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Rp-Serie Kuriose Orte (6)
Das versunkene Boot vom Baggersee

Mettmann. Auf einem Damm am Langenfelder Wasserki-See steht ein rostiges Boot. Dies ist die Geschichte von seinem Untergang und seiner Bergung. Von Sabine Schmitt

Langenfeld Es passierte in einer Sommernacht. Das Boot, ein Aalschocker von der Mosel, es war gerade frisch renoviert. Geschliffen und gestrichen. Und es war gerade erst an einen neuen Platz gezogen. Vom ersten Baggersee an der Langenfelder Wasserski-Anlage an den zweiten. Dafür war sogar der Damm zwischen den beiden Seen geöffnet worden. Doch dabei muss etwas schief gelaufen sein. Denn an seinem neuen Platz, da lag der Aalschocker von der Mosel nicht lang. An einem Morgen, als die Sonne aufging, war er verschwunden.

Gut 20 Jahre ist das jetzt her. Johannes Sühs, der Wasserski-Betreiber wird diesen Morgen nicht vergessen. "Das Boot, das war einfach weg", erinnert er sich. "Mussten wir suchen." Doch so ein tonnenschwerer Stahlkoloss, der kann nicht einfach so verschwinden. Untergehen allerdings schon.

"Vermutlich ist beim Rüberschleppen von einem See in den anderen unten am Boot etwas kaputt gegangen, dann ist es voll Wasser gelaufen und untergegangen", sagt Süß. Ja, und dann? Da unter Wasser lag es dann viele Jahre. Die Karpfen schwammen ein und aus, die Zebramuscheln saugten sich an den Wänden fest, und die Enten, die schwammen oben drüber. So ging das. Bis vor zwei Jahren. Dann kam ein riesiger Kran und zog das Boot wieder raus - und das war gar nicht so leicht. "Wir hatten mit 16 Tonnen gerechnet, tatsächlich aber war das Wrack fast dreimal so schwer: 44 Tonnen", sagt Süß. Gut, dass er einen 200-Tonnen-Kran für die Aktion bestellt hatte.

Seit der Bergung steht es jetzt auf dem Damm zwischen den beiden Baggerseen. Es ist der Damm, der einst geöffnet wurde, bevor es versank. Viele Leute gehen täglich an dem alten Kahn vorbei, manche legen ihre Handtücher direkt daneben und suchen in seinem Schatten Schutz vor der Sommersonne. Dabei wundert sich so mancher über das rostige 16 Meter lange Ding. So mancher macht auf einfach mal ein Foto. Charme hat es, und irgendwie auch was vom Fluch der Karibik, von einem Geisterschiff. Und wenn der Himmel blau ist, sieht der Stahl, der vor Rost ganz rot geworden ist, besonders schön aus.

Was macht man mit so einem Ding, außer es da stehenzulassen? "Da haben wir erst gestern noch drüber gesprochen", sagt Sühs. Er und seine Söhne haben immer viele Ideen für ihr Wasserski-Gelände. Doch die passende für den rostigen Kahn, die hatten sie noch nicht. Sühs hat sogar schon mit Udo Rumpf gesprochen. Der Leverkusener Künstler ist für seine Rost-Objekte bekannt. Werke von ihm kann man im Kölner Skulpturen-Biergarten Odonien anschauen, auf einem Kreisverkehr an der Baumberger Chaussee in Monheim stehen Dinos von ihm, der kleinere allerdings wird gerade restauriert. Rumpf sagt, er würde eine Theke aus dem Boot machen. Ja, das sei auch eine gute Idee gewesen, sagt Sühs. Als das Restaurant am Wasserski dann umgebaut und zum Seehaus wurde, hatten sich Sühs und seine Söhne aber schon etwas anderes überlegt: eine Theke aus alten Stegbrettern, und auch das ist schick.

Das alte Boot, das der Wasserski-Clubs Langenfeld 1980 mal für gut 10.000 Mark gekauft hatte und das dann per Tieflader und mit Polizeibegleitung von der Mosel (Koblenz-Güls) nach Langenfeld-Berghausen kam, es könnte jetzt zum Beispiel eine Bar werden. Irgendwas Partytaugliches, das würde auf jeden Fall passen. Denn bevor das Boot unterging, feierten die Mitglieder des Wasserski-Clubs darauf in den 80er und 90er Jahren wilde Partys.

Und wenn jemand beim Vorbeilaufen eine gute Idee hat, was man mit dem rostigen Kahn machen kann? "Dann gerne her damit", sagt Sühs. Er könne sich sogar ein Preisauschreiben für die beste Idee zur Nutzung vorstellen. Zur Besichtigung stehe das Boot jeder Zeit frei. Ist da nicht Betreten verboten? "Ach", sagt Sühs. Mit Verboten, das sei so eine Sache. "Wir appellieren lieber an die Vernunft." Das Boot habe scharfe Kanten, man müsse da schon vorsichtig sein. Auch sollte man da nicht alleine reinklettern.

Quelle: RP
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