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Meerbusch
Vorsicht, die Kröten wandern

Meerbusch. 600 Erdkröten hat der Nabu Meerbusch in diesem Jahr bereits über die Straße geholfen - das sind jetzt schon so viele wie im Vorjahr insgesamt. Dabei hat die Wanderung gerade erst so richtig begonnen. Von Tanja Karrasch

Milde Temperaturen, ein bisschen Nieselregen und den Schutz der Dunkelheit schätzen die Erdkröten, die sie sich in diesen Tagen auf den Weg zu ihren Laichgewässern machen. Wenn sie dabei Hauptstraßen wie die Obere Straße in Ilverich kreuzen müssen, sind die Tiere in Gefahr. Die Straßenschilder, die auf wandernde Kröten hinweisen, reichen nicht aus: Jedes Jahr werden viele Tiere überfahren.

Um die Kröten vor Autofahrern zu schützen, hat der Naturschutzbund (Nabu) Meerbusch auf mehreren hundert Metern entlang der K9 Schutzzäune aufgestellt. In diesem Jahr stehen an deren Ende zum ersten Mal große, mit Sand gefüllte Auffangkisten statt Eimer. Eine große Verbesserung, findet Ehrenamtler Julian Bähr, der die Boxen morgens und abends leert: "Die Kisten bedeuten für die Tiere weniger Stress, weil sie nebeneinander Platz finden und sich nicht stapeln müssen."

In diesem Jahr sind offenbar besonders viele Tiere unterwegs. "Am Wochenende habe ich an einem Abend alleine 200 Kröten gesammelt", sagt Bähr. Die Tiere kommen laut Bähr aus Richtung Latumer Busch und der ehemaligen Müllkippe. Der Zwischenstand am Schutzzaun in Ilverich: 600 Erdkröten haben die Tierschützer bereits über die Straße geholfen. Außerdem 60 Bergmolchen, 15 Teichmolchen und einem Teichfrosch. Eine Premiere gab es auch: In der Box saß ein Fadenmolch. "Das ist eine Art, die wir in Meerbusch jetzt zum ersten Mal entdeckt haben", sagt Bähr.

Als es Ende Januar mild wurde, hatte sich der erste Schwung Kröten bereits auf den Weg gemacht - ungewöhnlich früh, sagt Wolf Meyer-Ricks vom Ortsverein des Nabu. "Durch den Frost in den letzten Wochen zieht sich die Wanderung jetzt in die Länge." Zwischendrin hätten sich die Tiere noch mal unter Laub eingebuddelt, um der Kälte zu trotzen. In den kommenden Nächten geht Meyer-Ricks davon aus, dass sich noch mal besonders viele Kröten auf den Weg machen werden. "Die Tiere haben jetzt sehr lange gewartet", erklärt er und bittet die Meerbuscher Autofahrer deshalb, besonders vorsichtig zu fahren. Denn dort, wo die Schutzzäune enden, seien in diesem Jahr bereits dutzende Tiere überfahren worden. Außerdem sollten Spaziergänger in Wald und Flur laichende Tiere nicht einfangen.

Weitere Zäune gibt es in Meerbusch an der Straße Broicherseite Richtung Kaarst. Die Strecke dort sei zu lang, um überall Krötenschutzzäune zu errichten, sagt Meyer-Ricks. Deswegen gibt es die Querungshilfen an dieser Stelle nur in Teilbereichen.

Kröten ziehen zum Laichen an die Gewässer, in denen sie aufgewachsen sind. In einigen Wochen wandern sie dann wieder zurück. "Dann ist es aber schon wärmer und die Tiere sind viel agiler und dadurch schneller unterwegs", sagt Meyer-Ricks. Die Gefahr, überfahren zu werden, ist dann deutlich niedriger. Julian Bähr beobachtet in Ilverich auch viele Kröten, die zu zweit unterwegs sind. "Das sind Paare, die sich schon gefunden haben. Die Männer lassen sich huckepack von den Frauen mitnehmen." Denn die Weibchen sind mit bis zu 13 Zentimetern größer und kräftiger als ihre männlichen Artgenossen, die bis zu acht Zentimeter groß werden.

Quelle: RP
 
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