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Mettmann
Ein Summstein will nach Mettmann

Mettmann: Ein Summstein will nach Mettmann
FOTO: Matzerath, Ralph
Mettmann. Der Documenta-Künstler Felix Droese würde gerne ein Kunstwerk vor dem neuen Kunsthaus aufstellen. Von Sabine Maguire

Es waren einmal ein Humanist und ein Architekt. Der eine, in Mettmann geboren, avancierte jenseits der Stadtmauern zum Prinzenerzieher und zum Autor eines vielbeachteten landwirtschaftlichen Frühwerks. Der andere baute Jahrhunderte später am Dorfanger ein Handwerkerhaus für eine sich selbst und anderen zugewandte Hofgemeinschaft - quasi als Gegenentwurf zu einer von Habenwollen und Konsumkultur geprägten Gesellschaft.

Eigentlich wäre die Geschichte damit schon zu Ende erzählt. Denn bislang gibt es nichts, was jenseits des örtlichen Gymnasiums an Konrad Heresbach erinnert. Keine Straße, kein Stadtmarketing und vor allem nichts im Wirken einer Stadt, die einen ihrer größten Söhne nahezu vergessen zu haben scheint. Genauso wenig weiß man, dass der renommierte Architekt und "Summsteinerfinder" Hugo Kükelhaus mit dem Hausbau am Dorfanger große Visionen lebendig werden ließ. Seine Summsteine stehen längst überall - nur nicht in Mettmann. Zumindest bislang - denn nun gibt es einen solchen Kükelhaus-Stein im Diepensiepen, im Garten des Documenta-Künstlers Felix Droese. Und wenn es nach dem Beuysschüler geht, darf der Stein gerne auch näher an die Stadt heranrücken, um vielleicht irgendwann vor dem Kunsthaus oder am Königshof einen angemessenen Standort zu finden.

Bürokratische Regelungen, kommunalpolitischen Hürden und geschäftige Bedenkenträger: Droese weiß nur allzu gut, wie so etwas üblicherweise läuft und unterliegt keineswegs der Illusion, dass es damit schnell gehen könnte. Die Hoffnung zu verlieren, kommt einem unangepassten Macher wie ihm dennoch nicht in den Sinn. Aus seiner Sicht sollte Kreativität das Atelier verlassen können, ohne sich von Hindernissen ausbremsen zu lassen.

Darum geht der Künstler jetzt andere Wege - und die führen ihn dorthin, wo hoffentlich Visionäre sitzen, die Dinge einfach anpacken. Da wäre zum einen der Autohändlern Michael Fröhlich, der seine Oldtimer gern auch schon mal öffentlichkeitswirksam verrotten lässt. Aus der Sicht des Künstlers eine Hommage an Heresbach, weil etwas der technisierten Welt entrissen wird, um es dem natürlichen Verfall zu überlassen. Von einem dieser bemoosten Schrottvehikel hat sich Felix Droese nun zu seinem "hortus botanicus" inspirieren lassen. Den collagierten Siebdruck möchte er an diejenigen verkaufen, die bereit sind, damit das Konrad-Heresbach-Gymnasium zu unterstützen. Und dort wiederum könnte irgendwann ein Lerngarten entstehen, um die in Vergessenheit geratene Gedankenwelt des naturaffinen Humanisten der Vergangenheit zu entreißen. "Zukunft braucht Herkunft. Es genügt nicht, sich auf einen keulenschwingenden Neandertaler zu beschränken" glaubt der Künstler. In der Verantwortung sieht Droese dabei vor allem die regionale Wirtschaft - die sich aus seiner Sicht darauf besinnen sollte, zukunftsweisende Lernformen nicht allein den staatlichen Bildungsministerien zu überlassen.

Und welche Rolle spielt nun eigentlich der Kükelhaus-Summstein im Heresbach-Projekt? Auch darauf hat Felix Droese eine Antwort: "Wer seinen Kopf in das Loch steckt und sich auf sich selbst besinnt, kommt womöglich zu einer inneren Einstellung und Haltung", schlägt der Künstler den Bogen vom Kükelhaus-Stein zum humanistischen Gedankengut Heresbachs. Er selbst könne Kunst - den Rest müssten nun andere machen, um die Geschichte irgendwann weitererzählen zu können.

Quelle: RP
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