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Mettmann
Der Mann, der Schülern zuhört

Mettmann: Der Mann, der Schülern zuhört
In der Carl-Fuhlrott-Realschule in Mettmann können die Schüler mit dem Psychologen Robert Kleinevoss über ihre Sorgen und Ängste sprechen. FOTO: Michael Nacke
Mettmann. Dr. Robert Kleinevoss ist der einzige Psychologe in der Mettmanner Schullandschaft. Seine Sprechstunden an der Carl-Fuhlrott-Realschule sind gut besucht. Die verantwortungsvolle Aufgabe übt er ehrenamtlich aus. Von Isabel Klaas

Meist kommen sie zu dritt oder zu viert, stehen noch ein bisschen schüchtern auf der Türschwelle von Dr. Robert Kleinevoss in der Carl-Fuhlrott-Realschule. Dann weiß der Psychologe, den Kindern brennt etwas auf den Nägeln. Manchmal ist es nur Liebeskummer, der am Lernen hindert.

Manchmal sind es aber auch Schmerz und Trauer über die Trennung der Eltern, Mobbing in der Schule oder im Internet. Manchmal fehlt einfach nur ein Mensch, der sich die Probleme Pubertierender anhört, denn die alleinerziehende Mutter hat wenig Zeit oder die berufstätigen Eltern sind zu gestresst. "In Einzelfällen sind es auch schwerwiegende psychische oder familiäre Probleme", sagt Robert Kleinevoss.

Helfen statt Golfen

Seit knapp einem Jahr hört er sich die kleinen und großen Sorgen und Nöte der Schüler an, berät oder vermittelt in eine Therapie, wenn er das für nötig hält. All das tut der Ratinger, der früher als psychologischer Unternehmensberater tätig war, ehrenamtlich, unterstützt vom Psychologischen Dienst der Stadt Mettmann. 60 Kinder und Erwachsene haben seit März das Gespräch mit Kleinevoss gesucht.

Die Tendenz ist steigend, sagt Silvia Witjes, Leiterin des Psychologischen Dienstes. Schulleiterin Christiane Bethke ist froh, schnell zugegriffen zu haben, als ihr das Angebot über Silvia Witjes gemacht wurde, einen ehrenamtlichen Schulpsychologen einzustellen. "Der Bedarf ist da", sagt sie mit Nachdruck, "für Schüler und Kinder ist es einfacher, sich im gewohnten sozialen Umfeld Rat zu holen, als eine behördliche Beratungsstelle aufzusuchen."

Nachdem Robert Kleinevoss sich in den Klassen vorgestellt hat und die Eltern über sein Angebot informiert wurden, kommen die Ratsuchenden ohne Scheu, sagt Bethke. Für das Gespräch nimmt sich der Psychologe manchmal bis zu eineinhalb Stunden Zeit. Wenn ein Problem besonders drängt, schaut er nicht auf die Uhr. "Das können Lehrer gar nicht leisten", erklärt Silvia Witjes.

Der engagierte Ruheständler, der acht Stunden Dauerfreizeit "nicht nur mit Keller aufräumen und Golf spielen verbringen will", ist für Witjes, selbst Psychologin, der absolute Glücksfall, "weil er diesen Berufshintergrund hat", sagt sie. Dass die übrige Mettmanner Schullandschaft nicht auf einen solchen Glücksfall hoffen darf, weiß sie.

Deshalb appelliert sie an Politiker und Stadt, stundenweise Psychologen an Schulen zu etablieren. "Wir können damit größere Probleme verhindern", sagt sie, "zum Beispiel Leistungsabfall und Schulverweigerung, aber auch eine pathologische Entwicklung von Kindern oder im Familiengefüge. Wenn wir früh ansetzen, sparen wir später den Einsatz teurer Jugendhilfemaßnahmen."

"Wir wollen nicht nur Wissen vermitteln. Wir wollen auch erfahren, was Kinder daran hindert, Leistung zu erbringen", sagt Bethke. In Ausnahmefällen, wenn das Problem besonders drückt, dürfen die Schüler sogar während der Schulstunde den Psychologen aufsuchen.

"Natürlich nicht, wenn eine Mathearbeit ansteht", sagt Kleinevoss. Auch Mütter und Väter nehmen das Angebot der Beratung in der Realschule wahr. "Und immer sagen sie nachher, das Gespräch habe ihnen gut getan", sagt Kleinevoss.

Quelle: RP
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