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Mettmann
Blues-Größe erinnert an Wolfgang Pieker

Mettmann. Ein ungewöhnliches Konzert im Wyndham Garden Hotel mit den "British Blue All Stars".

Im Juni hatten sie sich noch bei einer Veranstaltung in Remscheid getroffen, nur wenige Tage vor seinem Tod die letzten E-Mails ausgetauscht. "Wolfgang hat so viel für die Musik in Mettmann getan. Wir waren geschockt, als wir von seinem Tod erfahren haben", sagte der Gitarrist und Sänger Dave Kelly. Er kannte Wolfgang Pieker, der in der Region unzählige Blues-Konzerte organisiert hatte, seit etwa 30 Jahren. Das Konzert der "British Blues All Stars" im Wyndham-Garden-Hotel aufgrund des Todesfalls abzusagen, stand allerdings nicht zur Debatte - das hätte Pieker sicher nicht gewollt. "Wir sollten eigentlich zu Hause bleiben und unsere Pillen nehmen. Wir sind jetzt alt genug", witzelte Zoot Money in einer seiner Anmoderationen - um dann mit flinken Fingern über die Pianotasten zu huschen und stimmgewaltig Blues-Klassiker ins Mikrofon zu singen. Gut, dass diese Herren nicht zu Hause bleiben, sondern immer noch auf Tour gehen. "I was born living with the blues - Ich bin geboren, mit dem Blues zu leben", sagen sie und das Publikum glaubte ihnen jedes Wort. Bandleader Dave Kelly ist seit den 60er Jahren eine feste Größe in der britischen Blues-Scenze und hat die "British Blues All Starts" 2013 ins Leben gerufen. Nun tritt er oft gemeinsam mit Zoot Money (The Animals) am Piano, Gitarrist Pete Emery (John Drummer Blues Band) und Pick Withers (Dire Straits) am Schlagzeug auf. Nur Bassist Gary Fletcher konnte nicht mit nach Mettmann kommen. "Er hat Rücken", wie Dave Kelly verriet.

Ein Ersatzmann war schnell gefunden, Kelly nahm seinen eigenen Sohn Homer mit auf die Bühne. "Ich habe das mal ausgerechnet. Mit Homer liegt das Durchschnittsalter der Band jetzt bei 58,9 Jahren", sagte Kelly.

Das könnte auch dem Altersdurchschnitt des Publikums entsprochen haben. Viele nickten wissend als Kelly von seinem ersten Konzert im Mettmanner "Muckefuck" vor 30 Jahren erzählte. "Vor 30 Jahren haben die Leute sicher alle noch gestanden", bemerkte ein Mann im Publikum lachend. Tatsächlich hatten sich viele der Zuschauer im Hotelsaal Stühle besorgt, doch das tat der Blues-Stimmung keinen Abbruch.

Bei Liedern wie "Halleluja, I love her so" von Ray Charles oder "On the dock of the bay" von Otis Redding wippte jeder mit. Bei "A hundred and ten in the shade" bewiesen Vater und Sohn Kelly, dass sie nicht nur an den Instrumenten, sondern auch stimmlich ein eingespieltes Team sind.

Fazit: Ein gelungener Bluesabend und ein würdiger Abschied für einen langjährigen Freund und Förderer der Bluesszene.

(arm)
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