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Zum Tod des Schlagzeugers der Toten Hosen
Tschüss, Wölli

Erinnerungen an  Wolfgang "Wölli" Rohde
Erinnerungen an Wolfgang "Wölli" Rohde FOTO: Gabowicz
Meerbusch. Das Leben hat Wolfgang Rohde immer wieder aus der Bahn geworfen – vielleicht ist das ein Grund, warum so viele Anteil an seinem Tod nehmen. Am Montag verstarb der Meerbuscher im Alter von 66 Jahren nach langer schwerer Krankheit. Ein Rückblick auf sein Leben.   Von Sebastian Peters

Vielleicht ist dies der größte Beweis dafür, dass ein Mensch Spuren hinterlässt. "Wölli" wurde Wolfgang Rohde nur genannt, und wann immer man den Namen "Wölli" hört, egal in welchem Zusammenhang, muss man an diesen Typen denken, diesen scheinbar rastlosen Musiker, der 15 Jahre in einer Düsseldorfer Punkband namens Die Toten Hosen Schlagzeug gespielt hat, der ein echtes Punk-Leben führte, mit Höhen, mit Tiefen, mit Rock und Roll. Und immer wieder hat er die Songzeile beherzigt, die für jeden Hosen-Fan auf ewig mit Wolfgang "Wölli" Rohde verbunden sein wird: "Steh auf, wenn Du am Boden bist".

Wolfgang Rohde wird nicht mehr aufstehen. Am Montagnachmittag verstarb der Meerbuscher im Alter von 66 Jahren nach langer schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie. Er hinterlässt drei Kinder, zwei (Ex)-Frauen, die ihm zuletzt sehr nahe standen, und viele trauernde Freunde. Zahlreiche Meerbuscher teilten auf ihren Facebook-Seiten die Nachricht seines Todes. Drei Buchstaben: R. I. P. - "Ruhe in Frieden", schrieben sie. Ruhe, Frieden: Worte, die zu Wolfgang Rohdes Leben nicht recht passen wollen.

Facebook, Twitter & Co.: Reaktionen auf den Tod von Wölli

Wolfgang "Wölli" Rohde wurde 1950 in Kiel geboren. Er wuchs in einer Beamtenfamilie auf, lernte den soliden Beruf des Elektrikers. Als er 1968 zur Bundeswehr gehen sollte, zog er stattdessen nach Berlin, in die Bundeszentrale der Kriegsdienstverweigerer. Er arbeitete im Umfeld von Ton Steine Scherben, war dafür verantwortlich, das legendäre Vinylalbum "Keine Macht für Niemand" der Band um Rio Reiser in die Pappschuber zu packen. Rohde wurde so mit dem Musikmachen vertraut, spielte in der Berliner Band Die Suurbiers, wo Campino ihn als Schlagzeuger für die Hosen anwarb. Wölli folgte dem Ruf. 1986 ging er nach Düsseldorf. Mit 36 Jahren löste er Trini Trimpop als Drummer bei den Toten Hosen ab. Seinen Einstand feierte er beim Festival in Wackersdorf vor 120 000 Zuschauern. "Hier kommt Alex", "Alles aus Liebe" - diese Klassiker werden auf Ewig auch mit Wöllis Trommelspiel verbunden sein.

Ende der 1990er Jahre konnte Wölli nach mehreren Bandscheibenvorfällen kaum noch Konzerte spielen, stieg aus. Er gehörte aber weiter zur "Familie". Rohdes Platz hinter den Drums übernahm Vom Ritchie. Die Toten Hosen wurden noch größer. Wölli ging eigene Wege, manche beschwerlich.

Das Leben hat Wolfgang Rohde, zweiter Spitzname "Cherrywaterking", immer mal wieder kräftig aus der Bahn geworfen - vielleicht ist das ein Grund, warum so viele gestern im Netz Anteil an seinem Tod nahmen. Im Jahr 2000 war Wölli schon einmal fast weg. Damals hatte er einen schweren Autounfall, entging nur knapp dem Tod. Mit Musik arbeitete er sich raus, gründete sein Plattenlabel Goldene Zeiten und das Festival Rock am Turm in Meerbusch. Viele Nachwuchsbands spielten hier, manche wurden zu Stars und 2004 kamen sogar Wöllis Toten Hosen - sie spielten unter falschem Namen und zum Finale erklang "You'll never walk alone". Nach dem Ende von Rock am Turm 2012 machte Wolfgang Rohde einfach selbst weiter Musik. "Wölli & Die Band des Jahres" hieß das Projekt. 2011 erschien beim Label J. K. P. (Jochens Kleine Plattenfirma) das Album "Das ist noch nicht alles" - trotzig klang die Botschaft, und tatsächlich kämpfte Wölli. Im vergangenen Jahr trat er noch bei einem Hosen-Konzert in Leipzig vor 70 000 Menschen auf.

