 Treffer, von Neuwied bis Magdeburg, von Karlsruhe bis Sassnitz. Die Meerbuscher Politik will also nicht recht daran glauben, dass das Gewerbegebiet wirklich ein so heißes Ding ist, wie Stadt und IHK vorgeben. Die Politik befürchtet, dass am Ende nur ein großer Logistikpark wie in Krefeld-Fichtenhain entsteht, dass also die Ansiedlung von mittelständischen Handwerksbetrieben mit relativ hoher Jobzahl ausbleibt. Unbegründet sind diese Zweifel nicht, es gibt schließlich immer noch freie Flächen in vorhandenen Meerbuscher Gewerbegebieten.

Für die beiden Stadtverwaltungen in Meerbusch und Krefeld bedeutet dies, Argumente zu liefern, warum die Politik zustimmen soll. Da wäre es natürlich hilfreich, wenn man den Namen eines großen "Global Players" nennen kann, der nach Meerbusch kommen will; und wenn man schriftlich fixiert, dass der Rat bei weiteren Entscheidungen gefragt wird.

Die politische Mehrheitsbildung wird jetzt spannend zu beobachten sein: Selbst die Union schwankt derzeit noch. In den Meerbuscher Grünen scheint die CDU keinen Mehrheitsbeschaffer zu finden - sie stehen den Krefelder Grünen zur Seite, die entschiedene Gegner des Projekts sind. Die eigentlich doch wirtschaftsnahe FDP versagt sowieso die Zustimmung. Am Ende hängt die Entscheidung wohl an der CDU und der SPD: 5000 neue Jobs - können sich Sozialdemokraten dem verweigern?

Quelle: RP
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