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Kreis Mettmann
Das Notarztsystem macht 420.000 Euro plus

Kreis Mettmann. 2014 gab es mehr Einsätze als bei der Kalkulation angenommen, erläutert Kreis-Dezernent Nils Hanheide. Von On Christoph Schmidt

Mindestens einmal pro Stunde ist - rein rechnerisch - in einer der zehn Städte des Kreises Mettmann ein Notarzt im Einsatz - Tag und Nacht, Sommer wie Winter. Jeder Einsatz rettet Leben, kostet aber auch Geld. Wie viel genau, weiß Rechts- und Ordnungsdezernent Nils Hanheide vom Kreis Mettmann: ein Notarzt zur Erstversorgung oder zur Begleitung eines Patienten jeweils 323 Euro, der Einsatz des Notarztfahrzeugs kostet weitere 212 Euro. Diese Kosten übernehmen in der Regel die Krankenkassen. Gut 5,147 Millionen Euro hat der Kreis Mettmann im vergangenen Jahr für das flächendeckende Notarztsystem aufgewendet - und dabei einen Überschuss von knapp 420.000 Euro erzielt.

Wie das? "Weil es im vergangenen Jahr tatsächlich mehr Einsätze gab als bei der Kalkulation angenommen", klärt Hanheide auf. Statt 9.800 Mal wie in 2013 mussten die Notärzte im vergangenen Jahr 10.330 Mal ausrücken. Für mehr Einsätze müssen die Krankenkassen auch mehr zahlen: So ergab sich das Plus, trotz erheblicher Mehrkosten (+1,4 Millionen Euro), etwa wegen Gehaltssteigerungen. Besonders erfreulich und kostensparend: Die Zahl der Fehleinsätze ist in den vergangenen acht Jahren von 1.640 (2006) auf 423 (2014) zurückgegangen. An jedem Fehleinsatz muss sich der Kreis prozentual beteiligen.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Der Kreis verdient mit dem Notarzt-System kein Geld. Im Gegenteil: Es wurde investiert, etwa in neue Notarzt-Fahrzeuge mit moderner Medizintechnik. Die fünf Fahrzeuge für die Notarzt-Standorte Hilden, Langenfeld, Mettmann, Ratingen und Velbert kosten pro Stück rund 140.000 Euro und wurden nicht gekauft, sondern geleast, erläutert Hanheide: "Das hat den Vorteil, dass im Fall des Falles sehr schnell Ersatz beschafft werden kann." Mit an Bord: Ein Überwachungsmonitor, der die Diagnose verbessert. Oder Ein Reanimationsgerät, das eine konstante Herzdruckmassage ermöglicht und dem bei der Wiederbelebung nicht die Puste ausgehen kann.

An den Standorten Hilden, Langenfeld und Velbert stellt die private "Notarztbörse" mit Sitz in Schleswig-Holstein seit 2014 die Notärzte. Das Unternehmen gewann eine europaweite Ausschreibung.

Davor stellten Ärzte aus den Kliniken vor Ort die Notfallmediziner. Beim ihm verdienten die Notfallärzte deutlich besser als die Krankenhaus-Mediziner, erläutert Dr. Andre Kröncke, ärztlicher Leiter der Notarztbörse. Wichtiger Unterschied: Während die Notärzte in den Krankenhäusern aus der Bereitschaft geholt werden, stehen sie bei der Notarztbörse während der Arbeitszeit vollständig zur Verfügung: "Die Kollegen verbringen ihren Tag mit der Rettungsmannschaft und fahren gemeinsam zum Einsatz. Da wächst man auch entsprechend zusammen."

Die Verträge mit der Notarztbörse laufen bis 2018. Für Mettmann hat bislang das Evangelische Krankenhaus die Notärzte gestellt. Der Vertrag wurde neu ausgeschrieben. Wer den Zuschlag bekommt, entscheidet der Kreisausschuss am 21. September - nichtöffentlich.

Quelle: RP
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