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Mettmann
Advent ohne Stress - wie soll das gehen?

Mettmann. Hatz auf Geschenke, ausgiebiges Kochen und Einkaufen für die Feiertage, Besuche bei Verwandten: Die Weihnachstage sind meist von viel Trubel begleitet. Es gibt aber Mittel, um entspannt zu bleiben. Von Sabine Maguire

"Es treibt der Wind im Winterwalde, die Flockenherde wie ein Hirt. Und manche Tanne ahnt, wie balde sie fromm und lichterheilig wird. Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin - bereit. Und wehrt dem Wind und wächst entgegen, der einen Nacht der Herrlichkeit."

Lieber Rainer Maria Rilke, das hört sich ja alles ganz wunderbar an! Aber ein paar Dinge wollen wir doch mal klarstellen: Winterwald? Flockenherde? Davon träumen wir in Klimawandel-Zeiten noch nicht mal mehr nachts. Und der Nacht der Herrlichkeit entgegen wachsen? Von wegen! Besinnlichkeit im Advent? Das können Sie vergessen! Weihnachten lässt sich nicht mehr erleben. Weihnachten muss organisiert werden.

Und da sind wir schon seit Wochen mittendrin. Die Frage danach, wie es den Leuten ringsum so geht, kann man sich getrost sparen. Von "bin im Stress" bis hin zu "ich bin froh, wenn das alles vorbei ist" ist der Tenor eigentlich immer gleich. Wer was anderes sagt, hat offenbar den Ernst der Lage nicht begriffen. Sinnend geht hier längst keiner mehr durch die Gassen. Stattdessen harrt man - eingekeilt in einer Kassenschlange - der Dinge, die da hoffentlich bald kommen werden. Ist dann endlich die Nacht der Herrlichkeit gekommen, von der Sie, lieber Herr Rilke, so schön sagen, das wir ihr erwartungsvoll entgegen wachsen, so würden wir manchmal gerne den Christbaumständer an die nächste Wand werfen. Was also ist zu tun in Zeiten wie diesen, um nicht dann, wenn alles so herrlich sein sollte, zwischen Bergen von Geschenkpapier zu kollabieren? Wir haben mal dort nachgefragt, wo man eigentlich wissen sollte, wie es richtig geht mit einer besinnlichen Adventszeit: Bei Pfarrer Ernst Schmidt. Allerdings machen die modernen Zeiten auch vor den Gotteshäusern keineswegs halt. Im Gegenteil: Man stellt sich mit Kurzandachten auf den Zeitenwandel ein und darauf, das inmitten von Adventsstress und Konsumrausch kaum noch jemand genug Zeit hat, um stundenlang auf Kirchenbänken zu sitzen. "Deshalb gibt es bei uns die Atempause im Advent, bei der man mal eine Viertelstunde durchatmen kann", spricht Pfarrer Ernst Schmidt über das Angebot der evangelischen Gemeinde.

Er weiß zu gut, dass kaum noch jemand gänzlich aussteigen kann aus der Hektik, die zur Vorweihnachtszeit längst dazugehört. Allerdings müsse man auch nicht alles mitmachen, was einem an Erwartungen eingeflüstert wird. "Meine Frau und ich, wir schenken uns nichts und fahren lieber im neuen Jahr ein paar Tage weg", verrät er. Außerdem nehme er sich jeden Tag ganz bewusst Zeit, um zur Besinnung zu kommen. Schließlich habe man es selbst in der Hand, die Adventszeit zu gestalten. Eine Tasse Tee, Kerze an, Ruhe: Das sei ein guter Weg, um dem Trubel zu entrinnen.

Quelle: RP
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