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Mettmann/Wülfrath
Alternativen zum Knast

Mettmann/Wülfrath: Alternativen zum Knast
Der Mettmanner Jugendgerichtshelfer Dirk Wermelskirchen sitzt Probe in der Einzelzelle. Der Nachbau steht in der Stadtbücherei. FOTO: RPO
Düsseldorf. In der Mettmanner Stadtbücherei wird die Ausstellung "Menschen statt Mauern" gezeigt. Sie setzt sich kritisch mit dem Strafvollzug für junge Menschen auseinander. Rückfallqoute ist bei Jugendlichen sehr hoch. Von Christoph Zacharias

Der Verein "Neue Wege" lädt in Kooperation mit den Jugendämtern der Städte Mettmann und Wülfrath zu einer Ausstellung in der Mettmann Stadtbücherei mit dem Titel "Menschen statt Mauern – für ein Europa ohne Jugendgefängnisse" ein. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der exakte Nachbau einer Gefängniszelle, in denen Jugendliche in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf untergebracht sind.

Nachbau einer Zelle

"Die Zelle dient nicht als Abschreckung, sondern sie soll einen Einblick in die Lebensumstände der jungen Straftäter geben", sagt Klaus Jünschke vom "Kölner Appell gegen Rassismus", der die Wanderausstellung initiiert hat. In Ossendorf sitzen 1100 Gefangene ein, darunter 80 Jugendliche unter 18 Jahren.

"Besonders bei Jugendlichen löst das Eingesperrtsein in einem acht Quadratmeter großen Raum Angstzustände, Gefühle des Ausgeliefert- und Alleinseins aus und produziert Hass", sagt Jünschke. In der Regel verbringen die jungen Menschen 23 Stunden am Tag in der Zelle. Sie dürfen eine Stunde an die frische Luft. Besuchszeiten sind rar. Am Wochenende bestehe fast gar keine Möglichkeit, sich untereinander zu besuchen. Jünschke hat mit zahlreichen jugendlichen Straftätern gesprochen und die Interviews in einem Buch herausgegeben "Pop-Shop", Konkret Verlag).

Viele haben keinen Schulabschluss

Die Rückfallquote der jungen Menschen sei extrem hoch und dies, obwohl sie negative Erfahrungen im Knast machen. Meist haben die Straftäter keine Arbeit (80 Prozent), keinen Schulabschluss (70 Prozent). Jeder zweite Jugendliche im Knast hat zuvor Erfahrungen mit Drogen gesammelt. "Die Gesellschaft muss versuchen, im Vorfeld eine Kriminalisierung von jungen Menschen zu vermeiden", sagt Jünschke.

Das bedeutet für ihn: Mehr Geld in die Bildung, in Ausbildungsplätze stecken. Und: Viele junge Straftäter sind als Kinder misshandelt und geschlagen worden. Auch dort seien Nachbarn, Jugendämter mehr als bisher in der Pflicht, nicht wegzuschauen, sondern zu handeln. Es könne nicht sein, dass es sich die Gesellschaft in Deutschland erlauben könne, 7000 Jugendliche im Knast wegzusperren.

Quelle: RP
 
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