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Meerbusch
Zeichnerin signiert in der alten Heimat

Meerbusch: Zeichnerin signiert in der alten Heimat
Das Bild der zwei erschöpften Seemänner zeigt, warum der Graphic Novel unter anderem für die gefühlvollen Zeichnungen gelobt wird. FOTO: Kristina Gehrmann
Meerbusch. Kristina Gehrmann ist in Meerbusch aufgewachsen und hat für ihren ersten Graphic Novel über die mysteriöse Franklin-Expedition den Jugendliteraturpreis gewonnen. Heute ist sie im Kunstkabinett Mönter in Osterath zu Gast. Von Marlen Kess

Am 19. Mai 1845 brach der britische Polarforscher Sir John Franklin mit zwei Expeditionsschiffen aus England auf, um den Seeweg zwischen dem Nordatlantik und dem Nordpazifik zu finden. Mehr als 300 Jahre lang hatten sich Forscher vergeblich daran versucht - und auch Franklin scheiterte. Von seiner Expedition kehrte niemand lebend zurück. Was genau mit den 129 Seeleuten passierte, ist bis heute ungeklärt. Diese mysteriöse Geschichte hat die in Osterath aufgewachsene Zeichnerin Kristina Gehrmann in einem grafischen Roman, genannt "Graphic Novel" verarbeitet. Für "Im Eisland" bekam sie im September den Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch verliehen.

Am Anfang stand für Gehrmann wie bei jeder Geschichte die Neugier: "Zu jedem Thema, das mich interessiert, zeichne ich Bilder", erzählt die 27-Jährige, "aber hier hat mir das nicht gereicht: Ich wollte recherchieren und die ganze rätselhafte Geschichte erzählen." Das in drei Bänden erschienene Buch ist ihr erster Graphic Novel.

So stellt sich Kristina Gehrmann die Ankunft der Seeleute in der Arktis vor - für ihre Version der mysteriösen Geschichte hat sie lange und gründlich recherchiert. FOTO: Kristina Gehrmann

Zuerst entwarf sie Drehbuch und erste Skizzen auf Papier. Dann zeichnete sie die Skizzen auf dem Computer nach und füllte sie digital mit Tuschedetails auf. Als Letztes kamen die Textelemente dazu. Am Ende steht ein dreibändiges Werk, das vielfach gelobt und ausgezeichnet wurde. Neben dem Jugendliteraturpreis bekam Gehrmann im Mai 2015 den Preis für das Buch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. "Ich freue mich sehr über die Auszeichnungen", berichtet die Zeichnerin und Autorin, "obwohl ich beim Zeichnen der tragischen Geschichte eigentlich nicht an ein so junges Publikum gedacht habe."

Gehrmann zeichnet schon immer. Von Geburt an ist die Illustratorin taub und kann nur mit Hilfe von Cochlea-Implantaten hören: "Das Zeichnen ist eine stille Kunst, das kommt mir natürlich entgegen." 1989 wurde sie in Leverkusen geboren und zog zehn Jahre später mit ihrer Familie nach Osterath um. Hier machte sie 2008 ihr Abitur und ging anschließend für eine klassische Mal- und Zeichenausbildung nach Florenz. "Dort habe ich gelernt, mit Bleistift, Kohle und Ölfarbe umzugehen", erzählt sie, "eine gute Ausbildung - Zeichnen ist für mich auch Handwerk." Seit 2012 ist Gehrmann in Hamburg als selbstständige Illustratorin tätig. Neben eigenen Projekten erledigt sie dabei auch Auftragsarbeiten, zum Beispiel für Verlage oder Musikbands. "Irgendwo muss das Geld ja herkommen", lacht sie.

Kristina Gehrmann im Gespräch in der Depesche: Nach Osterath, wo sie aufgewachsen ist, kommt sie immer gerne zurück. FOTO: Ulli Dackweiler

Die Entscheidung, sich mit dem Kunsthandwerk selbstständig zu machen, bereut sie nicht. "Für mich war immer klar, dass ich Zeichnerin werde, ich wollte nie etwas anderes", erklärt sie. Dazu inspiriert hat sie ihr Großvater, ein leidenschaftlicher Aquarellmaler: "Er war der erste Künstler, den ich kannte."

Mit ihrer Familie ist Kristina Gehrmann eng verbunden: Die Eltern wohnen in Osterath, ein paar Mal pro Jahr ist sie zu Besuch. Ihre Zukunft sieht sie in Hamburg, alles Andere sei schwer zu planen: "Ich würde aber gerne noch mehr Graphic Novels zeichnen, am nächsten arbeite ich sogar schon."

Quelle: RP
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