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Mettmann
Ein wunderbarer Ort für Kunst in Mettmann

Mettmann. Maria Kanisius-Reuter ist in ihr Atelier an der Freiheitstraße gezogen. Die ehemalige Lehrerin sagt: "Wenn ich male, bin ich frei." Von Sabine Maguire

Es ist ein wunderbarer Ort für Kunst. Ein Atelier mit Hinterhofambiente, im Schatten der Kirche an der Freiheitstraße. Schaut man aus dem Fenster, bleibt der Blick an der gelungenen Architektur des Gemeindehauses hängen. Drinnen gibt es zwei Atelierräume, verbunden durch eine Treppe. Draußen lässt eine opulente Dachterrasse erahnen, was möglich wäre, wenn die Sonne scheint.

In ebendieses Kleinod ist Maria Kanisius-Reuter vor Monaten mit ihrer Staffelei eingezogen. Man kann sich gut vorstellen, wie sie dort - umgeben von den Chansons des großen Charles Aznavour - in ihren Bildern versinkt. Beinahe vier Jahrzehnte ist es her, dass sie zu Farben und Pinseln gegriffen hat. Damals noch als Lehrerin, am Ende ihrer beruflichen Karriere war sie Schulleiterin an der Otfried-Preußler-Schule. Seit der Pensionierung vor drei Jahren hat sie nun vor allem eine Leidenschaft: die Malerei. Seither ist sie beinahe jeden Tag im Atelier, oft stundenlang. "Wenn ich male, bin ich frei", sagt sie.

Inmitten ihrer Bilder hängen an einer Pinwand die zehn Gebote von Otto Pankok. Wegweisungen eines deutschen Malers an diejenigen, die ebenso auf künstlerischen Pfaden wandeln. Ganz obenan: Du sollst den Kitsch riskieren. Ein Appell, dem Maria Kanisius-Reuter nur zustimmen kann. Ein Künstler - getrieben von der Angst, vom Betrachter seiner Werke herabgewürdigt zu werden - könne sich nicht kreativ entfalten. Ebenso hält sie es mit der Pankok´schen Mahnung, keinesfalls für Ausstellungen malen zu wollen. "Kunst muss nicht gefällig sein", plädiert sie für einen ungezwungenen Umgang mit Motiv und Material.

Seit sie ihre Atelierräume in der Freiheitstraße bezogen hat, malt sie jeden Tag. "Bestimmt fünf bis sechs Stunden", wie sie selbst sagt. Die guten Tage sind diejenigen, an denen sich die schon in der Nacht gereiften Ideen mit leichter Hand umsetzen lassen. An schlechten Tagen wird Kunst zur Seelenarbeit - aber auch oder vielleicht gerade das lässt sie gelingen.

Und wann ist das Werk vollendet? Wann weiß sie, dass ebendieser Pinselstrich der letzte sein soll? "Man braucht schon Mut zur Lücke. Aber es kommt immer der Moment, in dem das Bild fertig ist", gibt Maria Kanisius-Reuter einen Einblick in das kreative Ringen mit sich selbst und dem Werk. Manchmal allerdings sei es so, dass sich eines ihrer Bilder gegen die Vollendung sperre. Dann gebe es einen Platz im Keller, an dem es darauf wartet, dass der richtige Moment dennoch irgendwann kommt.

Übrigens gibt es beim bereits zitierten Otto Pankok auch Gebote, denen Maria Kanisius-Reuter heftig widersprechen würde. Da wäre zum einen die Warnung vor einem persönlichen Stil, vor dem man sich hüten solle. "Das sehe ich nicht so. Über die Jahre hinweg bleibt es kaum aus, dass man seine ganz eigene Handschrift entwickelt", glaubt sie.

Auch den Hinweis, sich nicht vom Oeuvre anderer Künstler leiten zu lassen, stellt sie hintan. Dafür folgt sie allzu gern den kreativen Lebensspuren, die Andere hinterlassen haben. Keineswegs, um sie nachzuahmen - sondern, um sich von Leben und Werk inspirieren zu lassen.

Quelle: RP
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