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Mettmann
Als in der Disco "Diele" die Post abging

Mettmann: Als in der Disco "Diele" die Post abging
Inge Hecht arbeitet heute im Mettmanner Braukeller. In der Gastronomie ist sie schon seit 1967 tätig. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Inge Hecht erinnert sich an die wilden 60er Jahre. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie die erste Disco eröffnet. Von Klaus Müller

Auf eine lange Karriere in der Gastronomie-Branche kann Inge Hecht (72) zurückblicken. "Wenn man einmal in der Gastronomie angefangen hat, lässt einen das nicht mehr los. Mir hat diese nicht immer leichte Tätigkeit viel Freude bereitet und ich bin froh, dass ich diesen beruflichen Weg gegangen bin", zieht sie mit einem zufriedenen Lächeln Bilanz. Derzeit ist sie als Kellnerin die gute Seele des "Braukellers" in der Oberstadt und fühlt sich dort wohl. "Das ist eine urige Gaststätte mit einem netten Publikum. Dort trinken die Gäste in Ruhe ihr Bier, lauschen der schönen Musik und reden über Gott und die Welt." Wirt Roland Wirth hält große Stücke auf Inge Hecht. "Sie ist zuverlässig und stets gut drauf."

Die Gastronomiekarriere der gebürtigen Mettmannerin begann im Jahr 1967. Mit ihrem Ehemann Freddy Hecht, der wegen einer schweren Krankheit zwei Jahre später verstarb, übernahm sie den "Schützenhof" an der Düsseldorfer Straße. Das Wirte-Ehepaar fing mit einem Konzept an, das es bis dahin in Mettmann noch nicht gab. "Wir eröffneten die erste Disco in der Kreisstadt", sagt Inge Hecht.

"Ich hatte die Idee und wir nannten dieses Lokal Disco-Diele, die überall nur Diele genannt wurde." Sie kann sich noch gut an das Team der Gründerjahre erinnern. So sei Heinz Happ der erste Discjockey in der Diele gewesen. Ihr Schwager Manfred "Manni" Zambon leitete den Thekenbetrieb, während Rainer Kroeblin als Kellner die Gäste versorgt habe. "Das war damals eine tolle Truppe, die in den Anfangsjahren in der Diele arbeitete. Auf diese Leute konnte ich mich auch verlassen, als mein Mann starb", erinnert sie sich gern an die ersten Jahre. Hinzu kam schon bald Uwe Martin, den in der Mettmanner Gastronomie-Szene alle nur "Latschie" nannten. "Uwe war bei uns in der Diele der Allzuständige und daher eine große Hilfe für mich."

Die Diele erwarb sich als Disco schnell einen guten Ruf und war in der Szene der Geheimtipp schlechthin. "Die Gäste kamen aus Wuppertal und Düsseldorf sowie aus dem gesamten Kreisgebiet. Sie wollten einfach die tolle Musik bei uns hören und tanzen", so Inge Hecht. Für die Musik sorgte später Falco von Schönberg, der die Disco zum Kochen brachte. "Ich bin einmal die Woche nach Düsseldorf gefahren und habe stapelweise die neuen Schallplatten gekauft. In der Diele waren immer die aktuellen Hits zu hören. Das kam bei den Gästen an." Es hätten sich insbesondere an den Wochenenden Schlangen an der Tür gebildet, weil die Leute unbedingt in die Diele wollten. Das Personal veränderte sich. So habe Anfang der 70er Jahre Roland Wirth als "Zappes" an der Theke für sie gearbeitet. Heute ist er ihr Chef im Braukeller. Peter Petkovic sei einer ihrer besten Kellner gewesen. "Der konnte mit zwei aufeinander gestapelten Tabletts durch die Disco fegen und die Gäste bedienen. Das war schon klasse." Auch Horst und Gundi Pietschmann, die später direkt gegenüber die "Pinte" führten, gehörten zum Team. Zwischenzeitlich hatte Inge Hecht zusätzlich in Hilden das Lokal Jeam-Beam. Zwei Gaststätten waren ihr aber nach zwei Jahren zu viel und sie konzentrierte sich wieder auf die Diele. 1978 übernahm Peter Petkovic das Lokal und aus der Diele wurde die Disco Ipanema.

Inge Hecht wechselte in das gediegene Speiserestaurant "Weidenhof" am Rand von Ratingen und übernahm dann ein bekanntes Lokal in Düsseldorf-Oberkassel. Später lebte sie in Costa Rica.

Quelle: RP
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