| 00.00 Uhr

Karin Blomenkamp
"Es ist für Bäume kein einfaches Überleben"

Mettmann. Der Feldahorn ist der Baum des Jahres. Im Naturschutzzentrum Bruchhausen gibt es ihn noch häufig.

ERKRATH Wenn man dem Feld-Ahorn in einer Hecke oder an einem Weg begegnet, könnte man auf den Gedanken kommen, dass das überhaupt kein Baum ist.

Eine Frage vorweg: Mögen Bäume es, umarmt zu werden?

Blomenkamp (lacht) Das weiß ich leider nicht. Aber schaden dürfte es ihnen wohl nicht, solange es beim Umarmen bleibt.

Der Feldahorn wurde zum Baum des Jahres 2015 gewählt. Wie oft kommt er bei uns vor?

Blomenkamp Gerade hier im Naturschutzzentrum Bruchhausen gibt es ihn häufiger. Ansonsten ist er eher unbekannt und unauffällig.

Woran liegt das?

Blomenkamp Der Feldahorn wächst nicht in Wäldern, sondern eher am Waldrand oder als Teil einer Hecke. Im Wald ist er nicht stark genug, um sich gegen andere Bäume wie etwa Buchen durchzusetzen. Aber in unseren Vogelschutzhecken macht er sich sehr gut.

Woran erkennt man den Feldhorn?

Blomenkamp In Deutschland gibt es drei Arten, den Berg-, Spitz- und Feldahorn. Der Feldahorn ist quasi der kleine Bruder des Bergahorns. Er wird nicht so hoch, höchstens 15 Meter. Dafür hat er meist mehrere Stämme und breitet sich aus, er ist also eher strauchförmig. Seine Blätter haben diese typische Ahorn-Form, sind allerdings kleiner. Und natürlich hat er diese Flügelfrucht, die man sich früher immer auf die Nase gesetzt hat.

Wieso wurde der Feldahorn denn zum Baum des Jahres?

blomenkamp Die Wahl fällt oft auf typische Stellvertreter einer Art. In diesem Fall steht der Feldahorn für eine Saumbepflanzung, die leider oft der sogenannten Flurbereinigung zum Opfer fällt. Glücklicherweise verträgt der Feldahorn es aber, wenn man ihn häufig und stark beschneidet.

Wo liegen denn die Stärken des Baums?

Blomenkamp Er ist sehr nützlich, denn er hat einen dichten Wuchs. Damit bietet er Vögeln Schutz, sie können darin brüten und sich von den Samen ernähren. Die Blüten werden ebenfalls viel angeflogen. Das alles gehört zum Lebensraum Hecke.

Würde sich der Feldahorn auch für den eigenen Garten eignen?

Blomenkamp Natürlich. Als Sichtschutz wäre er perfekt, denn man kann ihn gut schneiden, er trägt lange Laub und er wäre etwas besonderes im Garten, da er eher unbekannt ist.

In Städten sind Bäume ja vielen Einflüssen ausgesetzt. Schadet es ihnen eigentlich, wenn sie immer wieder von Hunden angepinkelt werden?

blomenkamp (lacht) Da kenne ich jetzt keine Studien, aber ich kann mir vorstellen, dass es einem Baum nicht unbedingt zuträglich ist, wenn ihn alle Hunde der Nachbarschaft regelmäßig anpinkeln. Es kann schlicht und einfach zu einer Überdüngung kommen. Wenn Felder mit Mist gedüngt werden, darf es ja auch nur eine bestimmte Menge sein. Aber totpinkeln kann man einen Baum eigentlich nicht.

Geht es den Bäumen in unseren Städten eigentlich gut?

blomenkamp Ich habe den Eindruck, dass es immer weniger Bäume werden. Gerade nach dem Sturm Ela haben viele Menschen gesunde Bäume fällen lassen, weil sie Angst vor einem nächsten Sturm haben. Das scheint momentan so ein Trend zu sein.

Warum wären Bäume denn eigentlich wichtig für die Stadt?

blomenkamp Bäume sind Staubfilter und produzieren Sauerstoff. Sie sind Schattenspender, prägen das Stadtbild und sind oft der letzte Lebensraum für Insekten und Vögel.

Wo liegt also das Problem?

Blomenkamp Es gibt kaum noch Platz. Die Menschen wollen immer mehr Parkmöglichkeiten und so werden die Baumscheiben immer kleiner, wenn die Bäume nicht gleich ganz gefällt werden. Auch die Wasserversorgung ist schwierig, denn es ist ja alles versiegelt. Es ist für Bäume kein einfaches Überleben. Für Hilfe könnten da sogenannte Baumpaten sorgen, die sich um einen Baum kümmern und ihn beispielsweise gießen.

CHRISTIANE BOURS STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Karin Blomenkamp: "Es ist für Bäume kein einfaches Überleben"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.