| 18.02 Uhr

Mettmann
100 Jahre Weltspiegel

Düsseldorf. Eine Sondervorstellung mit den Filmklassiker „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“. Der Konditor und Wirt Johann Josef Rosslenbroich gründete das Kino 1907. Sein Nachfolger war Sohn Hubert. Von Christoph Zacharias

Eines der ältesten Kinos Deutschlands, das „Weltspiegel“ in Mettmann, feierte gestern seinen 100. Geburtstag. Die Familie Rosslenbroich erinnerte an die Anfänge und zeigte den ersten Tonfilm, der im Mettmanner Kino aufgeführt wurde: „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ aus dem Jahr 1930. Für Manfred von der Venn (75), seit 58 Jahren Filmvorführer im „Weltspiegel“, war das ein besonderer Tag. „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon“, meint er im Vorführraum. Immerhin handelte es sich um einen Schwarz-Weiß-Klassiker, ungeklebt, mit 30 Sekunden langen Schwarzbildpausen zwischen den fünf Akten. Doch Ton- und Bildqualität stimmten und die Gäste der Geburtstagsvorführung erlebten einen schönen Filmnachmittag. Gerda und Dieter Biermann aus Mettmann, kommen öfters ins Mettmanner Kino und schätzen die persönliche und familiäre Atmosphäre an der Düsseldorfer Straße. „Für uns ist das ,Weltspiegel’ ein Stück Kultur“, sagen die beiden. Das hätte Johann Josef Rosslenbroich, gelernter Konditor und Wirt, sicher gerne gehört, als er im August 1907 die Apparate eines verschuldeten Kinematographen-Operateurs kaufte und wenig später selbst Filme in Mettmann vorführte.

Es dauerte noch 24 Jahre, bis die Stummfilmzeit in Mettmann endete und der Tonfilm seinen Siegeszug durch die Lichtspielhäuser antrat. Am 14. August 1931 öffnete sich im „Weltspiegel“ der Vorhang für den Film „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“. Die örtliche Presse schrieb damals: „Klar und deutlich ist der Gesang, das gesprochene Wort, die Musik und vor allem auch die begleitenden Geräusche. Dazu ist die Lichtbildwiedergabe als wirklich vorzüglich anzusprechen.“ So war’s auch gestern. Für Leonie Rosslenbroich ein besonderer Tag: Sie hatte in der ersten Reihe des Kinos Platz genommen und verfolgte den Operettenfilm. Die Seniorchefin hat die wechselvolle Geschichte des Mettmanner Kinos hautnah miterlebt. Ihr Mann, Hubert Rosslenbroich, war es, der das Haus 1941 übernahm, ausbaute und erweiterte. Das „Weltspiegel“ war längst nicht nur Kino, sondern auch Theater. Auf der Bühne standen Stars wie Rudi Schurike, Harry Piel und Lil Dagover.

Dem Wettbewerb gestellt

Die Töchter Margarete Papenhoff, geborene Rosslenbroich, und Gabriele Rosslenbroich, übernahmen nach dem Tod des Vaters in den 70er Jahren das „Weltspiegel“-Kino. Für sie war es keine leichte Aufgabe, im Wettbewerb mit den Großstadt-Kinos und Multiplex-Theatern ihr Publikum zu halten, beziehungsweise zu gewinnen. Doch ihr Anspruch, anspruchsvolles und gleichsam unterhaltsames Kino zu machen, ging auf.

Quelle: RP
 
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