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Mettmann
Asylbewerber ziehen in die Turnhalle

Mettmann: Asylbewerber ziehen in die Turnhalle
Handwerker sind gerade dabei, die Gymnastikhalle an der Laubacher Straße in Mettmann in eine Unterkunft für Asylbewerber umzubauen. Die Stadt schätzt die Kosten auf einen "niedrigen fünfstelligen Betrag". FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Die Stadt Mettmann baut derzeit eine Gymnastikhalle am Konrad-Heeresbach-Gymnasium um. Dort sollen bis zu 25 Menschen wohnen können. Einzelne Abteile werden mit Holzwänden abgetrennt. Von Oliver Wiegand

Vor zwei Jahren lebten in Mettmann knapp 110 Asylbewerber. Jetzt sind es mehr als 300 und die Kreisstadt weiß nicht mehr, wo sie die Flüchtlinge noch unterbringen soll. Die Unterkünfte an der Tal- und Kleberstraße sind voll und in den kommenden Tagen sind weitere Asylbewerber angekündigt.

"Wir sind gerade dabei, die Gymnastikhalle an der Laubacher Straße für die Aufnahme von Flüchtlingen vorzubereiten", sagt Marko Sucic, Leiter der Abteilung Soziales bei der Stadt Mettmann. Schreiner erstellen mithilfe von Sperrholzwänden einzelne Wohnabteile in der Größe von etwa 4x4 Metern. In so einem Wohnabteil sollen maximal vier, im Regelfall aber nur zwei Personen untergebracht werden.

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Insgesamt könnte in der 9x17 Meter großen Halle so Platz für etwa 20 bis 25 Personen geschaffen werden. Dazu kommt eine Küche, so dass sich die Flüchtlinge selbst versorgen können. Auch die Sanitäreinrichtungen werden so saniert, dass etwas mehr Privatsphäre entsteht. In der Halle werden auch Waschmaschinen aufgestellt. Die Räume innerhalb der Turnhalle sind nach oben offen.

Abteilungsleiterin Marion Buschmann betont, dass es sich nur um eine Übergangslösung handelt. Sobald in den regulären Unterkünften wieder genug Platz frei ist, sollen die Asylbewerber aus der Turnhalle umziehen können. Mit den Vereinen und der Schule, die die Gymnastikhalle sonst nutzen, sei gesprochen worden, versichert Stadt-Sprecherin Silvia Nolte. Die Nutzung der Gymnastikhalle sei keine Dauerlösung, die Umwidmung einer weiteren Turnhalle in naher Zukunft nicht geplant, so Nolte weiter.

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Warum kommen so viele Flüchtlinge nach Mettmann? Die Stadt - so Sucic - hat auf die Zuweisung keinen Einfluss. Die Asylbewerber werden nach einem bestimmten Schlüssel (Finanzkraft, Größe der Kommunen) in NRW verteilt. Immer wieder hat die Stadt Mettmann in Arnsberg klar gemacht, dass die Heime aus allen Nähten platzen. "Bei der Bezirksregierung ernten wir ein virtuelles Schulterzucken, wir bekommen die Flüchtlinge trotzdem", sagt Sucic.

Warum reichen die bisherigen Heime nicht mehr aus? Die Stadt hat erst vor wenigen Monaten das Heim an der Kleberstraße wiedereröffnet. Dort leben 80 Personen, vor Kurzem wurde sogar das bislang nicht genutzte Dachgeschoss umgebaut. Dazu wurde eine Fluchtreppe extra auf einem Baugerüst angelegt. An der Talstraße leben 60 Asylbewerber, die Kapazitäten sind dort ebenfalls erschöpft. An der Hammer- und Danziger Straße ist ebenfalls alles dicht.

Warum werden die Flüchtlinge nicht in Wohnungen untergebracht? Die Stadt Mettmann hatte vor kurzem dazu aufgerufen, doch es gibt so gut wie keine Wohnungen. Der Mettmanner Bauverein hat drei Wohnungen zur Verfügung gestellt, Privatleute zwei. Das reicht aber nicht aus, um den Bedarf zu decken. Zumal - so Sucic- könne man auch nicht jeden Flüchtling in einer Wohnung unterbringen. Es müssten Deutschkenntnisse vorhanden sein und die Leute sollten wissen, wie man Müll trennt, so Sucic. Die Wohnungen dürfen darüber hinaus nicht mehr als 5,40 Euro pro Quadratmeter kosten, da sei das Angebot nicht so groß.

Welche Probleme gibt es bei der Belegung? Es kommt auch in den Mettmanner Heimen gelegentlich zu Polizeieinsätzen vor allem, wenn Bewohner umziehen sollen und nicht damit einverstanden sind. Die Stadt weiß nie, welche Asylbewerber vor der Tür stehen. Es können alleinreisende junge Männer oder komplette Familien sein. Für die nächste Woche ist etwa eine Familie angekündigt, die aus zehn Personen besteht und gemeinsam untergebracht werden muss.

Wie lange bleiben die Asylbewerber in Mettmann? "An der Talstraße lebt ein Mann bereits seit 26 Jahren in der Unterkunft", sagt Sucic. Es gebe noch einige Weitere, die bereits 20 Jahre hier seien und Kinder haben. Im Normalfall vergehen etwa drei bis fünf Jahre, bis es zu einer Entscheidung kommt, was mit den Flüchtlingen passiert. In den vergangenen zwei Jahren seien aus Mettmann zwei Personen abgeschoben worden. Die Abschiebung werde etwa verhindert, wenn ein Trauma vorliege oder ein Mitglied der Familie erkrankt sei. Es komme auch vor, dass Personen, die abgeschoben werden sollten, nicht zu Hause waren.

Quelle: RP
 
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