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Wie geht's, Meerbusch?
Von Telefonzellen und kirchlichen Schulen

Meerbusch. Zwei Sitzungen, zwei besondere Entscheidungen: Wir blicken auf die politische Woche in Meerbusch - und warten gespannt auf die Ratssitzung am Donnerstag.

Was ist der Unterschied zwischen einer katholischen Bekenntnisschule und einer Telefonzelle? Nein, diese Kolumne soll nicht mit einem schlechten Witz beginnen. In Meerbusch gibt es seit dieser Woche tatsächlich einen großen Unterschied. 15 Meerbuscher Telefonzellen, die die Telekom eigentlich abbauen will, werden vorerst stehen bleiben, weil die Politik sich im Bauausschuss nicht dazu durchringen konnte, die Abbaugenehmigung zu erteilen. So weit, so gut. Die katholische Grundschule in Osterath wird hingegen bald nicht mehr existieren - die Politiker im Schulausschuss beschlossen in dieser Woche, dem Rat die Auflösung zu empfehlen. Der nüchterne Befund lautet: Wir leben in einer Stadt, in der die Politik um Standorte von Telefonzellen ringt, die eigentlich keiner mehr benötigt, aber zeitgleich einen mehr als 100 Jahre alten Schulstandort aufgibt, obwohl dort auch für das kommende Schuljahr 13 Erstklässler unterrichtet werden wollen.

Man macht es sich bei dieser Reduktion auf diese Kernsätze sehr einfach. Es gibt Gründe dafür, dass die Politik entscheidet, wie sie entscheidet. Der gewichtigste ist der Kostengrund: Dass die Politik um Telefonzellenstandorte ringt, liegt schlicht daran, dass der Betreiber die Deutschen Telekom ist, der städtische Haushalt also nicht tangiert ist. Dass die ehemalige Barbara-Gerretz-Schule nicht weitergeführt wird, ist ebenfalls ein wirtschaftlicher: Die Schließung ist auf Landesgesetzgebung zurückzuführen. Wenn sich nur noch 13 Schüler anmelden, ist eine Schule nach Ansicht des Landes nicht wirtschaftlich zu führen.

Diese Argumentation ist schlüssig. Und doch handelt es sich um eine Spezialsituation. Viele Eltern waren womöglich wirklich verunsichert, wie es um die Zukunft ihrer katholischen Schule bestellt ist. Sie wollten ihr Kind nicht an einer einrichtung anmelden, von der nicht mal sicher ist, wie lange sie noch existiert.

Die Kämpfer aus der Elternschaft werfen der Verwaltung nun vor, dass den Eltern zu wenig bekannt gemacht worden sei, welches pädagogische Angebot die Barbara-Gerretz-Schule hat. Die Schule sei systematisch platt gemacht worden, heißt es. Es seien doch gerade die Werte dieser Schule gewesen, deretwegen man sein Kind dort anmeldet habe. Bei der Frage, welche dies konkret seien, wird es wieder nebulös. Denn "Zusammenhalt, Nächstenliebe, Miteinander" - das sind ja keine Werte, die eine katholische Schule exklusiv für sich reklamieren kann. Das wird auch an vielen städtischen Schulen gelehrt. Letztlich ist der entscheidende Unterschied der explizit katholische Religionsunterricht; und dieser wird offenbar nicht mehr so dringlich gewünscht, dass Eltern ihr Kind an einer katholischen Schule schicken. Als gläubiger Christ muss man dies bedauern, hilft aber nix.

Noch einmal: Was ist der Unterschied zwischen einer katholischen Bekenntnisschule und einer Telefonzelle? Das letzte Wort hat am Donnerstag der Meerbuscher Rat.

SEBASTIAN PETERS

Quelle: RP
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