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Heimat in Meerbusch
Von Fichten, Falken und Fröschen

Heimat in Meerbusch: Von Fichten, Falken und Fröschen
Dirk Bening, Betriebsleiter Forst der von-der-Leyen'schen Forstverwaltung, mitten in seinem Arbeitsplatz, dem Meerbusch. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Der Meerbusch ist ein Biotop, das gehegt und gepflegt werden muss. Rehe, Hasen, Füchse und viele Singvögel sind dort heimisch. In dem 240 Hektar großen Mischwald stehen zum Teil 130 Jahre alte Eichen. Ein Spaziergang mit dem Förster Von Angelika Kirchholtes

Gelb, rot, grün und orange leuchten die Blätter. Wenn im Herbst die Laubfärbung beginnt, ist ein Spaziergang im Wald besonders schön. Die Sonne bricht durch die nebelige Luft und zeichnet Streifen durch das Geäst. Es raschelt und wispert, ein Vogel zwitschert in der noch kühlen Luft. Fast ein wenig geheimnisvoll wirkt der Meerbusch an einem frühen Herbstmorgen.

Das größte Waldstück auf Meerbuscher Stadtgebiet gehört der Familie von der Leyen, ist aber für jedermann zugänglich. Auf 240 Hektar steht ein Mischwald, dessen älteste Bäume, die Eichen, rund 130 Jahre alt sind.

Dirk Bening, Betriebsleiter Forst der von-der-Leyen'schen Forstverwaltung, weiß das ganz genau. "Im Forstbuch sind alle unsere Bäume verzeichnet", sagt er. "Diese Eiche hier ist beispielsweise 128 Jahre alt, ein Prachtexemplar." Sie wird demnächst die Mutter vieler kleiner Eichen sein, denn zu ihren Füßen haben die Angestellten der Forstverwaltung gerade 116 Kilogramm Eicheln eingesammelt.

"2015 war nach 2009 wieder einmal ein richtig gutes Eicheljahr", freut sich der Forstbeamte. "Die Eicheln werden in einer Baumschule angezüchtet und in drei Jahren im Wald ausgepflanzt. Die gesammelte Menge reicht dann für vier Hektar." Damit der Wald ein gutes ausgewogenes Aussehen hat, wird jedes Jahr nachgepflanzt, wo Lücken entstanden sind. "Im November werden wir 8000 neue Roteichen und Hainbuchen pflanzen", kündigt Bening schon jetzt an.

Eichen und Buchen, Erlen und Eschen, aber auch diverse Nadelbäume wie Schwarzkiefer, Lärchen und Douglasien bilden den Hauptbestandteil des Waldes. Zu ihren Füßen haben es sich verschiedene Sträucher bequem gemacht. Hartriegel und Pfaffenhütchen sind ebenso zu finden wie Haselnuss, Weißdorn und Holunder. Letztere sind besonders wichtig, weil ihre Samen und Früchte den im Wald lebenden Tieren als Nahrung dienen. So wie Eicheln und Bucheckern, an denen sich die Rehe und Hasen gütlich tun.

Ebenso haben Fuchs und Dachs im Meerbusch ihre natürliche Heimat, auch wenn Spaziergänger sie nur selten zu Gesicht bekommen. "Hier leben viele verschiedene Singvogelarten", berichtet Bening weiter. Da pocht plötzlich ein Specht! Ist es ein Schwarz-, Bunt- oder Grünspecht? Für den Gesang sind Rotkehlchen, Buchfinken und Zaunkönig, Tannen- und Kohlmeisen zuständig.

Und über allem lauern die Greifvögel. Bussard, Habicht und Wanderfalke sind im Meerbusch heimisch. Den Wald durchfließt der Mühlenbach, der eine alte Stromrinne des Rheins markiert. Er ist der ideale Lebensraum für Frösche und Amphibien, die gerne ihren Laich im sumpfigen Gelände ablegen. Frösche jeder Art, Erdkröten, Kammmolche und hin und wieder eine Blindschleiche hat der Forstbeamte in seinem Wald schon mal gesichtet.

Beim Gang durch den Meerbusch fällt auf, dass einige Bäume markiert sind. Haben sie einen blauen Ring, bedeutet das, dass sie ein "Zukunftsbaum" sind. "Diese Bäume sind gut gewachsen und gesund. Wir fördern sie, damit sie ihr natürliches Alter erreichen können", erklärt Bening. Daher werden benachbarte Bäume, die das Wachstum stören könnten, entfernt. Bäume, die eine rote Markierung tragen, werden demnächst gefällt, weil sie krank sind oder zu dicht stehen. "Leider haben wir in diesem Jahr bei den Eschen einen Pilzbefall festgestellt, der die Eschentriebe vertrocknen lässt", bedauert der Forstmann. "Nun müssen sie weg."

Die gefällten Bäume werden sorgfältig am Wegesrand aufgeschichtet und verkauft, meist als Kaminholz oder Hackschnitzel. Nur wirklich gute Bäume werden zu Brettern. "Kürzlich haben wir sogar Roteichenholz nach China verkauft", berichtet Bening. Kleine Äste werden als Totholz liegen gelassen, um Kleinstlebewesen Nahrung zu bieten. "Das ist hier ein richtiges Biotop. Spaziergänger und ihre Hunde sollten nur auf den offiziellen Wegen gehen und keine Trampelpfade benutzen, um die Natur nicht zu stören", empfiehlt er.

Ein Bereich des Waldes ist den Weihnachtsbäumen vorbehalten. Dort stehen Nordmanntannen, Rotfichten und Küstentannen in Reih und Glied. Sie wachsen, bis sie die richtige Größe haben, um in der Adventszeit gefällt und direkt aus dem Wald heraus an ihre neuen Besitzer verkauft zu werden.

Quelle: RP
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