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Claudia Schlicht
"Wir bieten einen geschützten Raum"

Claudia Schlicht: "Wir bieten einen geschützten Raum"
Diplompsychologin Claudia Schlicht, die die städtische Erziehungsberatungsstelle in Osterath leitet, im Gespräch. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Die Diplompsychologin leitet die Erziehungsberatungsstelle der Stadt Meerbusch. Mitte November soll eine neue Gruppe für Mädchen starten.

Frau Schlicht, was haben Sie mit der Gruppe genau vor?

claudia Schlicht Die Mädchen sollen bei uns offen ihre Anliegen besprechen können, in einer entspannten Atmosphäre und angeleitet von ihren Gruppenleiterinnen. Es können auch Rollenspiele oder andere aktive Elemente eingebunden werden, im Mittelpunkt soll aber das Gespräch stehen.

Warum bieten Sie eine solche Gruppe gerade für Mädchen an?

schlicht Auch Jungs haben das Bedürfnis, sich miteinander auszutauschen und wir haben vor, demnächst auch eine Jungengruppe anzubieten. Wir fangen jetzt erstmal mit den Mädchen an und schauen, wie es läuft - zumal wir im Frühjahr bereits sehr gute Erfahrungen mit einer Mädchengruppe zum Thema "selbstbewusster werden" gemacht haben. Darauf wollen wir aufbauen.

Woher kommt die Beschränkung auf das Alter von 13 bis 16 Jahren?

schlicht In diesem Alter werden andere Jugendliche für die Mädchen immer wichtiger, sie fangen an, sich von ihren Eltern abzugrenzen. Da wir in letzter Zeit immer mehr beobachten, dass sich die Jugendlichen weniger real mit ihren Freunden treffen, sondern vor allem über soziale Medien kommunizieren, wollen wir ihnen hier in einem geschützten Raum regelmäßig die Möglichkeit dazu geben. Hier können sie von Angesicht zu Angesicht miteinander sprechen.

Wie soll eine solche Gruppenstunde dann genau aussehen?

Schlicht Die Treffen finden immer dienstags von 18 bis 19.30 Uhr statt. Am Anfang sollen sich die Mädchen erstmal kennenlernen und Vertrauen zueinander und zu den Gruppenleiterinnen fassen. Da sehe ich die beiden Leiterinnen Bettina Meisel und Ulla Küper noch in einer stärkeren Rolle, hier leiten sie die Gespräche an. Später stellen wir uns das so vor, dass die Mädchen selbst ihre Themen einbringen. Aber so etwas hängt natürlich auch immer von den Mädchen ab, die gerade da sind - ganz durchplanen kann man eine solche Gesprächsgruppe nicht.

Gibt es einen bestimmten Mädchentyp, der sich für Gruppen wie diese anmeldet?

Schlicht Nein, wir haben ganz verschiedene Mädchen dabei, selbstbewusste, ruhige, welche, die wirklich schlimme Probleme haben und andere, die einfach nur mal in Ruhe quatschen möchten - aus allen Ecken von Meerbusch.

Früher haben Sie an einer Förderschule in Krefeld gearbeitet. Gibt es Unterschiede zwischen den Krefelder und den Meerbuscher Mädchen?

Schlicht Die Schule lag in der Krefelder Stadtmitte und da war die Klientel schon etwas anders, es gab viele Familien mit mehreren Problemfeldern: Armut, Alkoholismus, räumliche Enge. Sowas gibt es in Meerbusch natürlich auch, aber nicht so oft. Hier sind die Mädchen meist eher behütet. Allerdings trägt die Struktur der Stadt hier auch dazu bei, dass wir eine solche Gesprächsgruppe überhaupt anbieten.

Inwiefern das?

schlicht Es gibt hier für die Jugendlichen teilweise große Strecken zu überwinden - wenn man zum Beispiel aus Langst-Kierst zum JuCa nach Osterath will, ist das schwierig. Auch der öffentliche Nahverkehr ist nicht so gut ausgebaut - das macht es noch komplizierter, sich persönlich zu treffen.

Im Mittelpunkt der Gruppe soll das Reden stehen - was ist noch geplant?

Schlicht In unseren anderen Gruppen setzen wir zum Beispiel Rollenspiele ein - oft ist es so einfacher, die eigenen Gefühle auszudrücken. Manchmal hilft es aber auch, sich in eine ganz andere Rolle hineinzuversetzen, um ein Problem besser zu verstehen und damit umgehen zu können. Diese Erfahrung haben wir vor allem auch mit Jungs gemacht, die in dem Alter öfter Probleme mit ihrem Sozialverhalten haben. Mädchen wollen häufig lieber direkt ins Gespräch kommen.

Wie soll die offene Gesprächsatmosphäre entstehen?

schlicht Bevor die Gruppe losgeht, sind die Mädchen dazu eingeladen, hier vorbeizukommen und die Räumlichkeiten sowie die Leiterinnen persönlich kennenzulernen. Danach können sie entscheiden, ob sie wirklich teilnehmen möchten. Außerdem wird die Gruppe sich in einem gemütlichen Raum treffen und es soll Tee und Kekse geben.

Noch einmal zusammengefasst: Was wollen Sie mit der Gruppe erreichen?

Schlicht Unser Ziel ist es, dass die Mädchen hinterher sagen können, dass sie jetzt mit schweren Situationen besser umgehen können. Sie sollen wissen, dass sie all ihre Themen in einem angstfreien und geschützten Raum ansprechen können. Schön wäre es natürlich, wenn die Mädchen sich nach der Gesprächsgruppe besser fühlen und etwas über sich selbst und ihr Leben gelernt haben - aber letztlich wollen wir nicht zu viele Erwartungen aufbauen, sondern abwarten, was den Mädchen auf dem Herzen liegt.

Was sollten Mädchen tun, die sich jetzt noch anmelden wollen?

Schlicht Sie können entweder selbst bei uns anrufen oder mailen oder die Eltern oder Freunde für sich anrufen lassen. Dann machen wir einen Kennenlerntermin aus. Momentan haben sich vier Mädchen angemeldet, die zwischen 14 und 16 Jahre alt sind. Haben wir sechs Anmeldungen beisammen, geht die Gruppe los. Außerdem ist es natürlich wichtig zu wissen, dass alle unsere Angebote und damit auch die Gesprächsgruppe kostenlos sind.

Marlen Keß führte das Gespräch

Quelle: RP
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