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Mettmann
Bobby Long entfacht Jubelstürme im Rio's

Mettmann. Der melancholische Entertainer spielte in der Mettmanner Musikkneipe. Ebenfalls überzeugend: Fabian Bruck. Von Lars Mader

Wer ist Bobby Long? Er ist der Schöpfer der Filmmusik zum Vampir-Epos "Twilight". Mit seinem wehreichen Lied "Let me Sign" half Long, das darin reichlich fließende Blut abwechselnd gefrieren und wieder aufkochen zu lassen. An die oberste Stelle der "iTunes Unsigned Charts", dem Brutkasten neuentdeckter Talente, brachte ihn dieser Beitrag.

Auf seiner Oktobertour durch Europa stellt er derzeit sein neues Album "Ode to Thinking" vor. Dass ein international bekannter Name mitten unter der Woche rund sechzig Folkfans aus Wuppertal und Köln ins Rio's nach Mettmann zieht, kommt selten vor. Gastgeber und Musikwirt Oliver Ritzkat erklärt, wie es sich begab: "Ich bin großer Fan von Gregor Meyle und habe versucht, ihn herzuholen. Doch der spielt nur in großen Hallen. Mayles Management hat mir dann Bobby Long empfohlen."

Der Wahl-New Yorker macht seine großen Auftritte gewöhnlich am Wochenende und füllt die Zwischenzeiten gerne mit Terminen in kleiner, feiner Runde. Mitgebracht hatte er den charmanten Fabian Bruck. Auch er veröffentlichte unlängst ein Album; seinen Erstling namens "Auf den Spuren meiner Träume".

Wie der Titel andeutet, kam der 23-jährige Weinstädter als Sanftsänger daher. Ob es die Dialektfarbe oder die selbstlose Hingabe seiner Stimmbänder ist - Brucks heiserer Gesang erinnert ein ums andere Mal an Pur-Sänger Hartmut Engler. Genau wie Long zeigte er auf der Gitarre ehrlichste Handwerkskunst der guten alten Singer-Songwriter-Schule. Wo Bruck durchweg den guten Cop spielte, leuchtete Longs Stern konsequent ins Dunkel der Nacht hinein. Mit seiner galligen Abrechnungsballade "Kill Someone" droht er dem Feinde Gewalt an. Über seine Jugendliebe spottet er nassforsch. Gerade ist Long dreißig Jahre alt geworden. Das scheint an dem gebürtigen Nordengländer noch zu nagen. Obgleich die Briten, angeführt von Ed Sheeran, derzeit Weltmacht unter den Liedermachern sind, orientiert sich Long lieber an abgründigen Cowboys wie Johnny Cash. Den Zuhörern machte er ein Angebot: "Dort drüben liegt mein neues Album. Ihr könnt es stehlen, kaufen oder wir zocken darum." Zum Finale stimmte er mutig die Britpop-Hymne "Don't Look Back in Anger" an.

Long, der melancholische Entertainer, gewann damit jedoch Jubelstürme. Anderthalb Stunden lang ließ er sein Herz aus offener Wunde bluten.

Danach ist sein Hemd durchgeschwitzt, das Publikum glücklich und die Luft im Rio's, wo der Puls im Rhythmus der Musik schlägt, um zehn Grad wärmer.

Quelle: RP
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