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Mettmann/Wülfrath
Eine weiße Rose für jeden Drogentoten

Mettmann/Wülfrath: Eine weiße Rose für jeden Drogentoten
Von links: Alexander Lajios, Claire Dosoudil und Jerome Schneider informierten über Drogen und Abhängigkeit. FOTO: dietrich janicki
Mettmann/Wülfrath. Die Suchthilfe der Caritas im Kreis Mettmann erinnerte gestern mit einem Infostand an die Opfer des Drogenkonsums. Von Christoph Zacharias

Ihre Namen sind Lukas, Christopher, Julius und Valerie. Die Mettmanner und Wülfrather starben in jungen Jahren an den Folgen ihres Drogenkonsums. Es war Alkohol oder Heroin, das sie in den Abgrund gerissen hat. Gestern erinnerte die Sucht- und Wohnungslosenhilfe der Caritas auf dem Jubi mit einem Infostand und einer kleinen Gedenkmauer, in die man Rosen mit Namenschilder stecken konnte, an die Menschen, die an den Folgen des Drogenkonsums gestorben sind. 2015 starben vier Menschen in Mettmann und Wülfrath an den unmittelbaren Folgen ihrer Abhängigkeit, im laufenden Jahr sind es aktuell drei Menschen. Im Dunklen bleibt die Zahl derjenigen, die keinen Kontakt zur Suchtberatungsstelle hatten.

Die Zahl der Drogenabhängigen sei in Mettmann und Wülfrath stabil geblieben, sagt Jerome Schneider, zuständiger Streetworker für Mettmann und Wülfrath. Allerdings glitten immer jüngere Menschen in die Szene ab, darunter viele Russlanddeutsche. "Das sind Jugendliche, die wir oft gar nicht kennenlernen. Erst wenn sie aufgefallen sind, beispielsweise Marihuana in der Öffentlichkeit geraucht haben, werden sie uns gemeldet."

Der Weg bis zum sogenannten "Zwangsgespräch" läuft so ab: Die Jugendlichen werden von der Polizei aufgegriffen, meist haben sie einen Ladendiebstahl begangen, um ihren Drogenkonsum zu finanzieren. Dann stehen sie vor Gericht. Die Jugendgerichtshilfe wird eingeschaltet, und der Delinquent bekommt die Auflage, fünf Beratungsgespräche zu besuchen. Schneider leitet das Projekt FreD (Früh-Intervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten). Die Gruppenangebote haben das Ziel, die Eigenverantwortung der jungen Menschen zu stärken, ihre Einstellung und Verhalten zu verändern und die Entwicklung von Abhängigkeit zu verhindern. Zusätzlich vermittelt das Programm Informationen über Cannabis, dessen Wirkungen und Risikopotenziale. "Aber: Oft tauchen die Jugendlichen nach dem ersten Gespräch nicht wieder auf", sagt Schneider.

Die Jugendlichen nehmen Partydrogen und Cannabis, die Älteren hängen an der Flasche. Heroinkonsum kommt nicht mehr so häufig vor, da viele Drogenabhängige substituiert sind. Das bedeutet: Sie bekommen Medikamente (früher Methadon) verschrieben, mit denen die Sucht reduziert werden soll. Derzeitig werden 70 Menschen aus Wülfrath und Mettmann substituiert, sagt Claire Dosoudil von der Psychosozialen Betreuung. Ein Problem der nächsten Jahre: Platz in Pflegeheimen für langjährige Suchtkranke gibt es in Deutschland kaum. Der Streetworker sucht die Plätze auf, wo sich Drogenabhängige aufhalten: Unter der Kastanie auf dem Jubi, an der Schwarzbachstraße, am Brücker Berg und in Wülfrath am Krappsteich und im Stadtwald. Die Jüngeren konsumieren Drogen meist zu Hause und nicht in der Öffentlichkeit. Eine Kontrolle ist real nicht möglich.

Quelle: RP
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