Er war weiter im Kreis der Band: "Wenn ich zurückdenke, habe ich mit den Hosen die 15 schönsten Jahre meines Lebens verbracht", sagte Wölli in einem Interview, das auf der Homepage der Band veröffentlicht ist. "Wir sind von ganz unten nach ganz oben durchgestartet und waren teilweise 300 Tage im Jahr zusammen." Zusammen sei man durch dick und dünn gegangen. Diese enge Freundschaft und tiefe Verbundenheit, empfinden viele, die Wölli begegnet sind. Klaus Vanscheidt, Gitarrist aus Mülheim, hat mit Wölli zusammen in der "Band des Jahres" gespielt: "Wir lernten uns vor zehn Jahren durch unsere gemeinsame Liebe zu den Beatles kennen", sagt der Musiker. "Es machte einfach Spaß, mit ihm zusammen zu sein." Entertainer sei Wölli gewesen: "Lebensfreund, weltbereist, weltoffen, gradlinig, kultiviert, sozial, direkt, hilfsbereit, ein Freund, der auch die Größe hatte, sich zu entschuldigen, wenn er einen Fehler gemacht hat, ein harter Hund, der das Herz am richtigen Fleck hatte." Der Düsseldorfer Journalist Andreas Huber war ein weiterer Wegbegleiter Rohdes. Ende der Achtziger habe er die Toten Hosen in einem Tonstudio in Köln kennengelernt, als die Band gerade ihr erstes Erfolgsalbum "Ein kleines bisschen Horrorshow" aufnahm. "Die kunterbunten Vögel, allen voran der etwas ältere Wölli, nahmen einem schnell die Nervosität." Als Musikredakteur beim Düsseldorfer Stadtmagazin Überblick traf er Rohde dann regelmäßig. Die Überblick-Redaktion und das Büro des Hosen-Plattenlabel J.K.P. waren Mitte der Neunziger im selben Haus in Lierenfeld beheimatet. Huber sagt: "Meine nachhaltigsten Wölli-Erinnerungen habe ich an einen Paris-Trip im Juni 98, als wir mit einer kleinen Truppe zur WM in Frankreich gefahren sind. Und über die Einladung zu seinem fünfzigsten Geburtstag im Januar 2000, der damals laut und lustig im Templum gefeiert wurde, war ich selbstredend hocherfreut." 2014 der nächste Schlag: Ein Teufel namens Krebs erwischte Wolfgang Rohde. Auf Facebook schrieb er: "Leider hab ich keine guten Nachrichten für euch. Mir ging's in den letzten Monaten nicht gut und jetzt ist ein längerer Krankenhausaufenthalt nötig geworden."

In den letzten Monaten zogen seine drei Kinder und seine beiden ehemaligen Frauen zu ihm nach Lank ins direkte Umfeld das Hauses. Alle wollten nah bei ihm sein. "Wir waren ein bisschen wie eine Hippie-Kommune", sagte gestern Dani von Zittwitz, seine zweite Frau. Die vergangenen Monate seien sehr intensiv gewesen.

In Lank-Latum war Wölli ein Original. Sein fast sieben Meter langes Wohnmobil "Liberty 6700" war fast ein Wahrzeichen des Ortes. Mit seinen Kindern fuhr er damit zu Touren. Vor drei Jahren wurde das Wohnmobil abgefackelt - wieder so eine Wölli-Geschichte. Für Schlagzeilen sorgte er auch 2015 bei einer Gegendemo zu einer NPD-Veranstaltung. Dort geriet er in Konflikte mit der Polizei, soll eine Beamtin beleidigt haben.

Zu seiner Wahlheimat Meerbusch hatte Wölli eine enge Verbindung - so eng, dass er für Meerbusch sogar eine Hymne schrieb. 2014 schlug er Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage vor, dass er ein Lied für die Stadt schreiben könne. "Meerbusch wunderbar" heißt es, und auch, wenn es textlich nicht der ganz große Wurf wurde ("Wir sind aus Meerbusch am Rhein/ Wo kann's schöner sein?") ist das doch ein Zeichen, dass Wölli gerne hier war. Die Stadtverwaltung teilte gestern mit, dass der Refrain der Meerbusch-Hymne Wölli zu Ehren in die Musikwarteschleife der städtischen Telefonanlage eingespielt werden soll. "Herr Rohde hatte den Kampf gegen seine schwere Krankheit mit sehr viel Lebensmut angenommen", so Angelika Mielke-Westerlage. "Umso trauriger ist es, dass er nun doch gehen musste."

Auf dem Düsseldorfer Südfriedhof gibt es ein Gemeinschaftsgrab der Toten Hosen. "Wölli" Rohde hatte einen Platz in dem "Familiengrab" angemeldet. "Wenn ich ein paar Meter Erde über mir habe, dann bitte da, wo auch die Jungs später irgendwann liegen werden!", hat er einmal gesagt.

Quelle: RP
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