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Mettmann
Die Altersarmut im Kreis steigt

Mettmann. 65 Prozent mehr Rentner als noch vor zehn Jahren sind auf Grundsicherung angewiesen. Das so genannte "Alters-Hartz IV" wird im Kreis Mettmann an 3792 Menschen bezahlt. "Ein sozialpolitisches Armutszeugnis", sagt die NGG. Von Oliver Wiegand

Jedes Jahr schickt die Deutsche Rentenversicherung an alle Arbeitnehmer einen Brief. Darin erfährt jeder, wie viel Rente er ungefähr bekommt. Viele rechnen nach: Wird das zum Leben reichen? Kann ich davon Miete, Strom, Heizung, Versicherungen und das Auto noch bezahlen? Urlaubsreise? Oder ein Geschenk für die Enkel?

Bei manchen reicht die Rente vorne und hinten nicht mehr. Sie müssen die so genannte "Grundsicherung" beantragen, um auch im Alter über irgendwie über die Runden zu kommen. Ausgegangen wird dabei vom durchschnittlichen Nettobedarf pro Person. Der hat sich im Jahr 2015 um 2,6 Prozent auf 466 Euro erhöht. Wer weniger zur Verfügung hat, kann die Grundsicherung beantragen.

In den zehn Städten des Kreises Mettmann gibt es immer mehr Rentner, die von sogenannter Altersarmut betroffen sind und deshalb die Grundsicherung beantragen müssen. Das Statistische Landesamtes (IT.NRW) hat vor kurzem die neuesten Zahlen vorgelegt. Demnach erhalten 5705 Bürger im Kreis Mettmann Grundsicherung. Davon sind 3792 Menschen bereits über 65 Jahre alt. Bei den übrigen ist es die Erwerbsminderungsrente, die nicht zum Leben ausreicht.

"Die Zahlen sind erschreckend", sagt Torsten Gebehart, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss- und Gasstätten (NGG). Allein im Kreis Mettmann habe es bei der Beantragung von Grundsicherung in den vergangenen Jahren einen Anstieg von 65 Prozent gegeben. "Innerhalb von zehn Jahren sind im Kreis Mettmann rund 2240 Menschen hinzugekommen, die ihre Rente mit Hilfe des Staats aufbessern müssen", sagt Gebehart.

Es sei ein "sozialpolitisches Armutszeugnis", wenn selbst immer mehr Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hätten, der Gang zum Sozialamt nicht erspart bleibe, so der Gewerkschaftler. Aus Sicht der Gewerkschaft ist die Lösung naheliegend: "Zu den wichtigsten Mitteln gegen Altersarmut gehören vor allem faire Löhne. Hier sind die Arbeitgeber im Kreis Mettmann gefordert", sagt Gebehart. Die Arbeitgeber sollten sich an Tarifverträge halten, statt Löhne durch prekäre Jobs zu drücken. Zudem müsse der gesetzliche Mindestlohn kräftig angehoben werden. Erst dann könne man Altersarmut auch im Niedriglohnbereich verhindern. Die Gründe für die Altersarmut sind vielschichtig. Viele der Betroffenen sind Frauen, die sich früher um die Kindererziehung gekümmert haben und nicht in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Genau so betroffen sind Menschen, die aufgrund einer schweren Krankheit oder aus vielfältigen anderen Gründen länger arbeitslos waren. Stark gefährdet von Altersarmut sind auch Menschen, die im Niedriglohn-Sektor arbeiten oder eben von Hartz-IV leben. Für eine private Altersvorsorge bleibt da nichts übrig. Die Städte im Kreis Mettmann müssen sich auf steigende Sozialleistungen im Grundsicherungsbereich einstellen. Zwar gibt der Bund den Städten das Geld für die Grundsicherung zurück. Bearbeitet werden die Anträge in den Kommunen.

Quelle: RP
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