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Meerbusch
Was Meerbuschern gute Noten wert sind

Meerbusch: Was Meerbuschern gute Noten wert sind
"Meine Tochter darf sich etwas aussuchen, wenn sie keine Vier auf dem Zeugnis hat. Sie bekommt etwa ein bisschen Geld zum Shoppen oder wir gehen Essen. Ich selbst habe früher kein Zeugnisgeld erhalten." Katharina Kmiecik FOTO: Adrian Terhorst
Meerbusch. Morgen erhalten die Schüler die Halbjahreszeugnisse. Stehen auf dem Zeugnis gute Noten, bekommen viele Schüler Zeugnisgeld. Wir haben bei einer Schulpsychologin nachgefragt, ob und welche Zeugnis-Prämien sinnvoll sind. Von Adrian Terhorst

Viele kennen es aus ihrer eigenen Schulzeit. Gab es Zeugnisse, durfte man sich auch über einen kleinen Obolus der Eltern oder Großeltern freuen. Bei den Formen der Zeugnis-Prämierung sind allerdings keine Grenzen gesetzt. In vielen Familien wird immer noch klassisch nach einer festen Staffelung pro Note abgerechnet. Andere belohnen ihre Sprösslinge hingegen mit einen gemeinsamen Familienausflug. Doch ist es überhaupt ratsam, Zeugnisgeld zu zahlen oder die schulischen Leistungen des Kindes zu prämieren?

Jutta Bellen, Leiterin des Schulpsychologischen Dienstes des Rhein-Neuss-Kreises, rät davon ab, Zeugnisgeld zu zahlen. "In vielen Familien ist Zeugnisgeld natürlich nicht wegzudenken", sagt sie. "Ich halte es jedoch für sinnvoller, Kinder mit einer gemeinsamen Aktivität wie einem Kino-Besuch zu belohnen, anstatt ihnen etwas Materielles zu schenken. Wenn sie bei der Auswahl des Ausflugs zudem mitbestimmen können, macht man ihnen auch deutlich, dass es etwas Besonderes ist."

"Meine Enkeltochter hat früher fünf Euro für eine Eins bekommen. Mittlerweile hat sie aber zu viele Einsen. Deshalb haben wir das System geändert. Sie erhält nun etwas Zeugnis- und Urlaubsgeld zusammen." Christa Schumacher FOTO: Adrian Terhorst

Oftmals reiche auch bereits das gezahlte Taschengeld schon aus. "Und gemeinsame Zeit ist in vielen Familien Mangelware", sagt sie. Laut Bellen sollten bei der Zeugnis-Belohnung zudem die Anstrengungen des Kindes stärker in den Blick genommen werden. "Hat das Kind Lern- und Leistungsbereitschaft in der Schule gezeigt, sollte diese Anstrengung zum Beispiel angemessen belohnt werden", sagt sie. Dies sei sinnvoller, als nur die am Ende auf dem Zeugnis stehende Note als Maßstab zu nehmen. Nach der sogenannten "KidsVerbraucherAnalyse" erhielten im Jahr 2015 übrigens 41 Prozent der Kinder in Deutschland Geld für gute Noten.

"Wenn die Noten stimmen, gibt es für mein Enkelkind eine entsprechende Belohnung, meistens in Geld. Wir haben aber keinen Festbetrag. Man sollte es aber auch nicht übertreiben, damit die Summen nicht zu hoch werden." Roman Gradzielski FOTO: Adrian Terhorst

Die Leiterin des Schulpsychologischen Dienstes sieht auch noch einen weiteren Vorteil darin, ein gutes Zeugnis lieber mit einer gemeinsamen Aktivität zu prämieren. "Das Zahlen von Zeugnisgeld führt auch dazu, dass sich Kinder mit Geschwistern und Freunden vergleichen", sagt sie. Diese Gefahr bestehe bei einem gemeinsamen Ausflug hingegen nicht.

"Von meinen Eltern und Großeltern gibt es seit der Grundschule für eine Eins fünf Euro und für eine Zwei drei Euro. Das Geld spornt mich aber nicht unbedingt zusätzlich an. Gute Noten möchte ich für mich selbst schreiben. Felix Pourhassan FOTO: Adrian Terhorst

Der Schulpsychologische Dienst bietet morgen auch wieder Schülern, Erziehungsberechtigten und Lehrkräften ein Zeugnistelefon an. Bei Fragen, Sorgen und Ängsten im Zusammenhang mit den Zeugnisnoten nehmen erfahrene schulpsychologische Fachkräfte unter der Nummer 02131 928 4070 die Anrufe vertraulich entgegen.

Quelle: RP
 
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