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Mettmann
Flüchtling: Jetzt kann er seinem Sohn helfen

Mettmann: Flüchtling: Jetzt kann er seinem Sohn helfen
Vor einer Woche brach er in der Unterkunft zusammen, kam ins Krankenhaus. Jetzt kann der Familienvater wieder lächeln, sein Sohn kann nach Deutschland einreisen und wird hier operiert. FOTO: Achim Blazy
Mettmann. Der Syrer kam im Juli nach Deutschland und lebt in einer Mettmanner Unterkunft. Sein siebenjähriger Sohn ist bei einem Bombenangriff in Damaskus schwer verletzt worden und kann nur in Deutschland erfolgreich operiert werden. Von Christoph Zacharias

Echte Willkommenskultur erlebte ein 42-jähriger Familienvater aus Syrien, der derzeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Mettmann lebt. Der dreifache Vater - nennen wir ihn Mohammed T. (Name von der Red. geändert) - war im Juli aus Syrien über die Westbalkan-Route geflohen. Zu Fuß, mehrere Hundert Kilometer.

Über Arnsberg, dort musste er seinen Reisepass abgeben, kam er nach Mettmann. Er war aus Syrien geflohen, weil seine Familie unter dem unsäglichen Krieg der verfeindeten Gruppen litt. Das Besondere an seinem Schicksal: Sein Sohn (7) war morgens in die Schule in die Nähe von Damaskus gegangen. Dann fielen Bomben. Ein Bombensplitter traf den Jungen im Bauchbereich. Er verlor sehr viel Blut, musste notoperiert werden. Seine Chancen in Syrien zu überleben, sind gering. Denn die dortige medizinische Versorgung lässt es nicht zu, dass der Splitter aus dem Bauchraum entfernt werden kann. Der Vater entschloss sich daraufhin zur Flucht nach Deutschland. Ein langer Weg, doch er schaffte es.

In Mettmann quälen ihn seitdem Tag und Nacht die gleichen Gedanken. Wie geht es seiner Familie und vor allem wie geht es seinem Sohn? Wird der Kleine sterben, soll der Vater zurückgehen? Er war verzweifelt. Als seine Mitbewohner im Camp das muslimische Opferfest feierten, saß er auf seinem Bett und weinte. Die Frage, um die sich alles drehte, wie kann er seinen Sohn so schnell wie möglich nach Mettmann holen, um ihn hier zu retten. "Die Chancen für eine erfolgreiche Operation in Deutschland liegen bei 80 Prozent", hatten ihm Mediziner in Syrien gesagt.

Er ging allein zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und zur Ausländerbehörde des Kreises. Alle wollten ihm helfen, doch die Verfahren nehmen Zeit in Anspruch. Und es gibt viele Flüchtlinge, die zeitnah ein "Interview" beim Bundesamt wünschen. Vor einer Woche brach er in der Unterkunft zusammen, kam ins Krankenhaus, wurde versorgt und kurze Zeit später entlassen. Gestern nun fuhren zwei Freude aus Eritrea und aus Syrien zusammen mit einem Ehrenamtler zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nach Düsseldorf in die Erkrather Straße. Dichtes Gedränge auf den Fluren, viele Menschen, die Rat und Hilfe suchen. Mittendrin ein Pförtner, der quasi als Krisenmanager die erste Anlaufstelle bildet. Der Mann ist rau, aber herzlich ("wir können alle zusammen singen, aber nicht zusammen reden"), weiß sofort Bescheid und hilft unbürokratisch weiter. Mohammed schildert ihm seinen Fall, er muss ein wenig warten, dann wird er in ein Zimmer gerufen. Äußerst freundliche Mitarbeiter, darunter eine Dolmetscherin, nehmen ihn in Empfang. Er muss einen Fragebogen ausfüllen, dann werden ein Lichtbild angefertigt und Fingerabdrücke genommen. Es geht alles sehr schnell und äußerst zuvorkommend. Obwohl eine Riesenhektik im Amt herrscht, bleiben die Mitarbeiter cool und freundlich. Ein sehr respektvoller Umgangston. Schließlich erhält Mohammed ein Schriftstück. Er hat quasi vom Bundesamt eine Aufenthaltsgenehmigung.

Jetzt fehlen noch die Ausweispapiere, die vom Ausländeramt des Kreises Mettmann ausgestellt werden. Das dürfte recht flott gehen. Dann kann der Vater seinen Sohn nach Deutschland bringen lassen, dann kann der Siebenjährige operiert werden. Mohammed bricht in Tränen aus. Das Erste, was er tut: Er spricht via Handy mit seiner Frau in Damaskus. Beide weinen vor Glück am Telefon.

Quelle: RP
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