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Meerbusch
Zwei Drittel aller Telefonzellen sollen verschwinden

Meerbusch: Zwei Drittel aller Telefonzellen sollen verschwinden
Die gelbe Telefonzelle an der Oststraße in Büderich bleibt stehen. Diverse andere hingegen sollen abgebaut werden. Die Telekom macht darauf aufmerksam, dass man alte Telefonzellen kaufen kann. Anfragen an: info@telekom.de. FOTO: Ulli Dackweiler.
Meerbusch. 15 von 22 Telefonzellen in Meerbusch sollen abgebaut werden. Sie werden laut Telekom kaum noch genutzt und sind deshalb nicht mehr lukrativ: 1200 Euro Kosten pro Jahr, doch mitunter nicht einen Euro Einnahmen. Von Sebastian Peters

In Kürze soll es in Meerbusch nur noch sieben öffentliche Telefonzellen geben. Die Telekom hat die Meerbuscher Stadtverwaltung jetzt unterrichtet, dass sie von insgesamt 22 Zellen im Stadtgebiet 15 aufgeben will. Darüber wird der heute tagende Hauptausschuss (17 Uhr, Dr. Franz-Schütz-Platz 1) in einer Vorlage unterrichtet. Dass die Politik dem zustimmt, ist aber längst nicht gesichert. Bereits in der Vergangenheit hatte die Telekom für einige Telefonzellen Abbauanträge gestellt. Die Politik bat aber, diese noch stehen zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass die Telekom für die gleichen Standorte jetzt wieder Abbauanträge stellt.

Zum Hintergrund: Eigentlich hat die Telekom die gesetzliche Pflicht, die Grundversorgung mit öffentlichen Telefonzellen in Deutschland sicherzustellen. Durch steigende Handynutzung, so argumentiert die Telekom, würden die Zellen immer seltener gebraucht. Telekom-Sprecher Andre Hofmann sagt: "Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Siegeszug des Handys abgenommen. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy."

2008 hat die Telekom bei der Bundesnetzagentur den großen Rückbau beantragt. Damals betrieb die Telekom noch 36 Standorte auf Meerbuscher Stadtgebiet. In Absprache mit den kommunalen Spitzenverbänden wurde der Telekom deutschlandweit genehmigt, die Zellen zumindest an "extrem unwirtschaftlichen Standorten" abbauen zu dürfen. Als extrem unwirtschaftlich gelten Umsätze von weniger als 50 Euro. In jedem Einzelfall müssen aber die Städte und Gemeinden zustimmen.

In Meerbusch hat sich der Hauptausschuss bereits in früheren Jahren mit Rückbauanträgen befasst. Die Politik bat jedoch damals, die Standorte Bösinghovener Straße 57, Josef-Kohtes-Straße 22, Meerbuscher Straße 155, Bahnhofsweg 31, Hochstraße 3, Am Heidbergdamm 2 und Brühler Weg 28 zu erhalten. Diesem Wunsch folgte die Telekom. Im nunmehr vorliegenden Antrag finden sich bis auf den Standort "Am Heidbergdamm 2" alle Standorte wieder. Telekom-Sprecher Andre Hofmann: "Wenn die Gemeinde trotzdem an einem Standort festhalten möchte, sprechen wir mit der Kommune über eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon."

Wie teuer die Telefonzellen für die Telekom sind, machen folgende Zahlen deutlich: Der Betrieb eines Standortes erfordert demnach jährliche Kosten von 1200 Euro für Strom, Standortmiete und Wartung, Reparaturmaßnahmen nicht eingerechnet. Die erzielten Einnahmen lägen aber zwischen 0 und 100 Euro, so dass ein wirtschaftlicher Betrieb aus Sicht der Telekom nicht mehr gegeben ist. Nachfragen bei Polizei und Feuerwehren hätten ergeben, dass selbst Notrufe nur noch selten von Telefonzellen aus eingingen.

Quelle: RP
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