| 00.00 Uhr

Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Duell zwischen Stadtwerken und RWE

Mettmann. Wülfrath 2018 läuft der derzeitige Pachtvertrag über das Stromnetz der Stadt mit dem Energiekonzern RWE aus. Bis dahin müssen Unternehmen Abgaben an RWE zahlen, wenn sie ihre Kunden über das Netz mit Strom versorgen wollen. Das ist eine gute und dauerhaft sichere Einnahmequelle. Deshalb ist die Entscheidung, wer in zwei Jahren das Wülfrather Stromnetz für wohl 20 Jahre managen wird, nicht nur wichtig für die Bürger. Sie ist ebenso wichtig für das Unternehmen, das den Zuschlag erhält. Es kann dauerhaft mit guten Gewinnaussichten rechnen.

Seit einem Jahr arbeitet eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Verwaltung und Politik an einem Kriterienkatalog. Darin haben sie aufgelistet, was der Stadt bei einer Vergabe - an wen auch immer - wichtig ist. Zwei Unternehmen haben ihre Absicht bekundet, ins Stromnetz einzusteigen: die städtische Tochter Stadtwerke und RWE. Bald werden beide so genannte "indikative Angebote" abgegeben, also konkrete Bewerbungen mit Zahlen, Fakten und Daten. Anschließen werden sich Bietergespräche, im März 2017 wird der Rat über die Vergabe entscheiden, schätzt der 1. Beigeordnete Rainer Ritsche.

Die Modelle: Ein Fremdunternehmen übernimmt die Konzession komplett und bietet alles aus einer Hand an. Also so, wie es in den vergangenen zehn Jahre durch RWE gehandhabt wurde. Oder aber die Stadtwerke steigen ein, höchstwahrscheinlich mit einem Partner wie dem Kreisversorger Neander-Energie, an denen die Wülfrather beteiligt sind. Möglich ist theoretisch eine Partnerschaft mit einem Fremdunternehmen wie RWE. Das müssen die Verhandlungen zeigen, denn Wülfrath möchte in dem Stromdeal möglichst viele Vorteile festzurren beziehungsweise als Stadt möglichst großen Einfluss gewinnen. Kein Wunder also, dass es in der Politik Kräfte gibt, die in eine so genannte Rekommunalisierung streben. Denn: Wer die Energieversorgung vor Ort in der Hand habt, kann selbst mitentscheiden über Strategien, Preise und Service-Leistungen.

In Wülfraths Politik werben einige dafür, dass die Stadtwerke als Stromnetzbetreiber am Ende überzeugen. Klar positioniert hat sich die SPD. Für sie ist es ein Schritt der Rekommunalisierung. "Wir werden dafür werben, dass sich die Stadtwerke um die neue Konzession bewerben werden", sagt SPD-Fraktionschef Manfred Hoffmann. Mit einer solchen Konzession habe man eine Möglichkeit, im schwierigen Strommarkt Geld zu verdienen. Der alleinige Verkauf von Strom, egal ob bei den Stadtwerken oder als Beteiligung bei Neanderenergie, sei sehr konjunkturabhängig und unterliege großen Schwankungen. Außerdem sei der Strommarkt hart umkämpft und biete kaum noch Chancen auf ordentliche Margen. Mit dem Stromnetz sei aber dauerhaft und verlässlich Geld zu verdienen, sagt Hoffmann. Auch die Wülfrather Gruppe (WG) will in diese Richtung. "Wenn es sich rechnet, befürworten wir einen kommunalen Träger", sagt Fraktionschef Wolfgang Peetz. Dazu gesellt sich die Linke: "Wenn's machbar ist, sollte sich die Stadt den Einfluss sichern", sagt Sprecherin Ilona Küchler. Auch die Grünen um Stephan Mrstik stehen einer kommunalen Lösung offen gegenüber.

Einzig die CDU will noch beraten und die Diskussionen in der Partei abwarten, bevor man sich entscheidet: Kommune oder Fremdfirma oder Misch-Modell.

Für Hans-Peter Altmann (FDP) ist klar: "Ich bin für ein offenes Verfahren und ein Unternehmen", sagt er. Er sieht aber auch einen anderen Aspekt. "RWE sponsert viele Vereine in Wülfrath, unter anderem auch den Herzog-Wilhelm-Markt. Das würde eventuell wegfallen, wenn RWE nicht mehr Stromnetzkonzessionär wäre", sagt Altmann.

Schon jetzt ist zu beobachten, dass RWE in den vergangenen Monaten immer wieder gerne auf Presseterminen sein Sponsoring darstellt. Neue E-Bike-Stationen, Elektro-Tankstellen, Laterne für die Lindenschule, Generationenspielplatz In den Banden, Schulstaffellauf, Klimapreis für Parkschule, iPads für das Gymnasium - die Liste ist lang.

RWE hatte das Stromnetz 1998 für zwei Jahrzehnte gepachtet. Die Konzession muss nun neu ausgeschrieben werden. Da müsse genau und korrekt gearbeitet werden, sind sich alle einig. Da könne man Fehler machen, die vermeidbar sind. Mettmann lässt grüßen. Die Nachbarstadt hatte versucht, Stadtwerke zu gründen und scheiterte kläglich vor den EU-Gerichten. Allein der Prozess hat die Mettmanner 500 000 Euro gekostet. UWE REIMANN

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt: Duell zwischen Stadtwerken und RWE


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.