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Meerbusch
Zirkus im Seniorenheim

Meerbusch: Zirkus im Seniorenheim
Hinter dem "Heile-Heile Clown Filu" verbirgt sich Frank Görgen, ein Mitarbeiter des Heims. Er hat nicht nur die 89-jährige Johanita Goller zum Lachen gebracht. FOTO: falk Janning
Meerbusch. Das Meridias-Seniorenheim in Strümp hat ein besonderes Sommerfest gefeiert.

Der rote Manegevorhang glitzert. Am Rand rattert schon die Zuckerwattemaschine, als Pastorin Ute Saß das Vaterunser vor einem kleinen Altar mitten in der Manege verliest. Ungewöhnliche Szenen spielen sich an diesem Nachmittag vor der Strümper Senioreneinrichtung Meridias ab: Es ist Sommerfest - und der Circus Liaison hat seine Zelte direkt vor dem Pflegehaus aufgeschlagen. "Die Bewohner kennen Zirkus aus ihrer Kindheit", sagt Diakonin Anke Laskowski. Ziel des Fests: eine gemeinschaftliche Zeitreise in die Kindheit. Die begann schon vor der offiziellen Feier: "Um die Bewohner einzustimmen, haben wir das Haus schon vorher als Zirkus geschmückt", sagte Betreuerin Stanislava Becker. Der Zirkus lockt viele neugierige Bewohner nach draußen, zum Beispiel die Lankerin Gudrun Blank. "Mein letztes Popcorn ist wirklich schon eine ganze Weile her", erzählt sie und lacht befreit, als Heile-Heile Clown Filu ihr einen Handkuss andeutet.

Gleichzeitig demonstriert eine junge Akrobatin einen Spagat auf dem Spannseil. Einrichtungsleiter Jörg Hartmann schwirrt umher und verteilt bei mehr als Grad Getränke an die durstigen Senioren. "Wenn Menschen nicht mehr eigenständig in den Zirkus können, muss der Zirkus eben zu uns kommen", so Sozialdienstleisterin Andrea Baldus.

Neben dem Sommerfest biete die Einrichtung auch Tanzcafés, Männerfrühstücke, Ausflüge in die Umgebung und einen Gesangs-Chor. Diakonin Anke Laskowski ergänzt: "Im September machen wir einen Ausflug in den Gelsenkirchener Zoo. Im Oktober gibt's dann ein Weinfest, und im November geht es zum Weihnachtsmarkt".

In der Manege folgt auf eine Ziegenshow zur bekannten "Gangnam Style"-Melodie die 2,80 Meter lange Würgeschlange Esmeralda. Streicheln möchten die nur ein paar mutige Senioren. Gelächter und Leichtigkeit folgen bei der Hundeshow, in der Hunde sich selber in Koffer "verpacken". Auch der Feuerspucker überrascht die Senioren, als seine Flammen in der Manege hochschießen. "Ich war früher auch gerne Tanzen" erinnert sich Doris Spix (74), als die kleinen Tanztiger der Jugendtanzgarde Blau-Rot-Gold Neuss das Sommerfest abschließen. "Tanzen und Anlächeln und so mit den Jungs von drüben", lacht sie. Auch im Alltag genießt sie mit ihrem Mitbewohner Nico Koop (85) die monatlichen Tanzcafés der Einrichtung. Auch die weniger mobilen Bewohner im Rollstuhl können teilhaben und werden von den Betreuern einfach mitgedreht.

Im Zelt leitet der Clown eine Seniorin tanzend auf ihren Platz. Die kann sich ein Lächeln nicht verkneifen und macht es sich für die letzten Klänge unter dem pinken Dach gemütlich. Zum Abschluss verteilten die Helfer eine klassische Sommermahlzeit: Es gibt Currywurst auf die Hand. "Wie im Urlaub ist das hier", freuen sich Doris und Nico. Nicht nur die Bewohner, sondern auch die Angestellten kommen auf ihre Kosten: Am Abend legt ein DJ auf - wieder Zirkus, diesmal aber auf der Tanzfläche.

Quelle: RP
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