| 10.56 Uhr

Passagier berichtet vom Unglück
"Die Leute tasteten sich durch den Zug und fragten nach Pflastern"

Zugunglück in Meerbusch: So soll die Bergung ablaufen
Düsseldorf . Bei einem Zugunglück bei Meerbusch-Osterath in der Nacht wurden 50 Menschen verletzt. Der 18-jährige Raphael Beermann saß im Zug. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt er, was bei dem Unglück passiert ist. Von Susanne Hamann

Herr Beermann, Sie saßen in der Regionalbahn, die bei Meerbusch-Osterath auf einen anderen Güterzug aufgeprallt ist. Hat sich das Unglück irgendwie angekündigt?

Raphael Beermann Nein, man konnte das nicht ahnen. Im einen Moment ist der Zug ganz normal gefahren. Im nächsten Moment setzte auf einmal eine starke Bremsung ein und dann kam der Aufprall.

Wo saßen Sie im Zug?

Beermann Ich saß mit einem Freund in einem Vierersitz in der Mitte des zweiten Waggons.

Und wie hat sich der Aufprall angefühlt?

Beermann Zuerst hat man einen Ruck durch die Bremsung gespürt, dann kam der Aufprall. Es war zu merken, dass wir den anderen Zug noch gute 20 Sekunden vor uns hergeschoben haben. Dann hat die Bahn gestoppt. Ich hatte viel Glück. Viele Passagiere sind kurz vor der Bremsung aufgestanden, weil sie dachten, dass wir gleich in den nächsten Halt Meerbusch-Osterath fahren. Ich war selbst kurz davor, das zu tun. Die Menschen, die standen, sind um- und teilweise auch aufeinander gefallen. 

Ist Ihnen etwas passiert?

Beermann Als die Bremsung kam, war ich gerade leicht nach vorne gelehnt, weil ich meinem Bekannten etwas auf dem Handy gezeigt habe. Vermutlich deshalb wurde ich nach vorne und mit dem Kopf gegen das Kinn der Passagierin im Sitz vor mir geschleudert. Schlimmeres ist mir und meinem Bekannten aber nicht passiert. 

Kam Panik im Zug auf?

Beermann Nein. Die Leute waren eher etwas durcheinander. Wir hatten allerdings auch die ganze Zeit Strom, also entsprechend auch Licht. Im ersten Waggon war das wohl nicht so. Und dort muss es auch mehrere schwer verletzte Menschen gegeben haben. 

Es hieß, der Zugführer hätte die Passagiere über eine Durchsage gewarnt. Haben Sie davon etwas mitbekommen?

Beermann Ich habe keine Durchsage gehört, nein. Nach dem Unfall haben mir allerdings Passagiere aus dem ersten Waggon erzählt, dass der Zugführer eine Warnung in den Waggon hineingerufen hätte. Davon hatten wir im zweiten Wagen aber natürlich nichts. 

Wie war die Situation nach dem Aufprall?

Beermann Die meisten waren desorientiert und haben versucht, wieder aufzustehen und sich zu sammeln. Die Leute tasteten sich durch den Zug und fragten nach Pflastern und Wasser. Wir hatten einen Mitarbeiter der Bahn im Abteil, der zunächst aufgeregt durch die Gegend lief und etwas überfordert wirkte. Dann hat er aber einen Erste-Hilfe-Kasten organisiert, andere Passagiere gefragt, was sie noch dabei haben, und begonnen, Verletzte zu betreuen. 

Wie sind die Rettungsarbeiten insgesamt gelaufen?

Beermann Ich hatte den Eindruck, dass die Rettungskräfte sehr gut organisiert waren. Sie haben schnell und systematisch die Verletzten abtransportiert. 

Verpassen Sie keine Nachrichten aus der Region: Wir schicken Ihnen eine Übersicht per WhatsApp. Melden Sie sich jetzt an!

Wie geht es Ihnen nach ein paar Stunden Schlaf?

Beermann Es wirkt alles sehr surreal. So etwas erwartet man ja nicht. Angst vor dem Bahnfahren oder so habe ich deshalb aber nicht. 

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Zugunglück in Meerbusch: Passagier berichtet vom Unfall


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.