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Meerbusch
Von Meerbusch in die weite Welt

Meerbusch. Touren um die ganze Welt sind Ludwig Witzanis große Leidenschaft. Seit einigen Jahren schreibt er auch darüber. Im November ist er mit einem dieser Bücher in seiner zweiten Heimat Meerbusch zu Besuch. Von Marlen Kess

Indien, Iran, Alaska, Vietnam, die USA, Osteuropa, ... - die Liste der Orte, die Ludwig Witzani in seinem Leben schon besucht hat, ist lang und spektakulär. Und doch kehrt der 66 Jahre alte Weltreisende immer gerne nach Meerbusch zurück. Er wohnt seit Jahren der Liebe wegen in Bonn, sagt aber: "Meerbusch ist meine zweite Heimat."

30 Jahre lang unterrichtete Witzani Geschichte und Sozialwissenschaften am Mataré-Gymnasium. "Aus dieser Zeit sind mir viele Freundschaften geblieben", erzählt er, "ich komme bestimmt ein Mal im Monat zu Besuch." Sonst bereist er meist deutlich weiter entfernte Regionen in der ganzen Welt. Vor zwei Tagen ist er von einer Tour in den USA mit seiner Frau Lilia zurückgekehrt, die nächste Reise ist aber schon geplant: Es geht mit Freunden nach Papua-Neuguinea.

"Das Reisen ist gewissermaßen wie die Liebe", sagt er zu seiner großen Leidenschaft. "Beides macht man seiner selbst wegen." Reisen ist für Witzani dabei immer zweierlei: "Man erkundet die Welt, aber immer auch sich selbst." Nirgendwo habe er sich so sehr als Europäer gefühlt wie in Afrika oder Indien.

Über seine Erfahrungen schreibt Witzani seit Jahren - zuerst für die Feuilletons großer deutscher Tageszeitungen, jetzt im Selbstverlag. Sechs Bände hat er bereits veröffentlicht, der siebte über Alaska ist in Arbeit. "Ich versuche, das ganze Land in kleinen Geschichten zusammenfassen", sagt er. Die Reiseliteratur sei eine eigenwillige Gattung zwischen Roman, Sachbuch und Fiktion. "Man bildet dabei nicht nur die Welt ab, sondern immer auch die eigene Erfahrung. Das macht es für den Leser erst interessant."

Manche dieser Leser, die sich Witzanis Geschichten und Bilder auch in einem Online-Reiseblog anschauen können, kopieren seine Reisen sogar oder bitten um Hilfe bei der Planung. Er selbst reist zwar gerne mit seiner Frau oder Freunden, ist aber auch häufig alleine unterwegs: "Da ist man offener für Land und Leute und persönliche Erfahrungen."

Seine Reisebücher zeigen diese ganz eigene Sicht auf die Welt. Mit dem neuen Buch zum Iran ist er am morgigen Freitag erstmalig auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast. Es soll aber nicht der letzte Besuch bleiben: "Ich habe viel Zeit", berichtet er, "und noch viele Geschichten auf Lager." Auch bei seinen Büchern führt eine Verbindung direkt nach Meerbusch: Seine Lektorin wohnt dort. "Außerdem war ich hier früher in einem Lesekreis aktiv", erzählt er. "Auch das hat mich zum Schreiben gebracht."

Das nächste Mal ist Ludwig Witzani in knapp zwei Wochen in Osterath, seinem liebsten Meerbuscher Stadtteil, zu Gast. Am 7. November liest er aus seinem Reisetagebuch über Indien im Kunstkabinett Mönter. "Hier habe ich früher häufig selbst Lesungen gehört. Die Atmosphäre ist intim, und man kann gut mit den Leuten ins Gespräch kommen", sagt er. "Das wird eine ganz besondere Heimkehr."

Die Rückkehr nach Hause ist für Witzani sowieso ein ebenso wichtiger Teil jeder Reise wie die vorherige Planung und die Reise selbst. Nach fünf bis sechs Wochen sei der Kopf voll, und man brauche Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten. "Um zu reisen, braucht es Wurzeln", sagt er, "und nach einer langen Reise freue ich mich immer auf meine Heimat und die Menschen dort, egal ob in Meerbusch oder in Bonn."

Quelle: RP
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