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Kreis Mettmann
Brandschutz: Banger Blick hinter die Fassade

Kreis Mettmann: Brandschutz: Banger Blick hinter die Fassade
Die Erkrather Hochhäuser - wie hier auf dem Bild in Hochdahl - sind sicher, so die Bauaufsicht. FOTO: Stephan Köhlen
Kreis Mettmann. Nach der Londoner Feuerkatastrophe und Wuppertals Zwangsevakuierung stehen Hochhäuser auf dem Prüfstand. Von Dirk Neubauer

Wie brandgefährlich sind Hochhausfassaden? Nach der Feuerkatastrophe mit 79 Toten am Grenfell Tower in London und der Zwangsevakuierung eines 60 Jahre alten Wuppertaler Hochhauses rotieren in allen Städten des Kreises die Baufsichtsbehörden.

Besonders unübersichtlich ist die Lage in Erkrath, dessen östlicher Stadtteil Hochdahl zu einem hohen Anteil aus Hochhäusern besteht, die ebenfalls zum Teil in die Jahre gekommen sind. Dort wird sich der Stadtrat am 14. Juli mit dem Fassadenthema befassen. In Mettmann identifizierte die Stadtverwaltung fünf Hochhäuser mit mehr als 22 Metern Dachhöhe in privater Hand: am Goldberg, Teichstraße, Breslauerstraße und das Albahaus. Dort fordert die Stadt die Hauseigentümer auf, den Brandschutz der Fassade gutachterlich überprüfen zu lassen. Binnen vier Wochen soll dem Rathaus eine Mitteilung über das Gefahrenpotenzial gemacht werden.

Video: Dämmung wie im Grenfell Tower: Hochhaus in Wuppertal evakuiert

In Wülfrath fanden sich beim städtischen Nachzählen vier Wohnbauten mit mehr als 22 Metern Höhe. Zwei weitere hohe Häuser sind exakt 22 Meter hoch. Hier wollen die Verantwortlichen der Stadt kein Risiko eingehen und nachmessen lassen. Die Stadt teilt mit: "In Abstimmung mit der Bauaufsicht ist durch den vorbeugenden Brandschutz der Feuerwehr eine kurzfristige Begutachtung der infrage kommenden Gebäudefassaden beauftragt worden. Bisher liegen der Stadt keine Anhaltspunkte für eine konkrete, akute Gefährdung von Objekten aufgrund der Fassadenkonstruktion vor. Verstöße gegen Brandschutzauflagen der Bauaufsicht sind derzeit ebenfalls nicht bekannt." Ob Bürgermeister, Leiter der Bauaufsicht oder Feuerwehrchef - der erste Satz im Gespräch mit dieser Zeitung galt immer den deutschen Brandschutzauflagen, die um ein Vielfaches strenger seien als die Bestimmung in England.

Ausgerechnet daran malen Bausachverständige wie der Mettmanner Detlef Becker ein Fragezeichen: "Nach meiner persönlichen Beobachtung haben wir uns in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr auf die Wärmedämmung von Fassaden konzentriert. Andere Funktionen standen dahinter zurück." Am Londoner Grenfell Tower waren Aluminium-Verbundplatten mit einem Kern aus Polyethylen montiert. Letzteres ist ein thermoplastischer, bei hohen Temperaturen leicht entflammbarer Kunststoff. Er dürfte in Deutschland nicht an Fassaden eingesetzt werden.

Hochhaus in Wuppertal wegen Brandgefahr evakuiert FOTO: dpa, sab

Die nicht brenn- und entflammbaren Matten aus Mineralwolle sind den Investoren oftmals auch zu teuer. Deshalb haben sich Schaumplatten als Polystyrol zur Fassadendämmung durchgesetzt. Diese Platten können Feuer fangen, wie aus einem Positionspapier des Feuerwehrverbandes hervorgeht. Darin sind mehr als 90 Brandfälle in Deutschland binnen der vergangenen fünf Jahre aufgeführt. Elf Menschen kamen zu Tode, 124 wurden verletzt. Der Leiter der Erkrather Bauaufsicht, Helmuth Henschel, mag nicht ausschließen, das Polystyrol zur Wärmedämmung an Erkrather Hochhäuser eingesetzt wird. Es handele sich um einen zugelassenen Baustoff. "Wir kontrollieren alle drei bis fünf Jahre mit der Feuerwehr. Wenn wir Mängel feststellen sollten, werden diese kurzfristig beseitigt." Die Erkrather Hochhäuser seien sicher.

Quelle: RP
 
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