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Mettmann
Eine Hommage an den Dichter Matthias Claudius

Mettmann. Vor 200 Jahren starb Matthias Claudius, Schöpfer des "Abendliedes" ("Der Mond ist aufgegangen"). Für Stadtbibliothek und Volkshochschule ein guter Grund, an den Dichter und Journalisten zu erinnern. Mit Dr. Hans Joachim Buch gewannen sie dafür einen ebenso sachkundigen wie stimmmächtigen Rezitator. Von Oliver Bruhns

Für Hajo Buch, ehemals Direktor des Heinrich-Heine-Gymnasiums, zählt Matthias Claudius (1740-1815) neben dem Namenspatron seiner langjährigen Wirkungsstätte zu den ganz Großen der deutschen Literatur. Der Redakteur des "Wandsbecker Bothen" sei ein frommer Mann gewesen, der für Frömmler allerdings nichts übrig hatte, erläuterte Buch. "Einen Vortrag möchte ich allerdings nicht halten, sondern ihnen aus seinem Werk vorlesen", wandte sich der Literaturkenner an sein aufmerksam lauschendes Publikum - und rezitierte gut gelaunt und mit klangvoll tiefer Stimme gut zwei Stunden lang, was der Pastorensohn Claudius zu Papier gebracht hatte: Großes Gottvertrauen spricht aus seinen Gedichten, ebenso die tiefe, mitunter romantische Liebe zu Familie und Heimat. Oft klingt aber auch Kritik am Zeitgeschehen an, vieles aktuell bis heute, nicht nur sein "Kriegslied", in dem es heißt: "S'ist leider Krieg - und ich begehre / Nicht schuld daran zu sein!" Immer wieder flocht Buch kleine Randbemerkungen ein. Dabei meldete sich auch der promovierte Musikwissenschaftler zu Wort, etwa mit der launigen Anmerkung zu "Der Tod und das Mädchen": "Wer die Kunstlieder der Romantik kennt, weiß vielleicht, dass die Vertonung von Franz Schubert gelungen ist."

Kommentierungen hätte man sich auch zu Claudius' sozialkritischen Gedichten gewünscht, in denen er die Sklaverei verurteilt oder - rhetorisch verbrämt - gerechte und gütige Herrscher fordert. Ohne geschichtliche Einordnung verhallten diese vielleicht etwas zu rasch. Dies allerdings bleibt die einzige Kritik, die sich zu diesem Abend anbringen lässt.

Dr. Hans Joachim Buch gebührt das Verdienst, einen Dichter in Erinnerung gerufen zu haben, der vor mehr als 200 Jahren sein Leben an der Erkenntnis "Es ist leicht, zu verachten; und verstehen ist viel besser" ausgerichtet hat und dabei die Freude an den kleinen Dingen des Lebens nie verlor - etwa über den ersten Zahn eines seiner Kinder, dem er das Gedicht "Viktoria! Viktoria! Der kleine weiße Zahn ist da!" gewidmet hat.

Quelle: RP
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