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Mettmann
Den Einstieg in den Beruf wiederfinden

Mettmann: Den Einstieg in den Beruf wiederfinden
Barbara Engelmann (l.) und Anja Kellermann von der Mettmanner Arbeitsagentur berieten vor Ort in der Kö-Galerie. FOTO: Dietrich Janicki
Mettmann. Zwei Mitarbeiterinnen der Agentur für Arbeit berieten gestern in der Königshof-Galerie zum Wiedereinstieg in den Beruf. Damit wollten sie ganz bewusst den Menschen den Weg in die Behörde ersparen. Von Dominique Schroller

Interessiert schaut sich Petra Keiling die Broschüren an und greift einige aus dem Ständer. "Es ist toll, dass sie hier sind. Denn die Menschen, die noch in Elternzeit sind oder Angehörige pflegen, kommen auch einkaufen", sagt sie zu den beiden Frauen am Stand im Untergeschoss der Kö-Galerie.

Anja Kellermann und ihre Kollegin Barbara Engelmann von der Agentur für Arbeit beraten zwischen Drogerie und Spielwarengeschäft zum Wiedereinstieg in den Beruf. "Wir möchten den Menschen bewusst den Weg in die Behörde ersparen. Sie sollen ganz nebenbei die nötigen Informationen bekommen und mit uns Kontakt aufnehmen", sagt Anja Kellermann. Sie hofft, über das Projekt "Erfolgsfaktor Wiedereinstieg", das sie seit März kreisweit betreut, Fachkräfte zu ermutigen, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. "Wir haben da die sogenannte stille Reserve im Auge. Das sind im Kreis Mettmann rund drei Prozent der Bevölkerung, die zwar noch nicht aktiv eine Stelle suchen, aber bereits mit dem Gedanken gespielt haben, wieder eine Berufstätigkeit aufzunehmen."

Viele scheuten sich davor, den Stempel arbeitslos zu tragen, seien für eine konkrete Unterstützung jedoch dankbar, berichtet Barbara Engelmann. Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt weiß, wie wichtig es ist, ihnen entgegenzukommen. "In anderen Städten hat das Projekt bereits gezeigt, dass 80 Prozent derjenigen, die zum Stand gekommen sind, eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium haben. Da schlummert also großes Potenzial." Gerade in der Gesundheitsbranche blieben derzeit viele Stellen unbesetzt.

"Wir können den Menschen Wege aufzeigen, die ihnen oft selbst nicht bewusst sind. Wir schauen uns mit ihnen gemeinsam ihre Bewerbungsunterlagen an und finanzieren bei Bedarf auch eine Weiterbildung", betont Anja Kellermann. Sie steht gleichzeitig mit ihrem Gesicht für die Kampagne. "Das ist eher ungewöhnlich", sagt sie mit Blick auf die Postkarten mit ihrem Foto. "Doch ich möchte, dass die Leute wissen, mit wem sie es zu tun haben, wenn sie bei mir anrufen." Im Gegensatz zu den Beratern im Amt nimmt sie sich für jeden Klienten Zeit. "Das wissen die meisten auch sehr zu schätzen und kommen oft zu einem Folgegespräch wieder."

So wie die Grafikdesignerin, die nach ihrer Elternzeit einen Einstieg sucht. "Der Beruf ist grundsätzlich gefragt, besonders, wenn die Bewerber Print- und Digitalbereich gleichermaßen beherrschen", sagt Anja Kellermann. Sie hat der Mettmannerin empfohlen, mal nach konkreten Stellen zu schauen und die Anforderungen mit ihrem eigenen Profil zu vergleichen. "Wenn da noch Lücken sind, können wir im nächsten Gespräch über eine weitere Qualifizierung nachdenken."

Eine solche Hilfestellung hätte sich Petra Keiling nach ihrer Familienphase auch gewünscht. "Bei mir war es etwas einfacher, weil ich zu meinem Arbeitgeber zurückkonnte, doch je länger man raus ist, desto schwieriger ist es." Sie sieht jedoch auch die Arbeitgeber in der Pflicht. "Wir haben gut ausgebildete Frauen, aber wenig Unternehmen, die bereit sind, Stellen zu teilen."

Quelle: RP
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