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Erkrath
Bürger gegen Moschee
Erkrath: Bürger gegen Moschee
Der Marokkanische Familien- und Kulturverein trifft sich am Sandheider Platz in diesem Haus. Der Raum für Gebet und Begegnung ist angemietet. Aus finanziellen Gründen möchte der Verein das Haus gerne erwerben. FOTO: RPO
Düsseldorf. Anonyme E-Mail an Erkrather Ratspolitiker enthält Befürchtungen über Entwicklungen in Hochdahl-Sandheide. Der Marokkanische Familien- und Kulturverein möchte das Haus mit den bislang gemieteten Räumen kaufen. Von Monika Spanier

Ein anonymer Brief, der per E-Mail an Erkrather Ratspolitiker versandt wurde, sorgt für Irritation in der Stadt Erkrath. „Bürger gegen eine Moschee“ machen darin auf ihre Sorgen und Ängste aufmerksam. Ihrem Widerstand liegen Befürchtungen zugrunde, im Hochdahler Ortsteil Sandheide, in dem bereits viele Ausländer wohnen, werde eine Moschee mit Gebetsräumen für Männer sowie für Frauen und Kinder geplant. Der Protest richtet sich weiterhin gegen die Integration einer Koranschule und eines moslemischen Kindergartens in diese Moschee.

„Eine kluge Stadtentwicklung muss verhindern, dass in schwierigen Stadtteilen Parallelgesellschaften entstehen oder sich verfestigen“, heißt es. 150 Unterschriften sollen bislang zur Verhinderung einer Moschee in Sandheide gesammelt worden sein.

Gebetsraum seit 1998

Seit 1998 unterhält der Marokkanische Familien- und Kulturverein einen Gebets- und Versammlungsraum am Hans-Sachs-Weg 9, zu dem in den letzten Jahren ein kleiner Raum in einer angrenzenden ehemaligen Reinigung für die Frauen hinzugekommen ist. Vorsitzender Mimoun El Makaddem erklärte gestern: „Wir planen keine Moschee. Wir wollen das Haus kaufen, weil wir keine Miete mehr zahlen wollen.“ Der Verein mit etwa 130 Familien und heranwachsenden Jugendlichen werde größer. Das stelle Ansprüche an das Freizeitangebot. Es sei aber weder eine Moschee noch eine Koranschule geplant.

„Wir ärgern uns , denn wir wollen in Frieden leben“, betont El Makaddem. Mohammed Assila, langjähriger Vorsitzender des Ausländerbeirates und Lehrer für muttersprachlichen Unterricht an Erkrather Schulen, hat kürzlich an einer Versammlung des Kulturvereins teilgenommen, in der es um den Kauf der derzeitig genutzten Räumlichkeiten ging. 2000 Euro Miete im Monat, das sei zu viel. Deshalb seien Gespräche mit dem Eigentümer über den Erwerb des Hauses geführt worden. Auch über Räumlichkeiten am Bahnhof Hochdahl oder in Unterfeldhaus sei diskutiert worden.

„Ich bin selbst sehr irritiert. Der anonyme Brief ist haltlos“, betont Assila. Es wäre besser, die Leute kämen zum Verein und würden dort ihre Ängste ansprechen. „Ein Gebetsraum wird nicht schaden. Eine Moschee kann Sandheide aber nicht verkraften“, betont er. Eine solche Planung müsste außerdem zuvor in ihren Zielen abgestimmt und mit der Stadt Erkrath abgesprochen werden. „Da muss die Stadt einen Fuß drin haben.“

Nach Auskunft des Technischen Dezernenten Klaus-Dieter Holst liegt bei der Stadt Erkrath bislang kein Bauantrag im Zusammenhang mit dem Ausbau einer Moschee in Sandheide vor.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Jöbges, der die E-Mail der besorgten Bürger gelesen hat, wundert sich, „dass eine gewisse Stimmung aufkommt“. Damit meint er Formulierungen aus der Liste der anonym geäußerten Besorgnisse. Definitiv sei über das Thema Moschee in keinem der Ratsgremien beraten worden. Jöbges fordert die anonymen E-Mailschreiber auf, sich zu erkennen zu geben und an die zuständigen Stellen zu wenden.

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Quelle: RP
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