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Meerbusch
"Wir brauchen keine Horrorclowns"

Meerbusch. Am Montag feiert die evangelische Kirche den Reformationstag, am Dienstag die katholische Kirche Allerheiligen. Zwei Pfarrer aus Meerbusch schreiben zu diesen Gedenktagen einen Gastbeitrag für die Rheinische Post.

Heike Gabernig, Evangelische Kirchengemeinde Lank-Latum:

"31.10.2016 - und die Zeitungen sind voll von bunten Konsumbeilagen: Deutschland feiert Halloween. Ein ganzer Industriezweig reibt sich die Hände, und Tausende von Euro werden für Deko-Artikel, Maskerade und passende Speisen ausgegeben. Bei Nachfrage zum Inhalt dieses "Festes" - "Keine Ahnung..."

31.10.2016 - wir feiern Reformation der Kirche: Alle Jahre wieder erinnern wir uns an das, was Martin Luther, aber auch viele andere Menschen erkannt haben und was sie befreit hat: Gott ist keiner, vor dem wir Angst haben müssen - Gott ist keiner, mit dem wir Angst machen sollen. Gott birgt und schützt uns in unserer Angst. Er will uns Sicherheit, Geborgenheit und Liebe schenken.

Wichtige Botschaften in Zeiten der Verunsicherung und Angst vor der Zukunft, vor Terror, vor... und damit genau das Gegenteil dessen, was Halloween verheißt und propagiert: Angst und Grauen - auch vor den bösen Geistern der Toten, die uns heimsuchen. Was so spielerisch klingt, hat doch einen Kern und Methode. Menschen lassen sich verblüffenderweise durch solche Pseudo-Traditionen manipulieren.

Unser Rheinland bietet doch auch im christlichen Kontext beides: Am 11.11. feiern wir mit Hoppeditz-Erwachen den Beginn des Karnevals mit seinen Verkleidungen und Masken und auch gleichzeitig das Martinsfest, bei dem es Tradition ist, mit Lichtern von Haus zu Haus zu ziehen und mit Gesang die Menschen zu erfreuen: ein Fest der Nächstenliebe. Wir brauchen keine Horrorclowns und auch keine Vorgartenverwüster, wir brauchen keine Angstmacherei und blinden Konsumwahn, sondern Zuversicht, Gemeinschaft und den Glauben an einen Mut machenden Gott, der mitgeht, was die Zukunft auch bringt.

Michael Berning, Katholische Kirchengemeinde Sankt Mauritius und Heilig Geist Büderich:

"Heilig sein, heilig werden - kaum vorstellbar für den normalen Menschen. Heilige, das sind exemplarische Christinnen und Christen, "Helden des Glaubens", an deren Heiligkeit wir nicht herankommen. Radikal arm wie Franziskus, menschenfreundlich wie Elisabeth, gelehrt wie Thomas von Aquin?! Manchmal denke ich, diese Heiligen sind für mich unerreichbare Vorbilder, die sogar einschüchtern können anstatt den Mut zum Nachahmen geben. Wie soll ein einfacher Mensch jemals den Weg zu Gott finden, wie in den Himmel kommen? Und doch: Die Heiligen selbst waren normale Menschen wie wir und hatten ebenfalls ihre Schwächen. Petrus beispielsweise verriet sogar den Herrn.

Apostel Paulus schreibt Briefe an die Gemeinden und adressiert sie: "An die Heiligen von Korinth", "an die Heiligen von Rom". Alle sind wir zur Heiligkeit berufen, weil Christus uns heil macht. Weil er heilig ist und wir zu ihm gehören, deshalb haben wir Anteil an seiner Heiligkeit trotz unserer Schwäche. Heiligkeit besteht nicht in erster Linie im Vollbringen großer Heldentaten. Heiligkeit ist das Bestehen des Alltages an dem Platz, an den Gott mich gestellt hat: im Beruf, in der Familie, in der Krankheit und im Alter, in der Schule, wo auch immer.

Wer im Geiste Christi sein Leben lebt, ist nicht fern vom Heil, nicht fern von der Heiligkeit.

Quelle: RP
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