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Mettmann
Gäste nehmen Abschied vom Kammerspielchen

Mettmann. Er zählt zu den besten Heinz Erhardt-Interpreten Deutschlands. Die ARD sagt: Thorsten Hamer ist der Beste. Und er besuchte das Kammerspielchen in Mettmann, um am Sonntag gleich zwei Vorstellungen zu geben. Er ließ den großen Heinz Erhardt quasi auferstehen. Ausverkauft waren beide Vorstellungen. Aber nicht nur großes Vergnügen machte sich breit an diesem Sonntag, sondern auch Trauer, Wehmut und Unverständnis. Denn wenn nicht ein Wunder geschieht, schließt das Kammerspielchen mit sofortiger Wirkung. In Mettmann hat Quambusch seit fünf Jahren versucht, sein kleines Haus an der Poststraße zu füllen - mit mäßigem Erfolg. Er hat bekannte TV-Schauspieler engagiert, er hat anspruchsvolle Stücke angeboten und auch Komödien. Das Mettmanner Publikum ließ sich nur zäh locken.

Tatsächlich ist der Grad der Bekanntheit nach wie vor zu niedrig. Thorsten Hamer war verblüfft. Er unterbrach seinen Vortrag im zweiten Teil seiner Heinz Erhardt-Schau und teilte seinem Publikum mit, dass er es nicht fassen könne, dass eine Stadt wie Mettmann ein solches Theater einfach untergehen lasse. Die Zuhörer applaudierten enthusiastisch. Die Damen Ingrid Jasmann und Johanna Heinze waren ganz seiner Meinung. Sie seien sehr traurig, verkünden sie. Leider seien wohl keine Sponsoren gefunden worden. Sie werden die heimelige und familiäre Atmosphäre des Theaters vermissen, sagen die Damen.

Und was die beliebten Heinz-Erhardt-Gedichte anging, so waren sie beinahe so textsicher wie der Schauspieler selbst. Mit Christiane Breucker hatte Thorsten Hamer eine Schauspiel-Kollegin auf der Bühne, die ihm manchen verbalen Ball zuwarf. Vor allem der uralte Sketch von Schiller und Schaller, der am Ende der Vorstellung noch eingebaut wurde, war urkomisch. Seine Erhardt-Texte aber hat Thorsten Hamer quasi verinnerlicht.

Seit zehn Jahren spielt er den legendären Komiker, nicht ausschließlich, aber immer wieder gerne. In Solingen ist Hamer 1982 geboren. Zurzeit ist er Ensemble-Mitglied des Weyher Theaters bei Bremen. In Düsseldorf hat er in der Komödie auf der Bühne gestanden sowie in vielen anderen deutschen und österreichischen Städten. Er führt Regie und er inszeniert selbst. Thorsten Hamer ist ein Vollblut-Schauspieler zum Anfassen.

Am Ende des Abends verabschiedeten er und Christiane Breucker sind von jedem Gast per Handschlag. Unter ihnen Ingo Grenzstein, Mettmanner kultur-engagierter Bürger und Laienschauspieler. Ein Kulturnetzwerk aller Kulturschaffenden in der Kreisstadt müsse geknüpft werden, sagt er.

(gund)
 
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