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Kreis Mettmann
Flüchtlinge an Tuberkulose erkrankt

Die wichtigsten Fakten über Tuberkulose
Die wichtigsten Fakten über Tuberkulose FOTO: Puwadol Jaturawutthichai/ SHutterstock.com
Kreis Mettmann. Bei weniger als zehn von 1800 Flüchtlingen, die im Kreis Mettmann untergebracht sind, wurde die Infektionskrankheit festgestellt. Einen Verdachtsfall gibt es in Haan. Es handelt sich nicht um eine offene Tuberkulose. Von Oliver Wiegand, Alexandra Rüttgen und Christoph Schmidt

In den 14 Notunterkünften im Kreis Mettmann leben derzeit etwa 1800 Flüchtlinge. Direkt nach ihrer Ankunft werden sie vom Gesundheitsamt des Kreises Mettmann untersucht. Bei "weniger als eine Handvoll Menschen ist eine Tuberkulose-Erkrankung festgestellt worden", sagte Rudolf Lange, Leiter des Kreisgesundheitsamts, jetzt in einem Ausschuss des Kreises, der sich mit Gesundheitsfragen befasst.

"Ansonsten seien die Menschen genau so krank wie Sie und ich", so Lange weiter. Die Flüchtlinge hätten zum Teil Herzprobleme, Krebs, Rheuma oder auch Diabetes. Sie alle werden medizinisch versorgt und erhalten die notwendige Behandlung. "Ich habe Leute gesehen, die hatten von Hunderten Kilometern Fußmarsch ganz wunde Füße", sagt Lange. Erstmals in seinem Leben habe er einen Menschen getroffen, der an Kinderlähmung leidet. Zur Standarduntersuchung gehört aber eben auch eine Röntgenaufnahme der Lunge. Dabei gebe es ab und an Auffälligkeiten, die eine nähere Untersuchung nötig machen, so Lange.

Das Röntgen ist für alle Flüchtlinge ab einem Alter von 15 Jahren Pflicht. Das Robert-Koch-Institut hatte vor kurzem klar gemacht, dass das Röntgen nicht dem Schutz der Bevölkerung dient. Das Risiko, sich bei einem Flüchtling mit Tuberkulose anzustecken, bewertet das Robert Koch-Institut als gering.

Die Untersuchung bei Flüchtlingen zielt vor allem auf den Schutz der Menschen selbst ab. Lange ist vollkommen klar, dass gerade bei TBC eine große Verunsicherung in der Bevölkerung bestehe und viele Menschen Angst hätten, sich anzustecken. Lange versicherte aber, dass keine Gefahr einer Infektion bestehe. Die TBC-Kranken werden in entsprechenden Kliniken behandelt. Er selbst habe ein Jahr lang in einer Lungenfachklinik gearbeitet und habe sich nicht angesteckt. Es handle sich bei den an TBC erkrankten Flüchtlingen im Kreis Mettmann auch nicht um eine sogenannte Offene Tuberkulose, sondern um die geschlossene Variante dieser Erkrankung.

In der Nachbarstadt Haan gibt es einen TBC-Verdachtsfall, erläuterte Sozialdezernentin Dagmar Formella im Rat auf eine Anfrage der Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan (WLH). Die Diagnose laufe, bis Ende der Woche erhofft sich die Stadt konkrete Ergebnisse und werde dann entsprechende Maßnahmen einleiten. Von den 150 Gästen in der Notunterkunft Turnhalle Adlerstraße seien 20 noch nicht ärztlich untersucht gewesen. Das wurde mit Hilfe örtlicher Radiologie-Praxen und ehrenamtlich tätigen Ärzten nachgeholt, die auch Impfungen vornahmen, so Formella weiter. "Pro Tag können 18 bis 20 Personen untersucht werden", gab sie einen Überblick über die Leistungskapazitäten des medizinischen Personals.

In der Notunterkunft in Hilden gab es bislang keinen TBC-Fall, bestätigt Sozialdezernent Reinhard Gatzke: "Wir haben bislang Glück gehabt." Die ehemalige Albert-Schweitzer-Schule beherbergt seit gestern bis zu 350 Flüchtlinge. Mit Doppelstockbetten wurde für 80 weitere Platz geschaffen. Nicht alle sind schon registriert. Für die Unregistrierten organisiere die Stadt einen medizinischen Check mit Röntgen (um TBC auszuschließen) und Impfungen. In der Unterkunft gibt es eine Arzt-Sprechstunde.

Das Kreisgesundheitsamt hofft, dass sich im Winter in den Unterkünften nicht die Grippe um sich greift. Vor einigen Wochen war es in Mettmann zum Ausbruch von Windpocken in den Turnhallen gekommen. "Die Gefahr besteht, wenn viele Menschen auf engem Raum nebeneinander leben", so Lange.

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Quelle: RP
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