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Zugunglück in Meerbusch
Personenzug hätte den Abschnitt nicht befahren dürfen

Zugunglück in Meerbusch: So soll die Bergung ablaufen
Meerbusch. Zwei Züge sind in Meerbusch-Osterath kollidiert, 50 Menschen wurden verletzt. Doch was war die Ursache? Laut Unfallermittlern war der Personenzug auf das falsche Gleis gefahren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Der Regional-Express der Linie 7 war auf der Strecke von Köln nach Krefeld unterwegs. Dort kollidierte er mit dem Güterzug von DB Cargo, der von Dillingen nach Rotterdam fuhr, am Dienstagabend auf offener Strecke. Bei dem Unfall wurden laut Bundespolizei neun Menschen schwer und 41 leicht verletzt - sie erlitten Schocks oder Hautabschürfungen.

Der Lokführer des Regionalzugs verhinderte mit einer Vollbremsung Schlimmeres, so erste Erkenntnisse. Bei dem Aufprall wurde er in seiner Fahrerkabine selbst verletzt. Er konnte gerettet werden, stand aber unter Schock. (In unserem Liveblog halten wir Sie über die Bergungsarbeiten und die Auswirkungen auf den Verkehr in NRW auf dem Laufenden.)

  • Was ist die Ursache für das Zugunglück?

Erkenntnissen der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen zufolge hätte der Personenzug den Gleisabschnitt nicht befahren dürfen. Der Güterzug stand rechtmäßig auf der Strecke. Das sagte der Sprecher der Bundesstelle in Bonn, Gerd Münnich, am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion.

Warum der Zug die Strecke bei Meerbusch dennoch befuhr, müsse nun geklärt werden, erklärte die Ermittlungsstelle.

Bilder aus der Luft vom Zugunglück in Meerbusch FOTO: Christoph Reichwein
  • Wer ist für den Zusammenstoß verantwortlich?

Der Sprecher der Bundesstelle betont, dass der Zug nicht auf das Gleis hätte fahren dürfen, sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer. Vielmehr müsse zunächst ermittelt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet gewesen seien oder vom Lokführer übersehen wurden. 

Die Fahrtenschreiber beider Züge seien sichergestellt und ausgelesen worden. Auch in den Stellwerken seien Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr sei ebenfalls aufgezeichnet worden. Danach ergebe sich das Bild, dass der Güterzug ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet habe. Damit sei diese Strecke zwischen Krefeld und Köln für den nachfolgenden Verkehr eigentlich gesperrt gewesen. "Der Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen", sagte Münnich.

Aus einem internen Protokoll der Fahrdienstleitung, das unserer Redaktion vorliegt, geht hervor, dass kurz vor dem Unglück für den Gleisabschnitt eine Erstmeldung rausgegangen war, dass das Gleis besetzt war. "Die Fahrdienstleitung ordnet dann normalerweise 'Fahren auf Sicht' an", so der Insider. Genau das scheint aber nicht passiert zu sein. Aus gut informierten Bahnkreisen hieß es, dass der Zugführer ein sogenanntes Blocksignal vom Fahrdienstleiter erhalten habe, der für die Streckenfreigabe zuständig ist. "Das heißt für den Lokführer, dass er ab dem Signal wieder direkt normal beschleunigen kann", so der Insider. Der Lokführer könnte also ein falsches Signal erhalten haben.

Die Bahngesellschaft National Express, die den Personenverkehr auf der Strecke betreibt, rechnet nach eigenen Angaben fest mit einer Aufklärung der Unfallursache. "Es ist bei solchen Unglücken eigentlich immer im Nachhinein herausgekommen, wo das Problem lag", sagte ein Unternehmenssprecher.

Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der die Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte.

  • Wie geht es den Passagieren?

Im Zug waren nach Angaben des Rettungsdienstes deutlich mehr Menschen als zunächst angenommen. Es seien 173 Menschen in dem Regionalzug angetroffen worden, sagte Marc Zellerhoff, der ärztliche Leiter Rettungsdienst im Rhein-Kreis am Mittwoch in Meerbusch. 50 wurden verletzt, neun von ihnen schwer. Die schwerste Verletzung sei ein Oberschenkelbruch gewesen, der Patient habe mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden müssen, sagte Zellerhoff. Eine Frau habe Brüche im Gesicht erlitten, bei einer weiteren Person war die Hüfte ausgerenkt. Die Verletzten kamen unter anderem aus Neuss und Kleve. 

  • Wie liefen die Rettungsarbeiten in der Nacht? 

Eine abgerissene Oberleitung, die den Zug unter Strom setzte, erschwerte die Rettungsaktion zunächst. Die Reisenden mussten lange in dem Zug ausharren. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit mehr als 200 Einsatzkräften an der Unfallstelle. Bis nach Mitternacht waren die Rettungskräfte mit der Evakuierung des Personenzugs beschäftigt.

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Der Einsatzleiter der Feuerwehr sagt auf der Pressekonferenz der Stadt: "Problematisch war, dass die Unfallstelle umringt von Feldern liegt." Deswegen hätten nur normale Rettungswagen und keine größeren Wagen anfahren können.  Die Passagiere im Zug seien sehr ruhig und diszipliniert geblieben. Sie hätten einander geholfen und kleinere Verletzungen teilweise selbst verarztet, sagte der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes bei einer Pressekonferenz. 

  • Wann wird die Strecke wieder freigegeben?

Der private Zugbetreiber National Express Rail hat derzeit einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Das Unternehmen strich all seine Fahrten auf der Strecke. Im Stundentakt werden Busse zwischen Neuss und Krefeld eingesetzt. Die Deutsche Bahn rechnet trotz der Streckensperrung nicht mit Auswirkungen auf ihren Regionalverkehr. Wann die Strecke wieder freigeben werden kann, ist noch unklar. Informationen über die Zugausfälle gibt es hier. 

(vek/oko/top/dpa)
 
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