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Einsatz in Meerbusch
Darum mussten die Passagiere zunächst im Zug warten

Schweres Zugunglück in Meerbusch bei Düsseldorf
Düsseldorf . In Meerbusch ist ein Regional-Zug auf einen Güterzug geprallt. Rund 150 Passagiere mussten geborgen werden. Über 400 Einsatzkräfte waren dafür im Einsatz. Lutz Meierherm, Sprecher der Feuerwehr Meerbusch, berichtet im Interview von den Rettungsarbeiten.  Von Susanne Hamann

Herr Meierherm, wann hat die Feuerwehr von dem Zugunglück in Meerbusch erfahren?

Lutz Meierherm Wir wurden gegen 19.30 Uhr darüber informiert, dass irgendeine Form von Zugunglück passiert ist. Aber Details waren zunächst nicht bekannt, auch der Ort war anfangs nicht klar. 

War es schwierig, die Unfallstelle zu finden?

Meierherm Wir konnten die Einsatzstelle zunächst gar nicht sehen, sondern nur den stehenden Güterzug. Dann wurde klar, dass der regionale Zug hinter dem Güterzug lag. Wir haben uns einen Überblick von der Situation verschafft und festgestellt, dass wir zunächst nicht tätig werden können. 

Wieso nicht?

Meierherm Eine abgerissene Oberleitung lag auf dem Boden. In so einem Fall müssen wir für die Passagiere, aber auch zu unserer eigenen Sicherheit dafür sorgen, dass darauf kein Strom ist. Das heißt, die Oberleitung muss geerdet werden. Das können aber nur Experten der Deutschen Bahn. Wir mussten also mit unserem Einsatz warten, bis die da waren und die Leitung präpariert hatten. 

Konnten Sie denn mit den Passagieren sprechen?

Meierherm Wir konnten direkt eine gute Kommunikation herstellen. Das lag zum einen daran, dass einige Fenster kaputt waren, durch die wir mit den Passagieren sprechen konnten. Zum anderen, hatte der Zugführer die Tür geöffnet. Wir konnten also schnell klären, wie viele Verletzte in den Wagen waren, wie schwer die Verletzungen waren und konnten unseren Einsatz entsprechend abstimmen. 

War die Bergung der Verletzten schwierig?

Meierherm Die beiden Waggons waren nicht schwer deformiert und der Zug stand aufrecht, deshalb mussten wir die Passagiere nicht mit schweren Gerät aus dem Zug befreien, sondern konnten sie aus den Türen abtransportieren. Man muss sagen, für einen Schaden dieser Größe ist der Unfall relativ glimpflich abgelaufen. Aber es zeigt auch, dass unsere Strukturen für solche Großeinsätze funktionieren. 

Was war das erste, was gemacht wurde, nachdem die Oberleitung geerdet war?

Meierherm Zuerst sind die Notärzte in den Zug, haben sich ein Bild von der Situation gemacht und entschieden, wer sofort ins Krankenhaus muss und wer noch an der Unfallstelle bleiben kann. Das ist ein wichtiger Schritt in einer solchen Situation, die wir MANV nennen, also einen Massenanfall von Verletzten. Stellen Sie sich vor, wir würden alle Verletzten gleichzeitig in das nächstgelegene Krankenhaus bringen, das würde zu einer völligen Überlastung führen. 

Rund 50 Personen wurden verletzt, sieben davon schwer. Trotzdem waren über 400 Einsatzkräfte am Unfallort. Wieso?

Meierherm Weil bei einem solchen Einsatz weit mehr Aufgaben anfallen, als die reine medizinische Betreuung. Wir hatten alleine über 100 Tragehilfen für Verletzte im Einsatz. Andere halfen dabei, Decken, Essen und Getränke auszugeben. Hinzu kam die Betreuung von Menschen, die nicht verletzt waren, aber ebenfalls im Zug saßen. 

Waren die Passagiere in Panik?

Meierherm Nein. Die Passagiere haben genau richtig reagiert. Sie sind ruhig geblieben und haben uns mit allen wichtigen Informationen versorgt. 

 
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