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Meerbusch
Wirbel um Musikschul-Plakat

Meerbusch: Wirbel um Musikschul-Plakat
FOTO: Stadt Meerbusch
Meerbusch. Erneut sieht sich die Stadt Meerbusch wegen eines Plakates der Musikschule dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt. Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland kritisiert das Bild zum Spruch "Wir haben Rhythmus im Blut". Von Martin Röse

"Ein Junge, der hinter einer Trommel sitzt und ein besonderes rhythmisches Talent hat, könnte an sich ein nettes Werbeplakat für eine Musikschule sein." Mit diesen Worten beginnt eine E-Mail der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD) an die Stadt Meerbusch. Die Initiative ("Wir zeigen die Diskriminierung und Benachteiligungen von Schwarzen Menschen auf und bekämpfen sie") hat sich Mitte der 80er Jahre gegründet, unterhält in zahlreichen Bundesländern eigene Untergruppen.

Das Plakatmotiv mit dem Trommler neben dem Slogan "Wir haben Rhythmus im Blut" stößt der Interessenvertretung sauer auf – sie hat die Stadt gestern aufgefordert, die Werbeplakate abzuhängen. Insgesamt fünf verschiedene Motive hat die Stadt zum 50-jährigen Bestehen der Musikschule drucken lassen, sie hängen in einer Auflage von insgesamt 50 Stück auf Meerbuscher Stadtgebiet, beispielsweise an Bushaltestellen.

"Die Schwierigkeit entsteht, wenn der Junge auf dem Foto schwarz ist und das Stereotyp von trommelnden Schwarzen Menschen verkörpern soll, die ,Rhythmus im Blut' haben", erklärt ISD-Vorstandsmitglied Hadija Haruna. "Etwas ,im Blut' zu haben, heißt, es ist genetisch veranlagt. Somit wird aus einem musikalischen Talent ein biologischer Aspekt, der als Unterschied zwischen schwarzen und weißen Menschen konstruiert wird." Derlei Unterschiede anhand von Genen zu erklären, basiere auf dem Prinzip der Rassenlehren der vergangenen Jahrhunderte. Haruna: "Hierbei wurden angeblich biologische Unterschiede diagnostiziert, um deutlich zu machen, dass es Unterschiede in den so genannten Menschen-Rassen gibt. Ein Plakat, auf dem ein schwarzer Junge trommelt, der ,Rhythmus im Blut hat', bedient sich Klischees, die aus der Kolonialzeit stammen."

Bereits vor Wochen hatte die UWG-Fraktion das Plakatmotiv als rassistisch bezeichnet, die Kritik jedoch anschließend zurückgenommen und sich bei der Musikschule entschuldigt.

Die Stadt reagierte gestern prompt auf die Kritik der ISD – per E-Mail. Darin schrieb Stadtsprecher Michael Gorgs: "Es geht (in den Plakaten, die Red.) nicht um rassische Stereotype und Klischees, sondern um bunte Vielfalt." Mit der Bekundung "Wir haben Musik im Blut!" sei deshalb auch nicht eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, sondern die große Musikschulfamilie gemeint. "Der Junge auf dem Plakat lacht freundlich, hat Freude am Musizieren. Das ist entscheidend – nicht etwa seine Hautfarbe", so Gorgs. Auf die Plakatreihe, die in den Bushaltestellen der Stadt seit Wochen großformatig zu sehen ist, habe die Musikschule durchweg positive Resonanz bekommen. Gorgs bekräftigte: "Es ist nicht daran gedacht, das Plakatmotiv abzuhängen."

Quelle: RP
 
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