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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Clan-Krieg: Jeder sagt was, aber keiner weiß was

Mettmann. Zwei Tage nach der Schlägerei in der Sandheide hagelt es Hasskommentare im Internet.

"Das ist noch nicht vorbei, die werden sich weiter prügeln". "Alle direkt abschieben oder im Steinbruch arbeiten lassen". "Dreckspresse, ihr schreibt doch nur Lügen" - zwei Tage nach der Massenschlägerei vor einem Lokal in der Sandheide diskutieren die Bürger auf RP-Online und in sozialen Netzwerken über die gewalttätigen Auseinandersetzungen, an der zwei libanesische Großfamilien beteiligt waren.

Eine dieser Familien hat offenbar Sympathisanten der Rockergruppe Hells Angels in ihren Reihen. Der Erkrather Bürgermeister Christoph Schultz sagt, Nachbarn, Vermieter und Behörden seien gefordert, mit Wachsamkeit einer weiteren Festigung krimineller Strukturen entgegenzutreten. Doch gleichzeitig räumt er ein, dass Vermieter oder Verkäufer in der Sandheide bei ihren Geschäftspartnern wohl nicht besonders wählerisch waren.

Man könne den Leuten nur "vor die Stirn schauen, zumal dabei auch oft Strohleute eingesetzt werden", sagt Schultz. Das kann man so stehen lassen. Ob es mit Wachsamkeit getan ist? Anwohner der Sandheide berichten in einem TV-Interview, dass sie Angst haben, abends auf die Straße zu gehen. Die Rede ist von mehr oder weniger offen ausgesprochen Drohungen, die von Mitgliedern der beteiligten Familien ausgehen sollen. Angeblich soll ein Auto gebrannt haben, weil man nicht auf Forderungen eingegangen ist.

Weil seit Facebook offenbar viele Leute jede Hemmung verloren haben, wird eine Frau, die in dem Fernsehinterview zu Wort kommt, auf das Übelste beschimpft. Dann gibt es noch die ganz Schlauen, die wirklich zu wissen glauben, was passiert ist. Die schreiben dann, dass alle keine Ahnung haben, und besser "den Mund halten sollten". Mehr bekommen diese Leute selbst aber auch nicht hin. Erstaunlich bei all diesen Kommentaren ist, dass niemand seine Identität verschleiert, sondern unter vollem Namen postet. Ein Phänomen, das jetzt seit wenigen Jahren um sich greift: Übelste Beleidigungen gelten jetzt als freie Meinungsäußerung? Stammtischparolen werden ernsthaft diskutiert? Einschüchtern lassen sollte man sich davon nicht.

oliver.wiegand@rheinische-post.de

Quelle: RP
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