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Meerbusch
Von Syrien nach Bösinghoven

Meerbusch: Von Syrien nach Bösinghoven
Abdullah Rumieh mit seiner selbst programmierten "Abdullah-Liste". Der 39-Jährige hat Informatik studiert und ist nun Excel-Spezialist beim TSV Meerbusch. Rechts im Bild Johannes Peters, 1. Vorsitzender des TSV. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Abdullah Rumieh floh aus Syrien und kam vor zwei Jahren nach Meerbusch. Er fühlt sich hier gut aufgenommen und ist integriert. Beim TSV Meerbusch arbeitet er mittlerweile als IT-Experte. Von Philippa Baurmann

Abdullah Rumieh ist zufrieden. "Ich bin angekommen und fühle mich aufgenommen und zu Hause. Ich mag Meerbusch", sagt er. Der 39-jährige ist vor fast drei Jahren aus Syrien geflohen und lebt seit Februar 2015 in Bösinghoven - mittlerweile sogar in einer eigenen Wohnung. Er fühlt sich wohl und ist gut integriert.

"Die Menschen haben mich enorm unterstützt. Das war hilfreich für mich. Ich habe sogar ein Fahrrad geschenkt bekommen", erzählt er begeistert. Drei Mal in der Woche bekommt er Deutschunterricht von seiner Betreuerin Susanne Nowak. Sie hilft ihm aber nicht nur beim Lernen der Sprache oder bei den Sprachprüfungen, sondern genauso beim Einrichten der Wohnung und in anderen Alltagsfragen. "Ich helfe ihm, seit er in der eigenen Wohnung lebt. Er ist wie ein zweiter Sohn für mich", sagt die Ehrenamtlerin. Es sei ein Geben und Nehmen. "Ich helfe ihm mit der Sprache, und er hilft mir im Garten. Es kommt zu einem Austausch der Kulturen. Ich habe so schon arabische Läden in Krefeld kennengelernt, wo drei seiner Brüder leben", erzählt sie.

Mittlerweile kann er schon so gut Deutsch, dass er die B2-Prüfung des Goethe-Zertifikats absolviert hat. Denn die ist Voraussetzung für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft und die Teilnahme an einigen Studiengängen. Studiert hat Abdullah Rumieh schon: Informatik in der Ukraine. Sein Bachelor-Abschluss ist in Deutschland anerkannt. Zur Zeit arbeitet er zwölf Stunden im Monat beim TSV Meerbusch als IT-Experte. "Im Februar 2015 hat er als Platzwart bei uns angefangen. Das war noch vor der Fusion beim TuS Bösinghoven. Zusammen mit dem Bürgerverein Ossum-Bösinghoven helfen wir bei der Integration und bieten den Flüchtlingen Arbeit an", erklärt TSV-Vorsitzender Johannes Peters. Abdullah Rumieh sagt: "Die Arbeit macht mir Spaß und ich bin froh, helfen zu können." Er hat schon mehrere Programme geschrieben und Statistiken geordnet. Intern nennt man seine längste Excel-Tabelle ehrfürchtig "die Abdullah-Liste".

Neben der Arbeit am Computer liest er, schwimmt und fährt Fahrrad. "Hier gibt es so viel Natur, so dass man sehr viel Schönes sehen kann. Ich fahre mit dem Fahrrad umher und erkunde die Gegend", sagt Rumieh.

Seine alte Heimat vermisst er sehr. Er hat seine ganze Kindheit in Aleppo verbracht. "Da sind meine Heimat und meine Kultur. Aleppo ist eine sehr alte Stadt mit historischen Gebäuden. Leider wurde durch den Krieg viel zerstört. Ein Teil meiner Familie lebt immer noch dort."

Wegen des Krieges und der schlechten Zukunftschancen war er 2013 mit der Familie seiner Schwester aus Syrien geflohen. Seine Schwester lebt jetzt in Saudi-Arabien, er hat sie seitdem nicht mehr gesehen. Abdullah Rumieh ist zuerst in die Türkei geflohen und wollte ursprünglich auch dort bleiben. "Nach einem Jahr habe ich aber gemerkt, dass es nicht funktioniert. Ich habe keine Integrationshilfe bekommen und hatte kein Geld, um an einem Türkischkurs teilzunehmen. Deswegen wollte ich nach Deutschland." Er ist dann mit dem Boot nach Griechenland gefahren. "Ich habe 1000 Dollar für die Fahrt bezahlt. Das war der gefährlichste Teil meiner Reise. Die Schwimmwesten hatten eine sehr schlechte Qualität, einige Menschen sind auch ertrunken. Aber die Leute haben ja keine andere Wahl, als zu fliehen, also nehmen sie die gefährliche Überfahrt auf sich."

Anschließend ist er weiter über Mazedonien und Serbien nach Ungarn gereist. Für diese Strecke hat er nur drei Tage gebraucht. "In dieser Zeit habe ich fast gar nicht geschlafen. Ich musste schnell sein, weil es in Mazedonien für Flüchtlinge sehr gefährlich ist." Er war mit dem Zug, dem Auto und natürlich zu Fuß unterwegs. Von Ungarn ging es dann weiter über Österreich nach Deutschland. Dort ist er Anfang 2015 angekommen. "Ich war sehr glücklich, endlich hier zu sein. Deutschland ist so ein gutes Land. Alles ist organisiert, und jeder hat Chancen im Leben. Ich muss mir keine Sorgen machen, wo ich schlafe und was ich essen kann. So habe ich keine Probleme und kann mich gut um mein Deutsch kümmern und Arbeit finden."

Und das hat er auch gemacht. Neben der Arbeit beim TSV Meerbusch hilft er auch noch ehrenamtlich in der Begegnungsstätte Pappkarton. In zwei Wochen hat er ein Bewerbungsgespräch für ein Praktikum in der IT-Abteilung bei Mercedes in Düsseldorf.

Quelle: RP
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