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An(ge-)dacht
Die Letzten werden die Ersten sein

Mettmann. Rechte lassen sich am besten aus Pflichten herleiten. Erfüllen wir sorgsam unsere Pflichten, dann wird es ein Leichtes sein, unsere Rechte respektiert zu sehen. Wenn wir aber gewohnheitsmäßig unsere Pflichten vernachlässigen und gleichzeitig unsere Rechte einfordern, dann fliehen sie uns, wie ein Irrlicht, das immer unerreichbarer wird, je mehr wir es verfolgen" (Mahatma Gandhi).

Diese Worte Gandhis beleuchten die enge Beziehung zwischen Rechten und Pflichten. Sie stellen zwei sich ergänzende Aspekte ethischen Handelns dar. Gerade, wo wir den Tag der Arbeit begehen, sind Arbeitgeber wie Arbeitnehmer darin zu bestärken: Der Gewährung von Rechten entspricht die Erfüllung von Pflichten. Indem wir unseren Pflichten nachkommen, erfüllen wir automatisch die Rechtsansprüche anderer. Diesen Zusammenhang sollten wir als Bürger/innen des Gemeinwesens möglichst nie aus den Augen verlieren. Viele soziale Probleme hier bei uns, aber auch auf der ganzen Welt könnten eher gelöst werden, wenn die beteiligten Personen sich zunächst einmal ihrer Pflichten erinnerten, bevor sie ihre Rechte reklamieren. Gewöhnlich pflegen wir jedoch eher anders herum vorzugehen: Erst einmal fordern wir unsere Rechte ein, und an etwaige Pflichten oder dergleichen denken wir weniger.

Ist uns aber wirklich daran gelegen, dass die Gesellschaft hier und überall gerechter, solidarischer und menschlicher wird, dann sollten wir vorrangig daran denken, unsere Pflichten zu erfüllen, ohne dabei unsere unveräußerbaren Rechte zu vergessen oder aufzugeben. Die Fürsorgepflicht hat die überragende Bedeutung: Wenn sie alle erfüllen, Chefs und Angestellte, Konzernleitungen und Mitarbeiter/innen, Börsenunternehmen und Aktionäre, Verwaltungen und Bürger, gibt es überall einen konstruktiven Dialog und nicht das nervtötende Hauen und Stechen.

Jesu klare Ansage im Namen Gottes: Wer sich rücksichtslos entgegen seiner Fürsorgepflicht durchsetzt und meint, so der Erste zu sein, wird am Ende der Letzte sein. Und wer ausgebeutet und menschenunwürdig zum Letzten gemacht wird, wird am Ende der Erste sein (Mt 19,30). Ob ich meiner Verantwortung gerecht werde?

PFARRER CHRISTOPH BISKUPEK, KATHOLISCHE GEMEINDE ST. FRANZISKUS HOCHDAHL

Quelle: RP
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