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Niederberg
Alltagsleben im Miniaturformat

Niederberg. Die neue Ausstellung im Museum Abtsküche zeigt Puppenstuben und Interieurs aus einem ganzen Jahrhundert. Von Sandra Kreilmann

Schulbänke aus Holz, ein Globus und ein Abakus in der Ecke und an der Wand ein Plakat, auf dem die Buchstaben aufgezeichnet sind - ein Klassenzimmer, wie es sie in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts überall gegeben hat. Ein solcher Schulraum ist im Heimatmuseum Abtsküche, dessen Gebäude tatsächlich mal Dorfschule war, aufgebaut. Hier kann sich jeder einmal in die alten Holzbänke zwängen; die einen können sich erinnern, die anderen entdecken, wie es sich angefühlt haben könnte.

Seit kurzem steht nur wenige Meter entfernt, im modernen Anbau des Museums noch ein solches Klassenzimmer - in Miniaturformat. Eine Krefelder Sammlerin hat diese Liebe zum Detail fast schon perfektioniert und lädt noch bis zum 21. Februar zu ihrer Reise in die Vergangenheit ein. Denn ihre Sammlung ist viel mehr als bloßes Kinderspielzeug, obwohl es sicherlich nicht wenigen Besuchern, die zur Eröffnung gekommen waren, die Erinnerung an die eigene Kindheit zurückbrachte. Die Küche als Wohnungsmittelpunkt wird zur Zeit nicht nur im "Realformat" im Museum gezeigt, sondern auch in klein. "Die Kinderkochherde zeigen diese Veränderungen sehr schön: So wurde richtig gekocht, mit Holzstückchen, Kerzen, Spiritus, dieser zunächst in flüssiger, später in trockener Würfelform, den vielen von uns noch bekannten "Esbit-Würfeln" - und endlich dann elektrisch mit Anschluss an eine normale Steckdose", erklärt die Sammlerin. So steht in einer Vitrine der mächtige, uralte aus Familienbesitz stammende Märklinherd mit Spiritusbefeuerung, auf dem ein heute 76-jähriger Krefelder Bürger als kleiner Junge "hingebungsvoll und unermüdlich" gekocht habe. Dann steht in einem weiteren Fach der Elektrokochherd Bauco, auf dem eine heute 43-jährige Krefelder Bürgerin Anfang der 1980er-Jahre gekocht und gebacken hat.

Es ist genau diese Detailverliebtheit, die sich schnell auf den Besucher überträgt. Genau hinschauen lohnt sich also.

Wer sich das typische Wohnzimmer aus den 1970er Jahren anschaut, bei dem wird mit den braun-orangenen Tönen schnell eine Ahnung des Lebensgefühls geweckt. Zum Vergleich gibt es Wohnzimmer aus anderen Epochen, vor allem aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts. Puppenstuben waren mit ihren Küchen, Wohn- und Schlafzimmern, teilweise auch Bädern, schon vor mehr als 300 Jahren bis bis in die heutige Zeit das verkleinerte Spiegelbild der Wohnwelten und der damit verbundenen Lebensweisen der jeweiligen Generation.

Quelle: RP
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